Wie klimaschonend ist meine Gemeinde?

Umweltschutz im Kreis Viersen : Wie klimaschonend ist meine Gemeinde?

Klimaschutz muss in den Kommunen beginnen, fordert die Initiative Fridays For Future. Wie grün sind die Städte und Gemeinden? Welche Umweltprojekte laufen zurzeit, welche sind geplant? Ein Überblick.

An diesem Freitag werden sie wieder demonstrieren, für den Klimaschutz. Die Initiative Fridays For Future Viersen hat für 10 Uhr zur Kundgebung auf dem Gereonsplatz aufgerufen, sie wird fordern, dass die Stadt Viersen den Klimanotstand ausruft. So, wie es Tönisvorst schon getan hat. Und Herford. Und Münster. „Der Kampf gegen die anstehende Klimakrise muss in den Kommunen beginnen“, sagt Samuel Nellessen, Sprecher von Fridays For Future Viersen. Wie sieht es denn in den Kommunen aus? Wie klimaschonend ist „meine Gemeinde“?

Rund 300 Meter Luftlinie vom Gereonsplatz entfernt haben die Vorarbeiten für Wildblumen-Blühstreifen auf der Wiese hinter dem Stadthaus an der Goetersstraße begonnen. „Die entsprechende Aussaat erfolgt kurzfristig“, berichtet Viersens Stadtsprecher Frank Schliffke. Aktuell sind in der Kreisstadt 8500 Quadratmeter Blühwiesen fertiggestellt oder dabei, fertig zu werden. „Weitere 15.000 Quadratmeter sind für 2020 geplant“, erklärt der Stadtsprecher. Die vorbereitenden Arbeiten sollen im Herbst beginnen. Das mit den Blühwiesen liegt derzeit so stark im Trend, dass die Gemeinde Niederkrüchten ein Problem hat: In den vergangenen Wochen wurden dort auf 4300 Quadratmetern Blühwiesen eingesät. „Da aufgrund der großen Nachfrage derzeit kein Saatgut zu bekommen ist, sind weitere geplante Flächen noch nicht zur Umsetzung gekommen“, berichtet Tobias Hinsen, Leiter des Fachbereichs Umwelt.

Die Grafik zeigt, was die Kommunen im Westkreis für den Klimaschutz tun. Foto: martin Röse/Martin Röse

Aktuelle Zahlen, wie viel des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 die Städte und Gemeinden in die Atmosphäre pusten, gibt es nicht. 179.000 Tonnen waren es in der Burggemeinde Brüggen – im Jahr 2011, in der Stadt Viersen waren es rund 750.000 Tonnen. Bis zu 23.000 Tonnen ließen sich einsparen, heißt es im Klimaschutzkonzept aus dem Jahr 2013. Aus dem Jahr stammen auch die aktuellsten Daten – aus Schwalmtal: Dort waren es 159.000 Tonnen. Die Gemeinde liefert auch Anhaltspunkte zur Verteilung: „Die privaten Haushalte waren für 25 Prozent verantwortlich, die Wirtschaft für 31 Prozent, zwei Prozent entfielen auf die kommunalen Gebäude und 42 Prozent auf den Verkehr“, berichtet Bernd Gather, Vertreter des Bürgermeisters.

Wie wollen sich die Städte und Gemeinden für die Zukunft rüsten? In Nettetal wurde vor wenigen Tagen das Stadtentwicklungskonzept „Grün“ beschlossen. Dazu gehört die Aussaat von Blumenwiesenmischungen auf rund 2500 Quadratmetern ungenutzten Friedhofsflächen in Kaldenkirchen, Schaag und Lobberich. Und: Die Stadt lässt Wiesen bei Schulen oder Kitas nur noch zwei Mal im Jahr mähen. „Dies sind naturnahe Wiesen, dadurch können dort auch Blumen wachsen“, sagt Stadtsprecher Jan van der Velden. Das sei auch ein finanzieller Vorteil: Für die Stadt sinken die Grünpflegekosten.

In der Burggemeinde Brüggen ist kürzlich Geld vom Bund angekommen – die erste Bonuszahlung, weil sich die Kommune an einem Energiesparmodell an Schulen und Kindergärten beteiligt. Zehn Einrichtungen machen mit. Daneben hat die Gemeinde Brüggen einen Spendenaufruf gestartet, mit dem sich die Bürger als Paten für Blühstreifen mit 25 Cent pro Quadratmeter beteiligen können. Die Landwirte stellen die Flächen zur Verfügung.

So etwas wird auch in Niederkrüchten überlegt. Vergangenen Monat hatte Bürgermeister Kalle Wassung zu einem Netzwerktreffen Biodiversität eingeladen. 60 Leute kamen: Mitglieder von Naturschutzverbänden, Landwirte, Garten- und Landschaftsbauer. Daraus hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich künftig mit möglichen Maßnahmen zu Artenschutz und Biodiversität austauschen wird.

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