Niederkrüchten: Wie die Milch ins Glas kommt

Niederkrüchten : Wie die Milch ins Glas kommt

Auf dem Kapellenhof in Niederkrüchten konnten Besucher am Sonntag in die Milchproduktion hineinblicken

Besucher aus der Region und der näheren Umgebung zog es am Sonntag zum Kapellenhof in Laar. Der Hof öffnete seine Pforten und lud zu einer Besichtigung ein. 150 Milchkühe haben dort viel Platz, werden artgerecht gehalten -und können sich in der Bürstenanlage massieren lassen.

Für die jungen Besucher gab es kleine aufgeblasene Kühe zum Spielen. Foto: Knappe Jörg

Zwei Generationen betreiben den Niederkrüchtener Hof. Senior Paul Coenen und seine Frau Marianne kümmern sich um den Ackerbau und betreuen das Jungvieh. 80 Rinder und Kälber gehören dazu. Die Rinder haben noch nicht abgekalbt und werden bei einem Gewicht von etwa 420 Kilogramm entweder vom Deckbullen John oder künstlich besamt. Nach einer Tragezeit von neun Monaten wechseln sie nach einer Mutterschaftszeit zum Milchvieh.

In den Melkstand passen 40 Kühe gleichzeitig. Nach vier Minuten sind sie bereits fertig. Foto: Knappe Jörg

"Die Kälber erhalten in den ersten zwei Tagen das Kolostrum - die Vormilch der Mutter. Danach erhalten sie eine Austauschmilch mit zusätzlichen Vitaminen und Mineralstoffen", erklärte Andrea Coenen-Iborg. Sie und ihr Mann Bastian sind für das Milchvieh auf dem Kapellenhof verantwortlich.

Am Morgen wurde im Abkalbestall ein Kälbchen geboren. In dem rund 150 Quadratmeter großen Bereich lagen weitere fünf hochtragende Kühe gemütlich im Stroh und ließen sich von den Besuchern des Hoffestes nicht stören.

Männliche Kälber werden nach 14 Tagen zur Mast an den Viehhändler verkauft, die weiblichen Kälber dienen der Nachzucht. In dem modernen Milchviehstall fühlen sich die Kühe wohl, ist sich Andrea Coenen-Iborg sicher: "Hier haben die Tiere bei artgerechter Haltung mehr Platz als in einem konventionellen Stall, wo mindestens 50 Kühe mehr untergebracht wären", sagte sie. Die gesetzlichen Forderungen und ebenso die weiterführenden Forderungen und Empfehlungen des Vertragspartners Arla müssen bei der Milchwirtschaft erfüllt werden.

Der Stall ist ein Klimastall und hat keine Außenwände, sondern ermöglicht den Blick nach draußen. Die Kühe erleben dadurch Wind und Sonne - und können sich aus dem Weg gehen, wenn es zu Rangeleien kommen sollte. Außerdem können sie die Weide nutzen. "Die Kühe sind faul. Sie haben im Stall einen großen Fress- und Liegeplatz. Wenn wir sie auf die Weide lassen, ist ihnen die Sonne mitunter zu viel", sagte die Landwirtin. Dann würden die Kühe schnell wieder vor der Stalltür stehen.

Im Stall können sich die Kühe mit zwei Bürstenanlagen massieren lassen. Die Bürsten beginnen von oben und von der Seite an zu rotieren, wenn die Kuh sie berührt. Ausgewogenes Futter aus Gras, Mais, Pressschnitzel aus Zuckerrüben, Kraftfutter und Mineralien steht zur Verfügung.

Wenn es für die Kühe in die Melkanlage geht, soll dies stressfrei geschehen. "Wir haben einen 20er-Swing-over-Melkstand. 40 Kühe passen in den Melkstand, gemolken werden sie an 20 Melksäulen und nach vier Minuten sind sie schon fertig", beschreibt Andrea Coenen-Iborg.

Durch das ständige Melken erhält der Milchbauer die Milchproduktionsfähigkeit der Kuh. Zurzeit geben die Milchkühe auf dem Kapellenhof im jährlichen Durchschnitt 30 Liter Milch pro Tag pro Kuh. Die Bäuerin führt diese gute Leistung darauf zurück, dass die Kühe sich auf dem Hof wohlfühlen. "Sonst würden sie nicht so viel Milch geben", erklärte sie.

Die Milch geht von der Melkanlage in den Tankraum, wird dort auf drei bis vier Grad Celsius heruntergekühlt. Alle zwei Tage kommt ein Tankwagen und holt die Milch ab. Er bringt sie zur Molkerei, wo die weiße Flüssigkeit weiterverarbeitet wird. Am hofeigenen Milchautomaten erhalten die Kunden des Kapellenhofes gefilterte und gekühlte Rohmilch. "Diese Milch hat einen Fettgehalt von 4,2 Prozent und einen Eiweißgehalt von 3,4 Prozent", erklärte Andrea Coenen-Iborg.

(bigi)
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