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Wie weiblich sind die Räte im Westen des Kreises Viersen?

Kommunalwahl im Kreis Viersen : Männer dominieren die Räte

Wie weiblich sind die Räte der Städte und Kommunen im Westkreis? In Viersen hat der Rat mit 34 Prozent den höchsten Frauen-Anteil, in Brüggen mit 15 Prozent den niedrigsten. Doch Kandidatinnen finden sich nur schwer.

Eine Sitzung des Hauptausschusses des Viersener Stadtrats am Montagabend: 14 Lokalpolitiker sitzen in der Festhalle mit Vertretern der Verwaltung zusammen – zehn davon sind Männer. Redeanteil der anwesenden Frauen: vergleichsweise gering, mit Ausnahme von Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD), der Ausschussvorsitzenden – und einzigen Bürgermeisterin im Kreis Viersen. Wie weiblich ist die Politik in den Kommunen im Westkreis?

In Viersen etwa hat der Stadtrat 56 Sitze, 19 davon sind von Frauen besetzt, das sind rund 34 Prozent. „Ich hätte gerne, dass sich Frauen viel mehr und intensiver beteiligen“, sagt Ratsherr und SPD-Parteivorsitzender Michael Lambertz. Doch, wie er jetzt wieder bei der Kandidatensuche für die Kommunalwahl am 13. September feststellen musste: „Kandidatinnen zu finden, ist nicht so einfach.“

In den Stadt- und Gemeinderäten im Westen des Kreises Viersen dominieren die Männer. Foto: GRAFIK: PODTSCHASKE

Für die Kommunalwahl in Viersen schickt die SPD 16 Männer und, inklusive Bürgermeisterin Sabine Anemüller, zehn Frauen ins Rennen – ein Frauenanteil von mindestens 50 Prozent wäre ihm lieber gewesen, sagt Lambertz. Bei der Suche nach Kandidatinnen habe er vor allem Absagen aus familiären Gründen gehört, erzählt Lambertz. Es fehle die Zeit, die Familienplanung sei noch nicht abgeschlossen, die Kinder seien noch zu klein.

Gerade junge Frauen für die Kommunalpolitik zu begeistern, „ist wirklich ein Problem“, eine Lösung sei nicht in Sicht, sagt Lambertz. Aber das sei kein Problem, das nur die SPD habe. Insgesamt betrachtet haben dabei die Viersener Grünen das geringste Frauenproblem: Von sieben Ratsmitgliedern sind fünf weiblich. Die CDU-Fraktion besteht zu gut einem Viertel (sechs von 23 Mitgliedern) aus Frauen, die SPD-Fraktion zu einem Drittel (fünf von 15). Von den vier Ratsmandaten der Bürgervereinigung FürVie gehört eins einer Frau, auch die Linken haben eine Ratsfrau (bei drei Sitzen). Keine Ratsfrauen gibt es bei FDP (drei Sitze) und NPD (ein Sitz).

In Nettetal gibt es im Stadtrat sogar einen interfraktionellen Arbeitskreis Frauen. Vorsitzende ist Tanja Bielen, sachkundige Bürgerin für die WIN-Fraktion. Der Stadtrat hat 47 Sitze, 13 sind mit Frauen besetzt, was 28 Prozent bedeutet, nicht einmal ein Drittel. Die meisten Frauen gehören der CDU-Fraktion an. Die acht Frauen der Fraktion mit 23 Sitzen machen knapp ein Drittel aus. Vera Gäbler ist Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Gaby Glatz ist erste stellvertretende Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses. Und die Kaldenkirchener Ortsvorstehende Claudia Willers ist Mitglied des wichtigen Ausschusses für Stadtplanung.

