Niederkrüchten: Windräder wachsen am Waldrand hoch

Niederkrüchten: Windräder wachsen am Waldrand hoch

Für ein paar Tage haben Schwerlasttransporter die Traktoren von den Feldern zwischen Oberkrüchten und Varbrook verdrängt. Sie tragen Stahlröhren, die ein gigantischer Kran aufeinanderstapelt. Klein wie ein Playmobilmännchen wirkt der Mann, der aus der Öffnung des wachsenden Turms schaut und auf die nächste Röhre wartet. Mit Schrauben, deren Gewinde so dick ist wie eine kräftige Stange Porree, fixiert er das Element. Vier mal geht das so, dann hat der gewaltige Stahlfinger, dessen Wände zwischen 3,5 und sieben Zentimeter dick sind, 95 Meter Höhe erreicht. Er steht auf einem Betonfundament von gut zwei Meter Dicke und einer Kantenlänge von 15 mal 15 Meter.

Nun fehlen nur noch das Maschinenhaus und der Rotor. Das Maschinenhaus, das die komplette Technik beherbergt, hat in etwa die Abmessungen eines Lkw. Es wird auf den Turm montiert und nimmt dort den Rotor auf. 90 Meter Durchmesser hat der – das ist unwesentlich weniger als die Länge eines Fußballplatzes. Jedes der drei Rotorblätter ist 45 Meter lang und wiegt sechs Tonnen. Zusammen mit der Nabe bringt der Rotor 42 Tonnen auf die Waage – etwa soviel wie 30 Mittelklassewagen, erklärt Bauleiter Roman Gerke von der Firma Vestas, dem Weltmarktführer bei Windkraftanlagen. Mit 90 Stahlbolzen von 28 mal drei Zentimeter wird der Rotor in 95 Meter Höhe an der Aufnahme des Maschinenhauses befestigt.

Trotz des enormen Gewichts reicht schon eine sanfte Brise von 2,5 Meter pro Sekunde (entspricht neun Stundenkilometer), um den fertig montierten Rotor in Bewegung zu setzen. Ein Getriebe hoch oben im Maschinenhaus überträgt die Windkraft auf einen Generator, der sie in Strom umwandelt. Elektrische Energie aus Bewegungsenergie: Nach diesem Prinzip funktioniert auch ein Fahrraddynamo – nur dass der drei Watt Leistung bringt und eines der neuen Windräder zwei Millionen Watt. Diese zwei Megawatt erreichen die Anlagen bei einer Windgeschwindigkeit von 13 Meter pro Sekunde. Das entspricht 46,8 Stundenkilometer oder Windstärke 6.

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Über eine 20 000-Volt-Erdleitung wird der Strom am Übergabepunkt an der B221 ins Netz eingespeist. Die Stromproduktion werden die beiden Windräder voraussichtlich in drei bis vier Wochen aufnehmen, so Andreas Wassiljew von der WWU-Ingenieure GmbH, die die Anlagen betreibt. Bis dahin werden die Anlagen im Probebetrieb geprüft und feinjustiert. Für den Brandschutz wird im Maschinenhaus eine automatische Branderkennungs- und Löschanlage installiert.

(RP)
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