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Alfons Görgemanns: "Wir müssen ein Gefühl für Viersen entwickeln"

Alfons Görgemanns : "Wir müssen ein Gefühl für Viersen entwickeln"

Alfons Görgemanns hält nicht viel von Einzelversprechen im Wahlkampf - lieber will er mit den Bürgern ein Gefühl für die Stadt entwickeln. Die RP hat den SPD-Fraktionsvorsitzenden interviewt.

Herr Görgemanns, gerade hat der Ausschuss für Stadtentwicklung und -planung eine Entscheidung zum Bahnhofsvorplatz vertagt. Es ist unklar, wie es mit den Spielplätzen weitergeht, für die Süchtelner Höhen gibt es kein Konzept. Braucht die Politik zu lange für Entscheidungen?

Görgemanns Die Entscheidungsfreudigkeit bei einigen Ratsmitgliedern ist sehr reduziert. Unter dem Deckmantel, man müsse mit Bürgern Rücksprache halten, werden Entscheidungen verschoben - oder es wird kaschiert, dass man sie nicht treffen will.

Ist Bürgerbeteiligung nicht wichtig?

Görgemanns Doch, selbstverständlich. Aber oft genug findet sie dann gar nicht statt. Das ist ja auch schwierig! Ein Beispiel: Als der Casinogarten umgestaltet wurde, gab es auch Gegner. Also haben wir eine Bürgerinitiave eingeladen, um zu fragen, wie die Bürgerbeteiligung laufen könnte. Dabei meldete sich ein Mann, der zwar aus Viersen kam, aber in Schwalmtal wohnte. Er bekam keine Zeitung, aus der er sich informierte. Wie soll ich ihn erreichen, wie beteiligen? Das habe ich ihn dann auch gefragt.

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Und?

Görgemanns Er hatte keine Antwort. Leider habe auch ich kein Patentrezept. Wir legen als SPD großen Wert auf Bürgerbeteiligung. Aber es ist schwierig, sie so anzupacken, dass sich Bürger wirklich beteiligen.

Anderes Thema: Wie soll sich Viersen weiterentwickeln?

Görgemanns Meine Ziele sind die Stadtentwicklung und -gestaltung. Da geht es nicht nur um Straßen und Baugebiete. Es geht um mehr, um Schule, Bildung, Sport, Kultur - um das, was eine Stadt lebenswert macht. Ich frage die jungen Leute immer, wie die Stadt aussehen soll, in der sie leben wollen. Auf eine Antwort auf diese Frage muss man hinarbeiten.

Welche Antwort würden Sie selbst geben?

Görgemanns Ich denke, dass wir in Viersen versuchen müssen, die Dinge zu behalten, die wir haben - und das zu kompensieren, was wir nicht halten können.

Was meinen Sie damit?

Görgemanns Die Gesellschaft verändert sich rasend schnell. Vereine verlieren Mitglieder, Kneipen sterben, wir alle verhalten uns anders. Das heißt auch, dass vieles von dem wegbricht, was es heute gibt - und wir uns überlegen müssen, durch was wir es ersetzen. Ich nehme nicht für mich in Anspruch, ein Konzept dafür zu haben, das für alle Viersener das richtige ist. Aber wir sollten ein Gefühl für Viersen entwickeln - und dann anpacken, was uns wichtig ist. Das ist auch das SPD-Motto: Wir packen an für unsere Stadt.

Andere Kandidaten sagen klarer als Sie, für welche Themen sie stehen.

Görgemanns Ich neige nicht dazu, mich wie ein Marktschreier aufzuführen. Und diese klaren Aussagen sind oft nur Sprechblasen. Der Wunsch nach mehr Nahverkehr, nach mehr Bürgerbeteiligung, nach einer positiven Entwicklung für die ganze Stadt: All das will ich auch. Aber ich will nicht einfach versprechen, dass das kommt, wenn man mich wählt. Ich bin lange genug in der Politik, um zu wissen, dass bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen, um diese Ziele zu erreichen. Und diese Rahmenbedingungen bleiben in den Sprechblasen oft unberücksichtigt. Wir müssen mit den Bürgern überlegen, wie wir gestalten können.

Was kann man im Angesicht der Haushaltslage denn gestalten?

Görgemanns Es geht noch was. Und wir haben ja schon diesen Sparclub eingerichtet ...

Meinen Sie mit dem Begriff Sparclub den Arbeitskreis Haushaltskonsolidierung?

Görgemanns Genau. Der arbeitet positiv. Wir haben es in den vergangenen Jahren geschafft, die Kreditaufnahmen deutlich zu reduzieren. In zehn Jahren wollen wir ohne Haushaltsdefizit auskommen.

Das halten einige Beobachter für eine Illusion, für eine dieser Sprechblasen, die Sie doch gar nicht mögen.

Görgemanns Natürlich wird es schwierig, das zu schaffen. Die Ausgaben für Sozialleistungen steigen weiter, wir haben einen Tarifabschluss, den ich als Gewerkschafter begrüße - als Kommunalpolitiker aber mit Sorge sehen. Trotzdem können wir in Viersen weiter sparen und etwas bewegen.

Wenn ich Sie als Wählerin frage, warum ich der SPD meine Stimme geben soll: Was antworten Sie?

Görgemanns Na, weil wir die Besten sind.

Das sagen andere auch.

Görgemanns Wissen Sie: Ich kann Ihnen viel versprechen. Aber letztlich ist es ein Gefühl, wem ich meine Stimme gebe. Nach diesem Gefühl werden Sie ebenso wie andere Wähler handeln. Wir als SPD möchten anpacken für Viersen - und das werden wir tun, wenn man uns den Auftrag und die Gelegenheit gibt.

C. KRETZSCHMAR FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)