Brüggen: Wissen in die Welt getragen

Brüggen: Wissen in die Welt getragen

Mit einem Empfang in der Burg würdigte die Gemeinde Brüggen gestern den 85. Geburtstag ihres Ehrenbürgers. Professor Wildor Hollmann revanchierte sich mit einem spannenden Vortrag über Gehirn, Geist und Quantenphysik.

Schon 1949 im Studium begann Wildor Hollmann mit experimenteller Forschung, zehn Jahre später glückte ihm in Chicago der internationale Durchbruch, bis heute ist der Brüggener ein weltweit geachteter Sportmediziner. Mit dem Empfang zu seinem 85. Geburtstag würdigte die Gemeinde kein lokales Engagement, so Bürgermeister Gerhard Gottwald gestern im Kultursaal der Burg. "Wir wollen unseren Bürgerstolz zum Ausdruck bringen, dass sie als Bürger der Gemeinde ihr Wissen, Können und Forschen in alle Welt getragen haben." Drei Persönlichkeiten hat die Burggemeinde die Ehrenbürgerwürde verliehen: 1951 dem Pfarrer und Heimatforscher Bernhard Röttgen, 1989 dem Schriftsteller Leonhard Jansen und 2001 dem Sportarzt und Forscher Hollmann.

Die Feier umrahmte die engste Familie: Tochter Ulrike Härtel und das Emsemble "Flautissimo", dem auch die Enkel Verena und Julian angehören, spielten zum Auftakt eine Strauss-Polka, dann für den "lieben Papi für sein kaum nachzuahmendes Lebenswerk" das Stück "I did it my Way".

International richtungsweisend

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Es dauert schon eine Weile, die Stationen dieses unfassbar reichen Forscherlebens nur aufzuzählen. Was Hollman nach dem Blitzstart seiner Karriere – 1961 Facharzt für Innere Medizin, 1965 Professor für Kardiologie und Sportmedizin – für die Fachwelt erarbeitet hat, sei "sensationell, revolutionär, international richtungsweisend und bis heute prägend", sagte Bürgermeister Gottwald. So habe sich sein Gerät zur Blutdruckmessung unter Belastung weltweit durchgesetzt. Eine Revolution in der Behandlung von Herzinfarktpatienten stellte die Abwendung vom Ruhigstellen hin zur Mobilisation und Reha durch körperliches Training dar. In den 1980er Jahren bezog Hollmann das Gehirn in Untersuchungen ein. Er war wissenschaftlicher Berater Japans für Präventivmedizin und Arzt der Nationalteams im Fußball, Golf und Hockey. 30 Forschungs- und staatliche Auszeichnungen würdigten seine Arbeit. Das Deutsche Sport- und Olympiamuseum zeigt bis 11. April eine Ausstellung über Prof. Hollmanns Lebenswerk. Auch diese wird kaum die Frage beantworten können, die Gottwald am Ende stellte: "Wie haben sie das alles bloß geschafft?" Ihren Beitrag hat Ehefrau Ingeborg geleistet – ihr überreichte der Bürgermeister einen Blumenstrauß.

Der Geehrte zeigte sich mit einem Vortrag erkenntlich, machte die Beziehung von Quantenphysik, Geist und Gehirn spannend verständlich, sprang von den neokortikalen Säulen zu Heisenbergs Unschärferelation. Da, wo die Logik des Wissenschaftlers endet, ließ er die gebannt Lauschenden den Hauch des Göttlichen im Universum spüren. Für sein Lebenswerk wie auch seine geistige Fitness im hohen Alter muss wohl gelten, was er über die Quanten sagte: "Wie das funktioniert, weiß kein Mensch."

(RP)