Sehr gut steht die SPD-Fraktion in Nettetal da. Von den zehn Mitgliedern sind vier Frauen, das entspricht rein rechnerisch 40 Prozent. Renate Dyck ist dabei nicht nur Fraktionsvorsitzende, sondern leitet auch den Ausschuss für Kultur und Städtepartnerschaften. Tanja Jansen ist außerdem Vorsitzende des Ortsvereins. Neben der Fraktionsvorsitzenden Dyck gehört Jansen auch dem Hauptausschuss an. Bei den Grünen ist nur eine Frau in der vierköpfigen Fraktion vertreten. Die WIN-Fraktion, die FDP, die Blauen und die AfD sind im Stadtrat reine Männersache. Dort sind keine Frauen im Rat vertreten.

Aber wichtiger als Zahlen sind die Beiträge der Frauen. In den Ausschüssen mag das anders sein. Aber in den Sitzungen des Stadtrates sind – abgesehen von der SPD-Fraktionsvorsitzenden Dyck – weitgehend die Männer tonangebend. Auch fällt auf, dass die Frauen vor allem soziale und kulturelle Themen wahrnehmen, während in den „harten“ Ausschüssen für Finanzen und Stadtplanung vor allem Männer sitzen. Claudia Willers (CDU) ist im Planungsausschuss die einzige Frau. Im Haupt- und Finanzausschuss sind Renate Dyck und Tanja Jansen von der SPD die einzigen Frauen. Und wie wird es im nächsten Rat sein? Von den 21 Direktbewerbern der CDU für den Stadtrat sind sieben Kandidaten Frauen.

Im Gemeinderat von Schwalmtal gehören ein Viertel der Ratssitze Frauen (25 Prozent). Am höchsten ist der Anteil bei der FDP (zwei Sitze): Neben Hans-Dieter Heinrichs ist Gabriele Schoneweg Ratsmitglied. Bei den Bündnisgrünen (sechs Sitze) liegt der Frauenanteil bei einem Drittel, bei der Schwalmtaler SPD (sieben Sitze) mit rund 28 Prozent etwas niedriger. Am kleinsten ist der Frauenanteil bei der CDU (19 Sitze): Dort liegt er bei 21 Prozent.

In der Gemeinde Niederkrüchten hat der Gemeinderat 34 Sitze. Dort gibt es sieben Frauen, was 21 Prozent entspricht. Die CDU-Fraktion hat 14 Mitglieder, davon drei Frauen. Zwei von ihnen, Helga Korth und Marion Schouren, sind im Haupt- und Finanzausschuss vertreten. Bei der SPD-Fraktion sind alle zehn Mitglieder Männer. Bei den Grünen sind drei von vier Ratsvertretern Frauen. Anja Degenhardt ist Fraktionsvorsitzende. Bei den Linken wird einer von zwei Sitzen von einer Frau wahrgenommen. Bei der FDP und der Christlich Kommunalen Wählergemeinschaft (CKW) gibt es keine Ratsfrauen.

Die Zahl der weiblichen Ratsmitglieder ist im Gemeinderat von Brüggen am niedrigsten: Dort sind gerade einmal sechs Frauen unter den 39 Ratsmitgliedern (Frauenanteil von 15 Prozent). Bei drei Ratsfraktionen gibt es überhaupt kein weibliches Mitglied: bei der Unabhängigen Brachter Wählergemeinschaft (UBW, vier Sitze), bei der FDP (drei Sitze) und bei der Alternativen Wählergemeinschaft Brüggen (ABW, zwei Sitze). Die meisten weiblichen Ratsmitglieder stellt die Fraktion der Bündnisgrünen: Von den fünf Sitzen entfallen zwei auf Frauen (Marita Offermanns und Bettina Broterhus). Bei den Christdemokraten (18 Sitze) und bei den Sozialdemokraten (sechs Sitze) sind jeweils rund 17 Prozent der Ratsmitglieder Frauen.

Und so sieht es bei den Vizebürgermeistern im Westkreis aus: Frank Gellen (CDU) vertreten in Brüggen zwei Männer und eine Frau (Claudia Wolters). Unter den Bürgermeister-Vertretern für Michael Pesch (CDU) aus Schwalmtal ist Klaudia Foest die einzige Frau. In Nettetal gibt es keine Vize, in Niederkrüchten ist das Marion Schouren (CDU).