Kreis Viersen: Zecken lauern im Unterholz

Kreis Viersen: Zecken lauern im Unterholz

Mit den milderen Temperaturen werden auch Zecken wieder aktiv. Die nur wenige Millimeter großen Parasiten können für Mensch und Tier gefährliche Erreger übertragen. Hundertprozentigen Schutz vor den Blutsaugern gibt es nicht

Vom Ausflug ins Grüne können Menschen und Tiere die unwillkommenen Gäste nach Hause bringen: Zecken. Am bekanntesten und am meisten verbreitet ist im Kreis Viersen der Gemeine Holzbock. Nicht die Stiche des Blutsaugers, sondern die Erreger, die der Parasit in sich tragen kann, sind eine mögliche Bedrohung für Menschen und Tiere. Mit dem milden Frühlingswetter werden die nur wenige Millimeter großen Milben aktiv und lauern im Gebüsch, Unterholz oder hohem Gras ihren Wirten auf.

Bevorzugte Wirte des Holzbocks sind unter anderem Hunde, Katzen, Menschen, aber auch Pferde. Für den Menschen gefährlich werden kann die von Zecken übertragene Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Außerdem übertragen die Zecken mit ihrem Speichel oft auch Anaplasmose, Ehrlichiose und Babesiose. Wenn sich eine Zecke festgesaugt hat, gilt bei Mensch und Tier gleichermaßen: Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Infektionsrisiko.

Dabei sollte die Zecke niemals vorher mit Alkohol oder anderen Mitteln behandelt werden, sondern am besten mit einer Pinzette vorsichtig aus der Haut gehebelt oder gedreht werden, sagt Martina Kruß, Amtsärztin und Leiterin des Gesundheitsamts im Kreis Viersen. Nicht jeder Zeckenstich sei außerdem zwingend mit einer Erkrankung verbunden.

Zecken im Kreis Viersen übertragen in der Regel den FSME-Virus nicht, können dafür aber mit Borrelia-Bakterien infizieren. Von den Borreliose-Erregern gibt es mehrere Stämme, diese können bei Menschen und Tieren die Lyme-Borreliose verursachen. Die Erkrankung kann verschiedene Organe in jeweils verschiedenen Stadien und Ausprägungen betreffen, speziell die Haut, das Nervensystem und die Gelenke. Ein Ausbruch kann auch erst Jahre später nach der Ansteckung erfolgen.

"Für FSME und Borreliose besteht zwar Meldepflicht, es ist aber garantiert mit einer großen Dunkelziffer zu rechnen", sagt Kruß. Der Grund: Dem Gesundheitsamt gemeldet werden nur im Labor festgestellte Infektionen. Ärzte diagnostizieren die Infektion mit Borrelien aber meistens bereits anhand körperlicher Symptome. Dazu gehört die sogenannte Wanderröte: Um den Zeckenstich bildet sich ein rötlicher Ring, die Haut in der Mitte ist in der Regel blasser als am Rand. Nicht in allen Fällen tritt die Wanderröte jedoch auf.

Die Bakterien können sich auch unbemerkt im Körper verbreiten. Eindeutige Diagnostik ist durch Labortests möglich. Eine Impfung für den Menschen gibt es nicht - Hunde hingegen können vor Borreliose geschützt werden. "Mit vier Impfungen wird eine Grund-Immunisierung erreicht", sagt Klaus von Gierke, praktizierender Tierarzt in Oedt. Die Kosten für die einzelne Impfung liegen jeweils bei etwa 50 Euro. Danach ist jährlich eine Auffrischungsimpfung nötig.

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Für Menschen empfehlen Ärzte eine FSME-Vakzination. Die Krankheit verläuft mit grippeähnlichen Symptomen, Fieber und teilweise mit einer Meningoenzephalitis, der Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten. Beim Großteil der Infizierten treten jedoch keine Krankheitsanzeichen auf. "2017 wurde ein Fall von FSME im Kreis gemeldet", sagt Kruß. Die Infektion ist dabei höchstwahrscheinlich bei einem Aufenthalt in einem Risikogebiet erfolgt. "Als Risikoregion gelten Gebiete in Süddeutschland, aber insbesondere auch in Osteuropa."

Reisenden wird eine Impfung empfohlen. Meistens würden die Krankenkassen die Vakzination übernehmen, sagt Kruß. Eine Auffrischung der Impfung ist erst in Abständen von mehreren Jahren nötig. Kinder können ab einem Jahr geimpft werden. Der Impfkurs besteht aus mehreren Injektionen. Über die Impfung nachdenken sollten Interessierte daher am besten vor der Zecken-Saison.

Diese ist übrigens nicht im Hochsommer: "Da bekommen wir zwar die meisten Meldungen von Zeckenstichen", sagt die Amtsärztin, "das hängt aber eher mit dem Freizeitverhalten des Menschen zusammen, als mit der Zeckenaktivität." Die Spinnentiere sind bereits bei Temperaturen über sieben bis acht Grad Celsius aktiv - bei mildem Klima also fast ganzjährig.

Eine Borrelien-Infektion kann, aber muss nicht zwingend eine Erkrankung nach sich ziehen. Für Mensch und Tier gilt jedoch: Bei unbemerktem oder unbehandeltem Ausbruch der Borreliose kann die Erkrankung schwer auf Gelenke und innere Organe schlagen. Eine hundertprozentige Sicherheit vor Zecken bieten Schutzmittel nicht, sagen Amtsärztin und Tierarzt.

Bei Menschen sei die beste Vorsorge, der Zecke den Weg zu erschweren: "Zumindest der Holzbock geht auf seinen Wirt nicht aktiv zu, sondern wartet, bis er im Vorbeigehen abgestrichen wird", sagt Kruß. Möglichst alle offenen Hautstellen beim Spaziergang im Wald zu bedecken und anschließend den Körper gründlich abzusuchen ist besonders wichtig. Ebenso wie sich sollten Tierhalter die Vierbeiner nach Zecken absuchen. "Dafür kann man zum Beispiel mit einem Flohkamm durch das Fell gehen und die Zecke möglichst erwischen, bevor sie sich festsaugt."

(juz)