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Wenn der Nikolaus in Niederkrüchten an der Tür klopft

Niederkrüchten : Wenn der Nikolaus an der Tür klopft

Nikolaus feiern mit einem Besuch vom bärtigen Heiligen: Das machen Messdiener aus Niederkrüchten seit 25 Jahren möglich. Mittlerweile muss Knecht Ruprecht bisweilen raus, um einen zweiten Sack mit Geschenken zu bringen.

Mit Knecht Ruprecht als Gehilfe, Geschenken im Sack und in Begleitung von Engeln erscheint der Nikolaus. Nicht nur in der traditionellen Darstellung, sondern auch bei den Auftritten der Nikoläuse der katholischen Pfarre St. Bartholomäus in Niederkrüchten. „Insgesamt sind es dieses Jahr vier Messdiener, die auf Terminen unterwegs sind“, sagt Diakon Johannes Gillrath. Die Gemeinde organisierte zum ersten Mal vor 25 Jahren die Aktion, bei der Familien, Vereine oder andere Interessierte einen Nikolausauftritt buchen können. Die Aktion finanziert die Gemeinde mit kirchlichen Mitteln, bittet aber auch um eine Spende von 15 bis 20 Euro für die Messdiener.

Florian Kaminski als Nikolaus. Foto: Julia Esch

Florian Kaminski ist einer der Nikoläuse. Der 18-Jährige ist bereits seit neun Jahren Messdiener und dieses Jahr zum vierten Mal als Nikolaus im Gewand unterwegs. Mit rot-goldenem Umhang, Bischofsstab und weißem Bart. „Am schönsten finde ich es, wenn die Kinder einen mit leuchtenden Augen beobachten und manchmal sogar Bilder schenken“, sagt Kaminski. Die Arbeit mit Kindern mache ihm Spaß. Kaminski möchte Grundschullehrer werden. „Wenn alles klappt, studiere ich nach meinem Abitur Mathematik, Deutsch und Theologie.“

Das sei auch eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen guten Nikolaus, sagt der Diakon: Ein gutes Gespür für Kinder und den Umgang mit ihnen. „Man muss manchmal wissen, wie man Kinder beruhigen kann, wenn sie sehr aufgeregt sind“, sagt Gillrath. „Manche sind sehr schüchtern, anderen wollen manchmal direkt auf den Schoßs, aber in der Regel halten sogar Erwachsene wegen der Gewandung ein wenig Abstand.“ Wenn Florian in voller Kostümierung den Raum betritt, ist der Jugendliche auf jeden Fall nicht wiederzuerkennen. Selbst als Erwachsener verspürt man doch etwas Ehrfurcht.

„Viele möchten uns als eine Art Erziehungsmaßnahme betrachten“, sagt Gillrath. „Aber das wollen wir eigentlich nicht. Wir möchten einen schönen Abend bereiten, der auch mit unserer Tradition und unserem Glauben zu tun hat.“ Zwar gehöre zur Tradition rund um Nikolaus auch die „jährliche Abrechnung“, aber darum allein gehe es nicht, betont Gillrath. Was haben die Kinder gut gemacht und was weniger? Das schreiben die Eltern idealerweise auf den Zettel, mit dem auch der Termin gebucht wird. „Wir sagen den Kindern dann natürlich auch, was sie falsch gemacht haben“, sagt Florian. „Aber wir sind sehr einfühlsam mit den Kindern.“ Doch so hart fällt die Rüge dann doch meist nicht aus: Nicht schlafen gehen wollen, zu viel Fernsehen schauen, derartige Sachen würden auf der Liste stehen, sagt Kaminski.

Die Geschenke für die Abende besorgen die Eltern. In den vergangenen Jahren habe die Fülle an Gaben stark zugenommen, findet Kaminski. „Mittlerweile muss der Knecht Ruprecht manchmal zwischendurch raus, um einen zweiten Sack mit Geschenken zu bringen.“ Das Mitsingen hingegen habe abgenommen. Doch das Angebot der Nikolausbesuche werde insgesamt recht konstant angenommen, sagt Gillrath. Etwa 20 Besuche stehen auf der Liste.

Die Besuche dauern in der Regel eine halbe Stunde und beginnen immer mit einem Programm für die Kinder, bis es an die Geschenke geht. „Meistens klingeln wir, und dann wissen die Kinder schon: Da kommt der Nikolaus, manchmal kann man auch laut mit dem Stab klopfen.“ Etwas Schauspielerei gehöre immer zu den Besuchen dazu. Die jungen Stimmen der Messdiener seien dabei kein Problem sagt Kaminski. „Man kann ja etwas tiefer sprechen, und zu den letzten Terminen wird die Stimme auch etwas rauer.“ Auch der Bart sei beim Dämpfen der Stimme hilfreich.