Wie der Gemeindewald Niederkrüchten jetzt klimastabil werden soll

Niederkrüchten : Waldsterben 2.0

Der Niederkrüchtener Gemeindewald leidet massiv unter Stürmen, Trockenheit und Schädlingsbefall. Bis zu 20 Prozent des Baumbestands könnten abgestorben sein. Nun sollen klimastabilere Baumarten angepflanzt werden.

Der Niederkrüchtener Gemeindewald hat Stress. Der Klimawandel und die beiden extrem trockenen Sommer 2018 und 2019 machen dem Wald stark zu schaffen. Schädlinge wie der Borkenkäfer haben an den geschwächten Bäumen leichtes Spiel. „Die Fichte zum Beispiel hat sich am Niederrhein fast komplett verabschiedet“, sagte Gemeindeförster Wilfried Kaufhold jetzt im Forst- und Liegenschaftsausschuss. Noch vor 30 Jahren lag der Fichtenbestand im Gemeindewald bei etwa zehn Prozent. Inzwischen nähere er sich der Null-Marke. Insgesamt, so schätzt Kaufhold, sind aktuell bis zu 20 Prozent des Waldbestandes durch diverse Stürme und die beiden heißen Sommer in diesem und im vergangenen Jahr praktisch abgestorben.

Betroffen seien fast alle Baumarten, auch die als sehr robust geltenden Buchen oder Lärchen, so der Förster. Die Böden seien bis in 1,80 Meter Tiefe ausgetrocknet, erklärte Kaufhold. Da bekämen auch tief wurzelnde Arten Probleme. Der Gemeindeförster rechnet deshalb damit, dass 30 Prozent der Lärchen im nächsten Frühjahr nicht mehr austreiben werden. Entlang der A52 in Richtung Niederlande zum Beispiel sind viele Buchen mit bedenklich gelichteten Kronen zu sehen. Die einzige Baumart, die bislang überhaupt keine Schäden zeigt, sei die Roteiche.

67 Quadratkilometer groß ist die Gemeinde Niederkrüchten. Fast die Hälfte davon, 29 Quadratkilometer, ist von Wald bedeckt. Aufgabe sei es nun, den Wald klimastabil zu machen, erläuterte Forstrat Christian Langfeldt vom Regionalforstamt Niederrhein im Ausschuss. Der Waldumbau ist bereits seit Jahren im Gange. Lange Zeit bestand der Gemeindewald zu zwei Dritteln aus Nadelbäumen. Allein die Hälfte des Bestandes machten Kiefern aus – eine Spätfolge des Zweiten Weltkriegs, als der Gemeindewald durch Kriegsschäden und Reparationshiebe buchstäblich am Boden lag. Damals wurde mit schnell wachsenden Kiefern-Monokulturen aufgeforstet.

„Eine Intensivierung des Waldumbaus ist notwendig“, unterstrich Langfeldt. Nicht mehr standortgerechte Baumarten werden nach und nach ersetzt durch klimastabilere Arten, die besser mit Hitze und Trockenheit klarkommen. Daher soll mit Akazien, Küstentannen, Mammutbäumen, Esskastanien sowie Walnuss und Schwarznuss aufgeforstet werden, sagte Langfeldt. „Wir werden bei der Artenvielfalt in die Vollen gehen“, kündigte Kaufhold an. Neue Baumarten sollen in vielen Kleingruppen gepflanzt werden um zu beobachten, welche mit den Gegebenheiten am besten zurechtkommen.

„Die Neuanpflanzung von an den Standort sowie potenziell an den Klimawandel besser angepassten Baumarten ist eine entscheidende Investition in die Zukunft Ihrer Wälder“, hieß es in Langfeldts Bericht. Denn der Waldzustand ist nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein wirtschaftliches Problem. So können laut dem Forstwirtschaftsplan 2020 im kommenden Jahr nur 1.640 Festmeter Holz geerntet werden. Das liegt rund 1.000 Festmeter unter dem so genannten nachhaltigen Hiebsatz, der besagt, dass nicht mehr Holz geschlagen wird als im gleichen Jahr nachwächst. Die Differenz erklärt sich dadurch, dass der Sturm Friederike im Januar 2018 und die folgenden beiden Trockensommer mit hohem Schadinsekten-Befall für sehr viel Schadholz gesorgt haben.

Weil das weit über die Grenzen Niederkrüchtens hinaus ebenfalls ein Problem ist, ist der Holzmarkt derzeit mit Schad- und Frischholz übersättigt. Die Folge sei ein massiver Preisverfall, erklärte Langfeldt. Daher werden im Forstwirtschaftsplan für 2020 nur knapp 21.000 Euro als Erlös aus dem Holzverkauf erwartet. In guten Jahren und bei normaler Erntemenge sind es bis zu 100.000 Euro, so Kaufhold.

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