1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Brüggen: Wildtiere bei der Aufzucht nicht stören

Brüggen : Wildtiere bei der Aufzucht nicht stören

Zwei Mädchen waren auf dem Weg zum Silbersee, als sie Wildschweinen begegneten. Sie bekamen es mit der Angst zu tun und flüchteten auf einen Baum. Ein Jäger erklärt, wie man sich verhält, wenn ein Wildschwein den Weg kreuzt.

Wildschweine lassen ihre Jungen nicht aus den Augen. Das ist vielleicht das Wichtigste, was sich Spaziergänger merken sollten, die im Wald, im Brachter Depot und in der Umgebung gern unterwegs sind. "Wenn man die Frischlinge sieht, könnte man leicht denken: ,Die süßen Schweinchen, da gehe ich mal näher ran'", sagt Antonius Kiwall. Doch der Jäger warnt: "Eine Bache hat ihren Nachwuchs immer im Blick. Wenn die Frischlinge auf der Wiese spielen, steht die Bache hinter dem nächsten Busch in der Deckung und beobachtet sie."

Das mussten auch zwei Mädchen feststellen, die in der vergangenen Woche in der Nähe der Mülldeponie bei Oebel gegen 18 Uhr am Abend Frischlinge entdeckten. Die Mädchen, 14 und 15 Jahre alt, hatten mit den Rädern zum Silbersee fahren wollen. Unterwegs hielten sie an, schlossen die Räder ab, liefen ein Stück. "Da waren vier Frischlinge, die fanden wir total süß", erzählt die 15-jährige Samantha. "Aber dann kam die Mutter. Vor Schreck sind wir erstmal ganz still stehengeblieben." Etwa fünf Meter entfernt sei die Bache gewesen.

Die Mädchen bekamen es mit der Angst zu tun und flüchteten auf den nächsten Baum. "Wir saßen vielleicht fünf Meter hoch im Baum, haben gezittert und versucht, uns zu beruhigen", erinnert sich die junge Brüggenerin. In ihrer Not riefen die Mädchen per Handy die Polizei an. Der Beamte an der Leitstelle versuchte, die Schülerinnen zu beruhigen. "Aber wir haben uns nicht getraut, wieder vom Baum herunterzuklettern und zurück zu den Fahrrädern zu gehen", sagt Samantha. Die Mädchen schickten per Whats-App ihren Standort auf das Handy eines Polizisten. Beamten der Wache Nettetal gelang es so, die Mädchen zu finden und ihnen wohlbehalten vom Baum herunterzuhelfen. Dann konnten sie aufatmen.

Die Mädchen waren still stehengeblieben, als sie die Wildschweinmutter sahen. Das ist auch richtig. Wer Wildschweinen begegne, solle sich erstmal ruhig verhalten und keine panischen Bewegungen machen, rät Antonius Kiwall. Der Brüggener ist Jäger und Jagdaufseher, er kennt die Verhaltensweise von Wildschweinen. Er empfehle, sich dann zügig rückwärts zu entfernen, um Abstand zwischen Tier und Mensch zu bringen. Heftige Bewegungen provozierten die Tiere nur. "Schwarzwild sieht schlecht, riecht und hört aber sehr gut", erläutert Kiwall. Wegrennen sei auch nicht so leicht: "Wildschweine schaffen 60 Stundenkilometer - so schnell sind Sie nicht", sagt der Jäger.

Im Normalfall nehme ein Wildschwein Reißaus, wenn es Menschen begegne - doch wenn eine Wildschweinmutter Gefahr für ihre Jungen befürchte, könne es gefährlich werden. Kiwall: "Die Tiere suchen nicht die Konfrontation, aber wenn eine Bache Frischlinge hat, darf man sie nicht unterschätzen." Und Nachwuchs haben die Wildschweine, so Kiwall, das ganze Jahr über - nicht nur jetzt im Frühling. Das liegt daran, dass das Nahrungsangebot stimmt: Gibt es viel zu futtern, bekommen die Wildschweine auch viele Junge. Ausflügler müssen also das ganze Jahr über darauf achten, nicht in die Nähe von Wildschwein-Familien zu geraten.

Problematisch könne es werden, wenn ein Spaziergänger versehentlich zwischen die Bache und ihre Jungen gerate. Das könne passieren, wenn die Bache den Weg schon überquert habe und die Jungen folgten - oder wenn Frischlinge über den Weg wechselten und die Bache folge. Steht der Spaziergänger dann dazwischen, könne es sein, dass die Bache ihn als Gefahr ansehe. Der Jäger rät Spaziergängern, immer auf den Wegen zu bleiben. Wechsle ein Wildschwein über den Weg, solle man still stehenbleiben und warten, ob weitere folgten, bevor man weitergehe. Wer mit Hund unterwegs ist, sollte ebenfalls aufpassen: Auch einen bellenden Hund, der an der Leine zerre, könne die Bache als Gefahr für ihre Jungen betrachten.

Angst müsse nun aber niemand haben, sagt Kiwall. Man sollte aufmerksam sein und Abstand halten, ja. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass man zwischen Bache und Frischlinge gerate, sei sehr gering.

(RP)