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Wie der Kreis Viersen die Quarantäne handhabt

Gesundheitsamt im Kreis Viersen : Wie der Kreis die Quarantäne handhabt

56 Menschen aus dem Kreis Viersen befanden sich am Freitag in Quarantäne. Was bedeutet das für die Betroffenen?

Wenn das Gesundheitsamt klingelt und häusliche Isolierung anordnet, ist das schon einer der rigidesten Eingriffe, die ein Staat ins Leben seiner Bürger vornehmen kann. Die rechtliche Grundlage dafür liefert das Infektionsschutzgesetz. Dort ist geregelt, dass bei Kranken, Krankheitsverdächtigen und Ansteckungsverdächtigen angeordnet werden kann, dass sie in geeigneter Weise abgesondert werden, soweit und solange es zur Verhinderung der Verbreitung der übertragbaren Krankheit notwendig ist. Betroffen ist aber nicht nur der, für den die Quarantäne angeordnet ist, betroffen sind auch seine Angehörigen, die in der gemeinsamen Wohnung oder dem gemeinsam Haus leben.

Was dürfen Menschen in Quarantäne nicht tun?

Das Haus verlassen. Besuch empfangen. Oder, wie es in der Muster-Anordnung des Robert-Koch-Instituts heißt: „Ihnen gegenüber wird eine Absonderung in sogenannter häuslicher Quarantäne angeordnet. Es ist Ihnen in dieser Zeit untersagt, Ihre Wohnung ohne ausdrückliche Zustimmung des Gesundheitsamtes zu verlassen. Ferner ist es Ihnen in dieser Zeit untersagt, Besuch von Personen zu empfangen, die nicht Ihrem Haushalt angehören.“ Und: „Wenn möglich, sollte die erkrankte Person und sollten nicht erkrankte Haushaltsmitglieder in getrennten Zimmern schlafen“, heißt es in einem Merkblatt des Kreises, das sich an den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts orientiert. Auch gemeinsames Essen ist für Betroffene und deren Familienangehörigen tabu: „Die Mahlzeiten sollte die erkrankte Person entweder räumlich oder zeitlich getrennt von den nicht erkrankten Haushaltsmitgliedern einnehmen“, heißt es in dem Faltblatt.

Was müssen Menschen in Quarantäne tun?

Jedes Haushaltsmitglied soll zweimal täglich Fieber messen und die Körpertemperatur aufschreiben. Und natürlich das Übliche: Nies-Etikette beachten („Beim Husten und Niesen immer in ein Papiertaschentuch husten/niesen. Das Einmaltaschentuch nach einmaligem Gebrauch in einen verschließbaren Müllbeutel entsorgen.“) und mindestens zwei Meter Abstand zu anderen Personen halten. Glückt das mit dem Abstandhalten nicht, muss ein Schutz her. „Solange der Abstand zwischen erkrankter Person und nicht erkranktem Haushaltsmitglied weniger als etwa zwei Meter beträgt, sollte der Erkrankte zum Schutz der anderen Personen einen Mund- Nasenschutz tragen“, heißt es in dem Faltblatt.

Was macht eigentlich das Gesundheitsamt?

Die unter Quarantäne stehenden Menschen werden in der Regel täglich vom Gesundheitsamt angerufen und nach ihren Symptomen gefragt. Das Gesundheitsamt hat das Recht, Untersuchungen und Entnahmen von Untersuchungsmaterial vorzunehmen, insbesondere erforderliche äußerliche Untersuchungen, Abstriche von Haut und Schleimhäuten, Blutentnahmen und Röntgenuntersuchungen.

 
Was ist, wenn plötzlich bei Mitbewohnern Krankheitssymptome auftreten?

Wenn bei einem bisher nicht erkrankten Haushaltsmitglied Fieber über 38 Grad Celsius oder Schüttelfrost  auftritt, es an Schnupfen oder verstopfter Nase  leidet, Halsschmerzen, Husten oder Atemnot einsetzen, Muskel-, Glieder- und/oder Kopfschmerzen festgestellt werden, dann muss der Arzt gerufen werden. Allein eins der genannten Symptome reicht aus. Das Gesundheitsamt ruft dazu auf: „Bitte gehen Sie nicht ohne Vorankündigung in die Arztpraxis.“

Wie lange dauert eine Quarantäne eigentlich?

„Die häusliche Absonderung des Erkrankten ist in der Regel für 14 Tage erforderlich“, heißt es in dem Faltblatt des Kreises. Bei schwerer Symptomatik erfolge die Behandlung und Isolierung des Erkrankten nach ärztlichem Urteil im Krankenhaus.  Beim Transport sowohl des Erkrankten als auch eines anderen Haushaltsmitglieds in ein Krankenhaus, muss das Krankenhaus vorab informiert werden – auch dann, wenn eine ganz andere Diagnose der Einweisungsgrund ist.

Was passiert, wenn sich der unter Quarantäne Stehende nicht an die Regeln hält?

Dann kann der Staat ziemlich ungemütlich werden. „Sollten Sie den Ihre Absonderung betreffenden Anordnungen nicht nachkommen, so hat die Absonderung zwangsweise durch Unterbringung in einer geeigneten abgeschlossenen Einrichtung zu erfolgen“, heißt es im Musterschreiben des Robert-Koch-Instituts. Im Klartext: Das im Grundgesetz verbriefte Grundrecht der Freiheit der Person kann in diesem Fall eingeschränkt werden. Im schlimmsten Fall droht sogar Gefängnis.

In Paragraf 75 des Infektionsschutzgesetzes ist geregelt, dass derjenige, der einer vollziehbaren Anordnung zuwiderhandelt, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldbuße bestraft wird.