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Wie der Klimawandel den Niersverband beschäftigt

Hohe Investitionen : Wie der Klimawandel den Niersverband beschäftigt

Der Niersverband bereitet sich auf neue Herausforderungen vor: Klimawandel, Mikroplastik und Medikamentenrückstände. Das erklärte der Verbandsvorsitzende Dietmar Schitthelm am Donnerstag bei der Verbandsversammlung.

Billig wird das nicht: Bauliche Maßnahmen in den kommenden Jahren erfordern ohnehin Investitionen von rund 21 Millionen Euro, die weiteren geplanten Maßnahmen würden zusätzliche Gelder erfordern, so Schitthelm.

Im Juli hatten die Delegierten bereits einer Beitragserhöhung zugestimmt. Die soll in drei Abschnitten erfolgen: In den kommenden drei Jahren ab 2019 sind jeweils Beitragserhöhungen von etwa 14 Prozent vorgesehen. Danach soll die Erhöhung maximal bei 6,5 Prozent pro Jahr liegen, und in den Rücklagen sollen nicht mehr als 70 Millionen Euro verbleiben. Zehn Prozent des Beitragsvolumens müssen allein für Strom eingeplant werden. Da hilft die Eigenstromerzeugung, die der Verband vorantreibt: Der Anteil des selbst produzierten Stroms liegt aktuell bei 40 Prozent.

Auf der Kläranlage in Mönchengladbach-Neuwerk wird aus dem in den Faulgasbehältern anfallenden Faulgas in BHKW-Anlagen Strom und Wärme für den Eigenverbrauch erzeugt. Der bisherige Trockengasbehälter ist 45 Jahre alt und war dringend sanierungsbedürftig. Jetzt sollen zwei neue Gasbehälter errichtet werden, mit dem Bau wurde im letzten Quartal 2018 bereits begonnen. Auch hier soll alles Anfang 2020 fertig sein. In den letzten Jahren konnten durch Aufgabe kleinerer Kläranlagen und Überleitung zu großen Anlagen schon 14,3 Millionen Euro ein gespart werden. Zudem ist die Reinigungsleistung der großen Einheiten deutlich besser. Auch die Gewässerbelastung wird geringer: So konnte schon die Hälfte an Phosphoreintragungen in den Fluss vermieden werden.

Wetterextreme und Klimawandel treiben den Verband um. Im Hitzesommer 2018 bestand bei Temperaturen im Wasser von mehr als 25 Grad stets die akute Gefahr des Fischsterbens. Infolge der geringen Wasserstände konnten im gesamten Sommer keine Floßfahrten stattfinden. Lediglich die Paddeltouristen kamen auf ihre Kosten. Zehn Monate waren trockener als im Jahresdurchschnitt, und seit 1880 ist die Temperatur um 1,75 Grad angestiegen. Der Niersverband will deshalb Ersatzauen anlegen. Sie dienen gleichzeitig dem Schutz vor hohen Abflüssen wie auch der „Kühlung“ der Niers.

Probleme hat der Verband, erfahrenes Personal zu bekommen. Zwar konnten bis auf vier Stellen die im Wirtschaftsplan vorgesehenen Stellen besetzt werden, allerdings nur mit Berufsanfängern. Viersens künftige Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche wurde zum neuen Mitglied des wichtigen Verbandsrats gewählt. Das Gremium bereitet die Entscheidungen vor. Sie setzte sich mit 53 von 61 Stimmen gegen ihren Herausforderer, Willichs Bürgermeister Josef Heyes (CDU), durch. Nach der Kündigung von Viersens Technischer Beigeordneten Beatrice Kamper im Herbst hatte Viersens Bürgermeisterin diese Position inne.