Viersen: "Wir kämpfen weiter"

Viersen : "Wir kämpfen weiter"

Während an der Mevissenstraße in Dülken die Gabionenwand wächst, denkt die dortige Initiative "Bürger gegen Bahnlärm" nicht daran, zeitgleich abzurüsten. "Wir haben nur einen Teilerfolg errungen", so Vorsitzender Tenhagen.

In Feierlaune sind die Anwohner der Dülkener Mevissenstraße (noch) nicht. Zwar wird nach sechs Jahre andauerndem Protest derzeit dort eine 275 Meter lange Gabionenwand hochgezogen, die den Betroffenen an der Bahnstrecke im Schatten des Dülkener Bahnhofs etwas mehr Ruhe bringen soll. "Hierfür sind wir wirklich dankbar", sagt Jürgen Tenhagen, Vorsitzender der Initiative "Bürger gegen Bahnlärm". Mit dem Bau des rund 450 000 Euro teuren Schall- und Gefahrenschutzes unmittelbar neben den Gleisen der Strecke zwischen Kaldenkirchen und Viersen hoffen die Menschen, etwas mehr Ruhe wiederzufinden. Bis zum Jahresende soll das Projekt, das mit Geldern des Bundes finanziert wird, fertiggestellt sein.

Boisheim und Alt-Viersen

"Doch damit ist die Aufgabe der Bürgerinitiative noch nicht beendet", erklären Tenhagen und Stellvertreter Rolf Röser. "Anders als manche Politiker denken wir an die Menschen in Viersen. Viele Bürger in der Kreisstadt sind weiterhin vom Bahnlärm betroffen. Das gilt für Anwohner in Boisheim genauso wie für solche in Alt-Viersen", beschreibt Röser die Situation. Noch sehr gut erinnert sich der 63-Jährige an die Zeit vor fast sechs Jahren, als der Protest der Initiative begann. "Hunderte Menschen waren damals im Dülkener Bürgerhaus. Es waren nicht nur Anwohner der Mevissenstraße, die uns aktiv unterstützt haben. Gerade deshalb wollen wir weitermachen und anderen Bahnlärmopfern helfen." Um weitere Planungsfehler in diesem Bereich zu erkennen, muss Jürgen Tenhagen noch nicht einmal sein Haus verlassen: "Ich brauche nur schräg aus dem Fenster zu schauen. Parallel zum vor einem Jahr verlängerten Bahnsteig des Dülkener Bahnhofs wird es auch künftig keinen Lärmschutz geben. Für die dort lebenden Menschen bleibt alles wie bisher."

Von der Stadt enttäuscht

Skeptisch sind Tenhagen und Röser, dass sie bei ihrer weiteren Arbeit von der Stadtverwaltung große Unterstützung erwarten dürfen. "Wir sind schon enttäuscht. Nicht die Bahn, sondern die Stadt hat uns oft im Regen stehengelassen", zieht Tenhagen Bilanz. Selbst als jetzt zum Spatenstich der neuen Gabionenwand eingeladen wurde, waren die Vertreter der Bürgerinitiative unerwünscht. Röser schmunzelnd: "Da drängten sich plötzlich ganz viele Leute aus Politik und Verwaltung aufs Bild, die man in den vergangenen Jahren hier nie gesehen hat."

Das Feingefühl der Menschen an der Mevissenstraße ist in diesem Punkt groß: "Es gibt nur einen, der sich in Berlin, bei der Bahn und hier vor Ort über Jahre für uns unermüdlich eingesetzt hat: Uwe Schummer. Ohne ihn wäre hier gar nichts passiert", sagt Tenhagen. Und auch Ex-Landtagsabgeordnete Monika Ruff-Händelkes, CDU-Ratsherr Lothar Beeck und der Petitionsausschuss des Düsseldorfer Landtags haben Unterstützung versprochen und dies auch gehalten. "Der Petitionsausschuss hat der Viersener Verwaltungsspitze Druck gemacht", ist Tenhagen überzeugt.

Übrigens: Auch beim Feiern sind die Bürger der Mevissenstraße flexibler als sich das so mancher "da oben" vorstellen kann. Wenn die Wand fertig ist, werden die Anwohner zu Bier und Würstchen alle die einladen, die geholfen haben — Schummer, Ruff-Händelkes und Beeck inklusive.

(RP)
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