Zahl der Berufspendler im Kreis Viersen auf neuem Höchststand

Kreis Viersen : So viele Berufspendler wie nie

79.000 Frauen und Männer verlassen täglich den Kreis Viersen, um zum Job zu fahren. Die Gewerkschaft Bau kritisiert fehlenden bezahlbaren Wohnraum in den Städten. Aus Niederkrüchten kommt eine Idee gegen den Pendelwahnsinn.

Die Zahl der Berufspendler im Kreis Viersen hat einen neuen Höchststand erreicht. Auf dem Weg zur Arbeit verließen im vergangenen Jahr rund 79.000 Menschen regelmäßig die Grenzen des Kreises – das sind 26 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Damals zählte der Kreis rund 63.000 sogenannte Auspendler, wie die Industriegewerkschaft  Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) mitteilt. Die IG BAU beruft sich dabei auf eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Die Zahl der Einpendler in den Kreis Viersen stieg dabei im gleichen Zeitraum um 19 Prozent auf 49.000 Einpendler.

Gewerkschafterin Doris Jetten spricht von einem „alarmierenden Trend“. Eine Hauptursache für den Pendel-Boom sei der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Groß- und Unistädten. „Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich die hohen Mieten und Immobilienpreise in der Stadt nicht mehr leisten. Aber genau dort sind in den letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden“, sagt die  Bezirksvorsitzende der IG BAU Düsseldorf. Die Folge seien immer längere Staus und überfüllte Züge. Strecken von mehr als 50 Kilometern bis zum Arbeitsplatz seien für viele Pendler aus dem Kreis Viersen mittlerweile gang und gäbe, betont Jetten. „Dabei geht nicht nur wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren. Auch die Umwelt leidet unter der Fahrerei.“ Nach Angaben des Umweltbundesamtes geht knapp ein Fünftel aller CO2-Emmissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs.

Die IG BAU warnt vor einer Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen noch weiter vom Arbeiten entfernen. Nötig sei eine „drastische Wende“ in der Wohnungsbaupolitik. „Die öffentliche Hand muss viel mehr als bisher investieren, um bezahlbaren Wohnraum in den Metropolen und Ballungsräumen zu schaffen“, sagte Jetten. „Es fehlen vor allem Wohnungen im sozialen und im bezahlbaren Segment.“ Massive Investitionen seien aber auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar, um die Pendler zu entlasten. „Vor allem beim Schienen-, Straßen- und Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß“, macht Jetten deutlich. Einen entscheidenden Beitrag gegen den „Pendel-Frust“ könnten zudem die Firmen leisten – indem sie es ihren Beschäftigten leichter machen, in Gleitzeit oder im Home-Office zu arbeiten.

Die „Pendler-Problematik“ im Kreis Viersen sei Teil eines bundesweiten Trends, so die Gewerkschaft: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit pendelten im vergangenen Jahr 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in eine andere Stadt oder einen anderen Kreis zur Arbeit.

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