Schwalmtal: Willkommen in Schwalmtal, Baby

Schwalmtal: Willkommen in Schwalmtal, Baby

Der Verein Bündnis für Familie organisiert einen Besuchsdienst: Ehrenamtlerinnen bringen Eltern von Neugeborenen einen Ordner, in dem Ansprechpartner für alle Familien-Fälle versammelt sind — vom Kinderarzt bis zur Krabbelgruppe

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Als Michaela Erdmann zum ersten Mal Mutter wurde, schrie das Kind oft ununterbrochen. "Ich bin stundenlang mit dem Kind durch den Wald gelaufen und habe mich immer gefragt, warum es bloß so schreit", erzählt die Schwalmtalerin. Heute sind Erdmanns Kinder längst erwachsen. Doch sie erinnert sich, wie viele Fragen sie als junge Mutter hatte.

Jetzt gehört Erdmann zu einem Team von Ehrenamtlerinnen, die künftig Eltern von Neugeborenen in der Gemeinde Schwalmtal willkommen heißen wollen. Ist das Baby auf der Welt, bekommen die Eltern Post vom Bürgermeister. Wenn sie einverstanden sind, dass eine Ehrenamtlerin des Teams zu ihnen kommt, können sie sich telefonisch melden. Dann ruft eine Ehrenamtlerin die Eltern an und vereinbart mit ihnen einen Termin. Das Ganze ist freiwillig. Wer keinen Besuch wünscht, bekommt auch keinen.

Elf Frauen kümmern sich um den Familienbesuchsdienst, den der Verein "Schwalmtaler Bündnis für Familie" eingerichtet hat. Neben Michaela Erdmann sind das Dietlind Bielefeld, Anita Draken, Monika Müller, Renate Münz, Barbara Munderloh, Ulrike Ortmann, Jutta Sedgwick, Hannelore Weist, Erika Welters und Bettina Wetzel. Sie wollen Eltern und Baby willkommen heißen, vermitteln, dass Schwalmtal eine familienfreundliche Gemeinde ist, und ihnen einen Elternordner geben.

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Der Ordner ist das Herzstück des Familienbesuchsdienstes Mit vielen Fotos aus Schwalmtal bunt gestaltet, sind darin all die Adressen und Ansprechpartner aufgelistet, die frischgebackene Eltern in den kommenden Monaten und Jahren vielleicht brauchen werden. Mütter, die sich wie Michaela Erdmann damals fragen, wo sie Hilfe fürs Schreibaby finden, werden hier ebenso fündig wie diejenigen, die eine Krabbelgruppe suchen, einen Kindergartenplatz, einen Ergotherapeuten, einen Kinderarzt. Sie erfahren, wie das mit dem Elterngeld funktioniert, wo man Wohngeld oder einen Unterhaltsvorschuss beantragen kann, wer über Mutter-Kind-Kuren informiert und wer Familienurlaube anbietet. Und sie erfahren: Für all die schönen und weniger schönen Situationen im Familienleben gibt es Ansprechpartner in der Nähe. Außerdem enthält der Elternordner Gutscheine, die Familien in örtlichen Geschäften und Betrieben einlösen können. Dieses Angebot will der Verein noch ausweiten. Firmen, die sich mit Gutscheinen oder Werbeartikeln beteiligen möchten, können sich im Familienbüro im Rathaus melden.

Im vergangenen Jahr stellte der Verein das Vorhaben im Ausschuss für Demografie und Soziales vor. Die Gemeindeverwaltung bewertete die Idee als "familienfreundliche Geste sowie als gute Informationsmöglichkeit junger Eltern über örtliche Angebote ,rund ums Kind'". Eine Kontrollfunktion habe der Besuchsdienst nicht. Finanziert wird der Familienbesuchsdienst vom Verein, für die Gemeinde fallen keine Kosten an. Für ihre neue Aufgabe wurden die Ehrenamtlerinnen geschult - auch, um in Rollenspielen zu lernen, wie man sich selbst zurücknimmt: Anders als bei eigenen Kindern, die ein Baby bekommen haben, sollen die Frauen nämlich nicht die Spülmaschine anstellen, während die junge Mutter stillt. Und auch nicht die Augenbrauen hochziehen, wenn es in der Wohnung ziemlich durcheinander aussieht. "Wir sind kein Oma-Ersatz", betont Jutta Sedgwick. "Wir übergeben nur den Elternordner und erklären, wo man Ansprechpartner findet."

Schwalmtals Bürgermeister Michael Pesch (CDU) ist dankbar, dass der Verein den Familienbesuchsdienst für die Gemeinde ins Leben gerufen hat. "Wir hätten uns so etwas auch gewünscht, als unsere Kinder klein waren", sagt Pesch. Er hoffe außerdem, dass das Modell Schule mache, "dass der Familienbesuchsdienst in anderen Kommunen Nachahmer findet, weil das eine sehr gute Sache ist".

(RP)
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