Brüggen: Zieht das Brachter Sozialamt um?

Brüggen: Zieht das Brachter Sozialamt um?

Die Gemeindeverwaltung überlegt, die Verwaltungsnebenstelle von der Marktstraße 3 zur Marktstraße 36 umzusiedeln. Die jetzigen Räume sind für Sozialamt, Flüchtlingsbetreuer und Bürgerservice zu klein geworden

Vor zwei Jahren zogen die Mitarbeiter der Verwaltungsnebenstelle des Brüggener Rathauses vom alten Brachter Bürgermeisteramt ins Nachbarhaus an der Marktstraße 3. Jetzt überlegt die Gemeindeverwaltung, die Verwaltungsnebenstelle an der Marktstraße 36 anzusiedeln. Dort befindet sich derzeit das Brüggener Innovations- und Gründerzentrum (Big). Die Gemeinde hatte es 2016 eröffnet, um junge Gründer zu fördern. Doch das Zentrum wird seither nicht so angenommen wie erhofft, im Gegenteil: Im Projektzeitraum erwirtschaftete die Gemeinde ein Minus von fast 48.000 Euro, die Räume sollen zum 31. März 2018 gekündigt werden.

In der Verwaltungsnebenstelle in Bracht ist nicht nur der Bürgerservice, sondern auch das Sozialamt untergebracht. Und wie die Verwaltung in ihrer Vorlage zur Ratssitzung am Dienstagabend erläuterte, sind die Bedingungen für Mitarbeiter und hilfesuchende Menschen durch die kleinen Räume an der Marktstraße 3 sehr schwierig geworden. Mit der steigenden Zahl von Flüchtlingen wurden mehr Mitarbeiter eingestellt. Räume, die zuvor für Auszubildende und Praktikanten vorgesehen waren, wurden als Büros für Flüchtlingsbetreuer und Praktikanten hergerichtet.

Auch im Wartebereich wurde es immer enger. "Während der Sprechzeiten ist ein Andrang von gleichzeitig 20 bis 30 Personen im Asylbereich keine Seltenheit", heißt es in der Vorlage. Eine einigermaßen geordnete Zuflussregelung sei nur über den barrierefreien Hintereingang möglich, der Wartebereich vorn sei nur für vier Personen ausgelegt und werde auch von Bürgerservice-Kunden genutzt. Die Flüchtlinge warteten auf den Fluren und auf der Treppe. Um die Situation zu entzerren, werden mehr Mitarbeiter während der Sprechzeiten eingesetzt, die auch den Aufenthalt auf der Treppe unterbinden. "Dennoch ist im Konfliktfall eine Flucht der Mitarbeiter oder anderer Beteiligter aufgrund der überfüllten Flure schwer möglich", führte die Verwaltung aus. An anderer Stelle heißt es, dass die Vordereingangstür nach innen öffne, sie daher nicht als Fluchttür geeignet sei.

Das Haus an der Marktstraße 3 ist Eigentum der Gemeindewerke, die Gemeinde hat die Räume für die Verwaltungsnebenstelle gemietet. 206 Quadratmeter stehen zur Verfügung, hinzu kommen 36 Quadratmeter Kellerfläche inklusive Heizungsraum. Im Big-Zentrum hätten die Mitarbeiter 24 Quadratmeter Bürofläche mehr, sodass dort mehr Einzelbüros eingerichtet werden könnten - wichtig, wenn Hilfesuchende persönliche Angelegenheiten besprechen wollen.

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In der Vorlage zur Ratssitzung gab die Verwaltung einen Überblick, wie es um Büroflächen, Ausstattung, Datenschutz, Parkflächen, Toiletten und einiges mehr an beiden Standorten bestellt ist. Was den Datenschutz betrifft, sieht die Verwaltung die derzeitige Unterbringung der Sozialamtsakten im Keller des alten Bürgermeisteramts kritisch: Die Pächterin des Amts hat jederzeit Zugang zu den Räumen, Mitarbeiter können nur nach Rücksprache mit ihr ins Archiv. Im Keller des Big-Zentrums wäre das Problem gelöst, dort wäre auch mehr Platz.

Für den Umzug rechnet die Verwaltung mit rund 37.000 Euro, unter anderem für das Umzugsunternehmen, die Netzwerk-Verteilung, die Glasfaser-Anbindung an Schulzentrum und Rathaus und neue Schilder. Was der Einbau einer Behindertentoilette kosten würde, muss noch geprüft werden. Im Big-Zentrum gibt es keine, an der Marktstraße 3 wurde eine solche Toilette eingerichtet. Sie stehe der Öffentlichkeit auch im Fall eines Umzugs weiterhin zur Verfügung, machte die Verwaltung deutlich. Der Mietvertrag für das Haus an der Marktstraße 3 läuft bis 2023. Sollte die Verwaltung vorzeitig ausziehen, wären Gespräche mit den Gemeindewerken nötig. Diese prüfen aktuell bereits mit einem Makler, ob man das Gebäude vermieten oder verkaufen kann.

René Bongartz (Grüne) warf die Frage auf, ob die durch einen Aufzug erreichbaren Toiletten und die Küche im zweiten Obergeschoss auch ohne den Seminarraum angemietet werden können. Müsse der Raum mit angemietet werden, könne man dort Veranstaltungen fördern, die keine Konkurrenz für die örtliche Gastronomie darstellten. Auch Willi Michels (CDU) fragte, ob der Raum wirklich nötig sei: "Der Seminarraum verteuert die Miete um monatlich 1000 Euro."

Ob die Verwaltungsnebenstelle nun umzieht und wenn ja, welche Räume an der Marktstraße 36 in Frage kommen, ist noch nicht klar. Einen Beschluss dazu fasste der Rat nicht. Er beauftragte lediglich bei einer Gegenstimme von Erich Lehnen (CDU) die Verwaltung, mit dem Eigentümer konkrete, aber ergebnisoffene Gespräche zu führen und für die erste Ratssitzung im neuen Jahr eine entscheidungsreife Vorlage zu erarbeiten.

(bigi)