Viersen Wirbt Viersen im Internet für Friedhöfe?

Viersen · Bestattungen sollen bezahlbar bleiben. Vor allem die Nachfrage nach Urnengräbern steigt. Das Angebot wird vielfältiger.

 Eine Konkurrenz zu den städtischen Friedhöfen in Viersen: Auch in der Grabeskirche St. Josef ist eine Urnenbeisetzng möglich. Ein Angebot, das von vielen Hinterbliebenen geschätzt wird.

Eine Konkurrenz zu den städtischen Friedhöfen in Viersen: Auch in der Grabeskirche St. Josef ist eine Urnenbeisetzng möglich. Ein Angebot, das von vielen Hinterbliebenen geschätzt wird.

Foto: Busch

Der Tod ist ein lukratives Geschäft — auch in Viersen. Rund 750 Bestattungen gibt es jährlich in der Kreisstadt. Sechs Friedhöfe mit einer Gesamtfläche von 44 Hektar stehen zur Auswahl, 35 000 Grabstätten sind angelegt. Doch ein Wert bereitet der Verwaltung Sorge: Die Zahl der Sterbefälle und der Beerdigungen gehen immer weiter auseinander. Fanden 1991 bei kapp 1000 Todesfällen fast alle Verstorbenen ihre letzte Ruhestätte in Viersen, wird heute rund ein Viertel außerhalb der Kreisstadt beerdigt. Um diesen Trend zu stoppen, haben sich alle am Friedhofgeschehen beteiligten — Verwaltung, Kirchen, Bestatter, Gärtner, Steinmetze und Trauerredner — in einem Arbeitskreis zusammengesetzt, ein gemeinsames Papier erarbeitet und dies der Politik vorgelegt.

"Das Ergebnis ist prima", so SPD-Ratsherr Heinz Plöckes. "Ich hoffe, dass wir demnächst wieder bessere Zahlen in Viersen haben." Fakt ist nach Meinung der Experten, dass eine Privatisierung von Leistungen über den derzeitigen Umfang hinaus keine Kostenvorteile bringt. Gleichzeitig ist eine Komplett- oder Teilschließung von Friedhöfen in Viersen nicht geplant. Parallel stellte der Arbeitskreis Lösungsansätze vor, das Angebot attraktiver zu gestalten. So soll beim Bestattungstourismus in Richtung Venlo oder Braubach gegengesteuert werden. Es ist geplant, in Zusammenarbeit mit einem Krematoriumsbetreiber ein preisliches Gegenangebot zu entwickeln.

Auch mit Blick auf die steigende Zahl von Urnenbestattungen — sie liegt mittlerweile bei fast 50 Prozent — wird die Stadt ihr Portfolio verändern. Insbesondere durch die Konkurrenz der Grabeskirche St. Josef wird die Verwaltung ihr Angebot an "Kolumbarien in Premiumlagen des Friedhofs mit gehobener Ausstattung" ausweiten. Für den Haushalt 2013 sind erste Ansätze für den Ausbau angemeldet, die in den Folgejahren fortgesetzt werden sollen. Die Prioritäten liegen bei den Zentralfriedhöfen Löh, Dülken und Süchteln. Daneben sollen in der Kreisstadt künftig "Baumbestattungen" — als Erd- oder Urnenbestattungen unter prägnanten Bäumen — möglich sein. Neue "Kunden" möchte die Verwaltung durch "pflegefreie Wahlgräber" gewinnen. Vor allem auswärtige Angehörige sollen hier angesprochen werden. Diese zahlen eine einmalige Gebühr für ein Wunschpaket, die Grabpflege wird für die nächsten 25 Jahre durch die Stadt organisiert.

Moderne Wege will Viersen bei der Vermarktung der Ruhestätten gehen. So sollen die städtischen Produkte professionell vermarktet werden. Ein erster Schritt wäre die Erstellung einer Friedhofsbroschüre mit Plänen, Bestattungsarten und Dienstzeiten. Und selbst im weltweiten Netz soll das Angebot — eventuell auf einer eigenen Internetseite — nachzulesen sein. Schließich gibt es spezielle Beratungsstunden durch städtisches Fachpersonal. Nur in einem Punkt bleibt in Viersen auch künftig alles wie bisher: An Freitagnachmittagen und Samstagen wird nicht bestattet — das lehnen die Kirchen sowie die Personalvertretung der Verwaltung ab.

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(RP/url)
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