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Zehn Prozent mehr Arbeitslose im Kreis Viersen im April 2020

Corona im Kreis Viersen : Zehn Prozent mehr Arbeitslose

Für knapp 35.000 Arbeitnehmer zeigten die Firmen im Kreis Viersen Kurzarbeit an. Laut einer Blitzumfrage der IHK Mittlerer Niederrhein ist jedes fünfte Unternehmen von Insolvenz bedroht.

Die Corona-Krise sorgt für eine massive Verschlechterung der Arbeitslosenzahlen im Kreis Viersen. Gegenüber März gibt es knapp 900 Arbeitslose mehr – ein Zuwachs um 10,3 Prozent. „Diese Entwicklung wird sich in den Folgemonaten fortsetzen“, ist die Chefin der auch für den Kreis Viersen zuständigen Arbeitsagentur Krefeld überzeugt: „Wichtige Gründe für den Anstieg arbeitslos gemeldeter Menschen sind die gestiegenen Zugangszahlen und das Ausbleiben der Frühjahrsbelebung“, sagt Bettina Rademacher-Bensing.

Seit Jahrzehnten sinken die Arbeitslosenzahlen üblicherweise im April. Nun stieg die Arbeitslosenquote im Kreis Viersen erstmals in einem April an: von 5,3 Prozent im März auf 5,8 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen kletterte mit 9500 auf den höchsten Stand seit August 2018. Klar ist aber auch: Ohne die Einführung des Kurzarbeitergeldes wären die April-Zahlen noch deutlich schlechter ausgefallen. „Nach zunächst vorsichtigen Schätzungen liegen jetzt erste belastbare Zahlen vor, wie stark die Unternehmen im Agenturbezirk das Instrument der Kurzarbeit nutzen, um in der Coronakrise ihre Mitarbeiter zu binden“, so Rademacher-Bensing. Unternehmen aus dem Kreis Viersen stellten im März und April mehr als 2500 Anzeigen auf Kurzarbeitergeld. Davon betroffen: 34.700 Personen. Betriebe haben nach der Anzeige drei Monate Zeit, um ihre Abrechnungen einzureichen. „Erst dann lässt sich erkennen, wie viel Kurzarbeit tatsächlich realisiert wurde“, erklärt die Chefin der Arbeitsagentur. „Es ist eine gute Botschaft, dass viele Unternehmen in der Region dieses Angebot nutzen und damit verhindern, dass Menschen arbeitslos werden.“

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„Dass die Corona-Krise sich auch auf den Arbeitsmarkt niederschlägt, war abzusehen“, sagt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. „Ohne die Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld und die verschiedenen staatlichen Hilfen wäre der Anstieg der Arbeitslosigkeit weitaus dramatischer ausgefallen.“ Dass das Kurzarbeitergeld ein wertvolles Instrument ist, um Mitarbeiter in schwierigen Zeiten zu halten, zeige sich auch in der Corona-Krise.  „Dennoch sehen viele Unternehmer keine andere Möglichkeit als Stellenabbau“, berichtet Steinmetz und wirbt für Verständnis: „In einer ganzen Reihe von Branchen herrscht Verzweiflung, 21 Prozent der von uns befragten Unternehmen sind von der Insolvenz bedroht.“

Dazu kommt: Angesichts der unsicheren Lage und negativen Geschäftserwartungen verzichten viele Unternehmen momentan auf Neueinstellungen. „Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, nun länger suchen müssen, um eine neue Stelle zu finden“, sagt Steinmetz. Bereits Ende März hatte ein Drittel der Unternehmen im Rahmen einer Blitzumfrage eingeräumt, dass sie von einer Reduzierung der Mitarbeiterzahl ausgehen.

Insbesondere die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie und des staatlichen Krisenmanagements führe in vielen Betrieben dazu, dass nicht mehr eingestellt wird und Verträge nicht verlängert werden. „Deswegen werben wir als IHK dafür, dass die Bundes- und Landesregierungen kurzfristig für alle Branchen einen Öffnungsfahrplan festlegen“, so Steinmetz und wirbt aller Schwierigkeiten zum Trotz für Optimismus: „Beim Bewältigen der Krise sind die Betriebe auch auf gute Mitarbeiter angewiesen. Qualifizierte und motivierte Fachkräfte werden in Zukunft dringend gebraucht.“