Jürgen Steinmetz: Woher nehmen Sie den Optimismus, Herr Steinmetz?

Jürgen Steinmetz : Woher nehmen Sie den Optimismus, Herr Steinmetz?

Die neue Metropolregion Rheinland soll die Interessen von 24 Städten und Kreisen - darunter der Kreis Viersen - unter einen Hut kriegen. Wir fragten den IHK-Hauptgeschäftsführer, woher er den Optimismus nimmt, dass das klappt

Herr Steinmetz, warum soll sich demnächst die Stadt Duisburg freuen, wenn sich in Krefeld ein Unternehmen ansiedelt, das sich auch nach Duisburg hätte gehen können?

Steinmetz Weil Duisburg davon eher profitiert, als wenn dieses Unternehmen nach Nord- oder Süddeutschland oder in eine andere europäische Metropolregion gegangen wäre. Für mich ist die Gründung der Metropolregion Rheinland insofern auch ein Bekenntnis zum Rheinland und zur Zusammenarbeit.

Dennoch fragt sich, ob Kommunen zur Zusammenarbeit fähig sind, die sonst im Wettbewerb um Neuansiedlungen Konkurrenten sind.

Steinmetz Diese Konkurrenz wird ja mit der Gründung der Metropolregion auch nicht ausgeschaltet. Ich halte den Wettbewerb und die Bemühungen der einzelnen Kommunen in der Wirtschaftsförderung weiterhin für wichtig und notwendig.

Die IHK weist regelmäßig darauf hin, wie wichtig die Höhe der Gewerbesteuer ist; hier muss jede Kommune also weiter sehen, wie sie günstig bleibt?

Steinmetz Ja, so ist das. Die Metropolregion ist kein Instrument, gute Politik um ausgeglichene Haushalte und wirtschaftliches Handeln mit öffentlichem Geld auszuschalten. Es geht aber darum, gemeinsames Handeln auszubauen, etwa dort, wo wir schon gemeinsam handeln. Keine der Kommunen geht etwa allein zur einer internationalen Messe wie der ExpoReal in München. Das macht man in der Gemeinschaft, und hier sind auch weitere Aufstellungen und Formen der Zusammenarbeit denkbar. Wenn man das größer denkt, also nicht nur national, sondern international, dann wird schnell deutlich, welche Chancen sich ergeben, nicht nur für den Niederrhein, sondern für das Rheinland zu werben.

Gibt es schon Ideenskizzen?

Steinmetz Ja, was Messen angeht, liegen die Chancen auf der Hand. National gesehen ist das Stichwort Verkehrsinfrastruktur wichtig. Wir haben uns zum Beispiel auf eine Prioritätenliste beim Bundesverkehrswegeplan verständigt. Da haben sich alle zusammengerauft, und so treten wir mit größerem Gewicht gegenüber dem Bundesverkehrsministerium auf. Es gibt aber auch weitere Themen wie die Harmonisierung der Tarife im ÖPNV oder die stärkere Zusammenarbeit im Bereich Kultur und Tourismus.

Beim Bundesverkehrswegeplan geht es um Autobahnen, Bahnlinien und Wasserwege?

Steinmetz Ja. Wenn das jede Stadt, jeder Kreis und jede IHK für sich alleine macht, wird das weniger Gewicht haben und Gehör finde in Berlin als im Verbund.

Gibt es Pläne, wie die Metropolregion sich personell aufstellt? Machen das Oberbürgermeister im Turnus nebenbei oder braucht man einen hauptamtlichen Geschäftsführer?

Steinmetz Das ist nebenamtlich und nebenher nicht zu machen, wenn es etwas werden soll. Diese Aufgabe braucht eine gute Struktur; es ist so angelegt, dass wir eine kleine, überschaubare Mannschaft mit hauptamtlichem Geschäftsführer und zwei, drei Mitarbeitern zusammenstellen. Dieses Team muss nicht aufgebläht sein, um effektiv zu arbeiten.

Wird dieses Büro bei einer IHK angesiedelt sein?

Steinmetz Nein, das wird in Köln angesiedelt, in Düsseldorf liegt der Vorsitz. Ich freue mich als Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands an vorderster Stelle mit dabei zu sein. Mir liegt die Region am Herzen, die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei. Ziel ist es, schnell erste Erfolge zu erzielen und somit Aufmerksamkeit und noch mehr Akzeptanz zu schaffen.

Die IHK hat die Wirtschafts- und Haushaltspolitik der Kommunen immer auch kritisch begleitet. Werden diese kritischen Töne leiser oder wird die Auseinandersetzung über die Metropolregion ausgetragen?

Steinmetz Weder noch. Wir werden weiter unsere Analysen zu kommunalem Handeln vortragen; aber wir werden die Arbeit in der Metropolregion nicht zur Plattform dieser Auseinandersetzung machen. Ich sehe da keinen Zusatznutzen; das Ziel der Metropolregion ist Zusammenarbeit und das Bekanntmachen unserer Standortvorteile im In- und Ausland.

Wird es einfacher, grenzüberschreitende Gewerbegebiete zu schaffen?

Steinmetz Das hoffe ich, wenn es dann auch gelingt, die Regionalplanung in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln zu harmonisieren.

Gab es einen Auslöser für die Gründung der Metropolregion, irgendeinen großen Frust über eine misslungene Planung?

Steinmetz Nein, das war eher das Ergebnis eines Prozesses. Der Anstoß ging von einer Initiative der Industrie- und Handelskammern Mittlerer Niederrhein und Düsseldorf sowie der anderen IHK'n im Rheinland aus.

Was hat diesen Denkprozess bei den IHKen ausgelöst?

Steinmetz Wir haben schon lange den Wirtschaftsraum Rheinland analysiert. Ausbildung, Konjunkturbarometer, Wirtschaftskraft, Infrastruktur: Das betrachtet man ohnehin in größeren Zusammenhängen und nicht innerhalb kommunaler Grenzen. Und da stößt man eben darauf, wie stark das Rheinland im Vergleich zu anderen Metropolregionen wie Hamburg, Stuttgart oder München ist. Alle drei liegen mit ihren Kennzahlen hinter der Metropolregion Rheinland, wenn man Indikatoren wie Einwohner, Fläche, sozialversicherungspflichtige Beschäftigte nimmt.

Die genannten Regionen haben aber den Vorteil, sich über eine Großstadt zu definieren. Die Metropolregion Rheinland ist doch eher zerfasert.

Steinmetz Das macht es ja so spannend uns uns so stark. Mir fällt es nicht schwer, im Ausland oder anderen Regionen Deutschlands zu sagen "Ich bin Rheinländer"; das sage ich eher als "Ich komme aus Nordrhein-Westfalen". Ich finde, der Begriff Rheinland sagt etwas aus, er steht für Wirtschaftskraft und Lebensqualität. Das ist eine gelebte Region.

JENS VOSS FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)