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Viersen: Windräder drehen sich rückwärts

Viersen : Windräder drehen sich rückwärts

Die Bezirksregierung Düsseldorf genehmigt der Stadt Viersen die beiden geplanten Konzentrationszonen für Windenergie nicht. Grund ist ein Formfehler. Jetzt muss das Thema wieder im Planungsausschuss behandelt werden

Beim letzten Schritt ist die Stadt Viersen gestolpert: Nur die Genehmigung der Bezirksregierung Düsseldorf fehlte noch, damit die Flächen "Boisheimer Nette" und "Amerner Weg" als Konzentrationszonen für Windenergieanlagen ausgewiesen werden können und vier große Windkraftanlagen in Boisheim gebaut werden können - doch die Aufsichtsbehörde entdeckte einen Fehler im Genehmigungsverfahren. "Es ist ein Halbsatz verloren gegangen", sagte gestern die Technische Beigeordnete der Stadt, Beatrice Kamper.

Im Amtsblatt hatte die Verwaltung im vergangenen Sommer zwar die geplante 89. Änderung des Flächennutzungsplanes bekannt gemacht und angekündigt, dass die Planungsunterlagen öffentlich ausgelegt werden. Aber ein Hinweis fehlte: "Dort hätte stehen müssen, dass Stellungnahmen während der Auslegungszeit abgegeben werden können", sagte Kamper. "Das ist einfach mega-ärgerlich", in anderen Veröffentlichungen habe der Hinweis gestanden. Inhaltlich habe die Bezirksregierung an der geplanten Änderung des Flächennutzungsplanes aber nichts zu beanstanden. Nun soll der Ausschuss für Stadtentwicklung- und Planung in seiner nächsten Sitzung am 27. März beschließen, die Planänderung erneut auszulegen. Dies werde dann voraussichtlich im April oder Mai geschehen, sagte Kristina Ohrem von der städtischen Bauleitplanung. Sie rechne damit, dass die Bezirksregierung die Änderung des Flächennutzungsplanes im Spätsommer genehmigt und diese dann mit knapp einem halben Jahr Verzögerung in Kraft tritt. Mit dem Kreis Viersen, der für die Genehmigung des Baus von Windkraftanlagen zuständig ist, wird sich die Stadt nicht neu abstimmen. Dafür gebe es keine Veranlassung, die Stadt habe das gemeindliche Einvernehmen bereits erteilt, sagte Kamper.

Derweil wehren sich die Boisheimer weiter dagegen, dass in ihrer Nachbarschaft ein Windpark entsteht. Die NEW Re, eine Tochtergesellschaft der NEW, plant auf der Fläche Boisheimer Nette den Bau von vier je 200 Meter hohen Windrädern. Bereits im vergangenen Jahr hatte sie Pachtverträge mit dem Eigentümer des etwa 65 Quadratmeter großen Geländes geschlossen. Der Kreis erteilte Ende 2016 die Genehmigung für den Windpark. Die Initiative "Boisheim wehrt sich" versucht die Pläne zu vereiteln, hatte die Anwohner aufgerufen, beim Verwaltungsgericht Düsseldorf Klage einzureichen. "Deutlich mehr als zehn Stück" gebe es, sagt Volker D' Agnone von der Initiative. Einer der Kläger sei ein Naturschutzverband. Klagegründe der Anwohner seien zum Beispiel eine "optische Bedrängung" durch die Windräder und die Angst vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen wegen des Schalls, den die sich drehenden Räder erzeugen. Diese seien zudem lebensbedrohlich für Fledermäuse und Kiebitze, die in der Nähe brüteten. Stadt und Kreis würden zu viele Gefahren ignorieren, die Windräder seien zu groß und dazu noch überflüssig, sagt D' Agnone.

(RP)