Wo Eltern-Taxis in Viersen zur Gefahr werden

Schulen und Kitas : Wenn Eltern-Taxis zur Gefahr werden

Stress, Stau und kleine Kinder: Vor vielen Grundschulen kommt es morgens zu gefährlichen Situationen. Die Stadt hat die Situation an allen Grundschulen und Kitas untersucht, will zunächst an zehn Standorten optimieren.

Um 7.37 Uhr nimmt das Verkehrsaufkommen vor der Martinschule in Süchteln deutlich zu: Die ersten Eltern bringen den Nachwuchs mit dem Auto zur Grundschule. Sie parken auf dem Busstreifen, im Halteverbot, vor der Einfahrt – und das, obwohl noch einige reguläre Parkplätze frei sind. 7.40 Uhr: Jetzt kommen die Autos im Sekundentakt. Die ersten Wagen werden auf dem Gehweg geparkt. 7.43 Uhr: Ein Auto rauscht mit hoher Geschwindigkeit über die Straße vor der Schule, zum Glück geht gerade niemand über die Straße. 7.45 Uhr: Der Schulbus kommt an. Seine Parkbucht ist zugestellt.

14 Grundschul-Standorte gibt es in Viersen, und jeden Morgen zeigt sich ein ähnliches Bild wie an der Martinschule. Dort warnte die Schulleitung jüngst die Eltern: Mehrere Autos von Eltern waren aufgebrochen worden, während sie ihre Kinder bis zum Schultor brachten.

Die Viersener Stadtverwaltung hat in den vergangenen Monaten auf Antrag der SPD die Verkehrssituation an den 14 Grundschulen und an allen 35 Kitas in den Blick genommen, parallel dazu die Unfallstatistik der Polizei ausgewertet, ergänzend Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt. Eine wesentliche Erkenntnis: „Es hat sich an den Grundschulen gezeigt, dass gefährliche Situationen und Gefahrenmomente ausdrücklich durch das Fehlverhalten der Eltern beim Anfahren und Parken entstehen“, berichtet Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD). Verstärkt werde die Problematik dadurch, dass die Grundschulen meist an größeren und schnelleren Straßen liegen und die Kinder zusätzlich mit einem höheren Verkehrsaufkommen konfrontiert werden. Hans Jansen, Geschäftsführer der Verkehrswacht Viersen, ist generell kein Freund davon, dass Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. „Das sollte nicht die Regel sein“, betont der Experte. „Kinder werden unselbstständig, ihnen fehlen soziale Kontakte, die sie sonst auf dem Schulweg haben, wenn sie mit Mitschülern gemeinsam zur Schule gehen und außerdem ist das auch unter gesundheitlichen Aspekten schwierig. Ihnen fehlt Bewegung.“ Das Schlimmste aber sei: „Eltern-Taxis gefährden die Kinder der Eltern, die es richtig machen und mit ihrem Kind zur Schule laufen.“ Denn vom Fahrersitz aus hätten die Erwachsenen die kleinen Kinder oft nicht richtig im Blick, gerade wenn viele Autos rangieren müssten. Für fünf Grundschulen sieht die Stadtverwaltung einen erhöhten Handlungsbedarf, um die verkehrliche Situation zu entschärfen. Denn dort haben die Mitarbeiter der Stadtverwaltung eine Vielzahl von Auffälligkeiten ausgemacht. Dazu zählen die Agnes-von-Brakel-Schule, die Grundschule Zweitorstraße, die Remigiusschule sowie die Primus-Schule in Dülken und die Brüder-Grimm-Schule in Süchteln. Jansen erklärt: „Bisweilen sind es Kleinigkeiten, die zu Verbesserungen führen können. An der Gemeinschaftsgrundschule in Süchteln beispielsweise führt ein Fußweg hinter Straßenbegrünung zur Schule. Erwachsene sind hinter der Hecke für Autofahrer gut zu erkennen, Kinder aber sind nicht zu sehen.“ Man müsse einfach die Hecke zurückschneiden.

Nach einem tödlichen Unfall vor einer Grundschule in Mönchengladbach, bei dem Anfang Dezember eine acht Jahre alte Grundschülerin überrollt worden war,bemerkt Jansen auch ein Umdenken bei den Eltern. „Wir kämpfen seit Jahren gegen Windmühlen, aber jetzt scheint sich etwas zu tun.“ So gebe es an zwei Grundschulen in Dülken Bestrebungen, einen „Walking Bus“ einzurichten. Dabei begleiten Eltern Kinder auf ihrem Schulweg, an speziellen Haltestellen des „laufenden Busses“ können die Grundschüler darauf warten, mitgenommen zu werden.

Untersucht hat die Stadtverwaltung auch die Gefährdungspotenziale an Kindertagesstätten. Sie seien geringer, weil Kinder nur selten alleine zur Kita gehen und Kitas üblicherweise in Tempo-30-Zonen liegen. Doch auch dort will die Verwaltung bald für fünf Kitas Optimierungen vorschlagen.

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