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Werk "Macbeth V" von Wilhelm Lehmbruck in der Grafischen Sammlung Viersen

Schätze der Grafischen Sammlung in Viersen : Lehmbrucks tragische Lady Macbeth

In Viersen lagern viele Arbeiten weltberühmter Maler. In der Serie der Rheinischen Post geben wir einen Überblick über große Werke. Diesmal stellen wir die Radierung mit dem Titel „Macbeth V“ aus dem Jahr 1918 von Wilhelm Lehmbruck vor. Sie schildert eine extrem bedrückende Situation.

Die gekrönte Frau nimmt das gesamte Blatt ein. Gekrümmt steht sie da, mit eingezogenen Schultern, die Hände vor ihrer Brust sind gekreuzt. In einer Hand hält sie einen Dolch. Sie scheint ihre Augen zu verschließen. Ihr langes Gewand fällt bis zum Boden. Um sie herum wimmelt es von Menschen, toten Menschen, ein totes Kind wird ihr angereicht – doch annehmen kann sie es nicht. Zu ihren Füßen liegt ein alter Mensch mit drei Wunden.

Die Radierung mit dem Titel „Macbeth V“ aus dem Jahr 1918 von Wilhelm Lehmbruck schildert eine extrem bedrückende Situation. Das Bild, das sich seit 1962 in der Grafischen Sammlung der Stadt Viersen befindet, ist 39 mal 29,5 Zentimeter groß.

Wilhelm Lehmbruck ist vor allem als Bildhauer bekannt geworden. Dem 1881 in Duisburg-Meiderich geborenen Künstler ist in Duisburg ein Museum gewidmet. Hier befindet sich der über 1000 Werke umfassende Nachlass von Lehmbruck. Der heutige Museumsbau ist übrigens von seinem Sohn Manfred entworfen worden.

Wilhelm Lehmbruck erhielt schon früh eine Förderung durch seine Lehrer. Ein Stipendium der Gemeinde ermöglichte ihm den Besuch der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf. Von 1901 bis 1906 besuchte er die Kunstakademie Düsseldorf. 1911 zeigte er seine „Knieende“ in Paris, 1913 war er der einzige deutsche Bildhauer, der mit einer Skulptur in der Armory Show in Amerika vertreten war. Von 1910 bis 1914 lebte Lehmbruck in Paris, bevor er in Berlin und Zürich lebte. 1919 wurde er dort zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste ernannt. 1919 beging Lehmbruck, der unter Depressionen litt, Selbstmord.

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Lehmbruck schuf neben seinen Skulpturen ein Werk aus Porträts, Akten und Grafiken. Das druckgrafische Werk umfasst etwa 5000 Blätter, vor allem Radierungen. Das Viersener Blatt „Macbeth V“ war eine Auftragsarbeit für die Mitglieder des „Vereins der Freunde der Marées-Gesellschaft“, sie erhielten es als Jahresgabe 1920, also bereits nach dem Tod von Lehmbruck.

Lady Macbeth ist Hauptfigur der Tragödie von William Shakespeare aus dem Jahr 1606. Sie ist von Ehrgeiz und Machtstreben gekennzeichnet, eine Kombination, die sie um ihre Empathie und Menschlichkeit sowie schließlich um ihren Verstand bringt. Sie ermutigt ihren Mann, den König zu ermorden, um selbst König zu werden.

Lehmbruck setzt in seinem eindringlichen Blatt die Emotionalität, die seelische Befindlichkeit der Frau in ein Bild um: bedrängt und niedergedrückt, böse, umgeben von albtraumhaften Gestalten, von Tod. In einem Wechsel von dichten und auf Abstand gesetzten Linien schafft er in der Radierung die Idee von innerer und äußerer Bewegung. Die Radierung zeugt von Einfühlungsvermögen und starkem Ausdruck.