Warum die 18-jährige Nele aus Viersen nach Afrika geht

FSJ : Warum die 18-jährige Nele nach Afrika geht

Der Koffer ist gepackt, am Freitag steigt die Abschiedsparty und am Montag geht der Flieger. Nele Böttinger geht für ein halbes Jahr nach Ghana.

Wenn vor rund fünf Jahren die Familie Böttinger nicht vor dem Fernseher gesessen und gemeinsam die Sendung „Ein Herz für Kinder“ geschaut hätte, ist es fraglich, ob Nele Böttinger am Montag in das Flugzeug steigen würde, das sie nach Ghana bringt. Diese Sendung war es, die in der damals 13-Jährigen den Wunsch weckte, nach Afrika zu gehen und dort mit Kindern zu arbeiten.

„In der Sendung wurden Spenden für ein afrikanisches Waisenhaus gesammelt. Es hat mich sehr berührt, wie sich die Kinder über Kleinigkeiten gefreut haben. Mir ist bewusst geworden, wie gut es mir in Deutschland geht und ich dachte mir, irgendwann bringst du dich für Kinder in Afrika ein“, sagt Nele Böttinger. Was ihre Eltern damals mit einem Lächeln zur Kenntnis nahmen, kristallisierte sich im Laufe der Jahre immer mehr als ein festes Projekt heraus. „Nele hat immer wieder davon gesprochen, und uns wurde klar: Sie will wirklich nach Afrika und sich ehrenamtlich engagieren“, sagt Bettina Böttinger.

Die junge Viersenerin informierte sich über die verschiedenen Freiwilligendienste und deren Projekte in Afrika. Letztendlich fiel ihre Wahl auf die deutsche Organisation Praktikawelten aus München. Dass es eine Arbeit mit Kindern sein sollte, stand für Nele Böttinger unverrückbar fest. Schon daheim bringt sie sich Gruppenhelferin bei der Leichtathletik-Gemeinschaft Viersen ein und kümmert sich um den Nachwuchs. Im Herbst vergangenen Jahres schickte sie ihre Bewerbung zu Praktikawelten. Die Zusage kam kurze Zeit später.

Vor rund einem Monat flatterten die Endunterlagen bei den Böttingers ein. Für ein halbes Jahr geht es nun nach Ghana, um als Freiwillige an einer Vorschule in der Hauptstadt Accra zu arbeiten und zu helfen. Die Kosten muss die Familie selbst tragen. „Ich habe bereits fleißig gespart und nach meinem Abitur auch gearbeitet. Das würde aber nicht reichen und so bin ich mehr als nur froh, dass mich meine Eltern unterstützen und voll und ganz hinter mir und meinem Wunsch stehen“, berichtet Nele Böttinger. Die letzten beiden benötigten Impfungen gab es diese Woche. Ansonsten ist der erste Koffer mit Medikamenten, Sonnen- und Insektenschutzmitteln, Hygieneartikeln, Moskitonetz und Tütensuppen bereits gepackt. „Die Tütensuppen stellen fürs Erste meine Mittagsversorgung dar. In dem Freiwilligenhaus, in dem wir alle untergebracht sind, werden wir wochentags mit Frühstück und Abendessen versorgt. Am Wochenende steht Selbstversorgung an“, erzählt Nele Böttinger.

Bevor es am Montag vom Düsseldorfer Flughafen aus losgeht, steigt am Freitagabend noch die Abschiedsparty. „Leicht fällt es mir natürlich nicht, meine Familie und meine Freunde zu verlassen. Ich denke der Abschied am Flughafen selber, wenn man sich das letzte Mal umarmt, wird das Schwerste sein“, ist sich die 18-Jährige sicher. Dafür hat sie extra schon jede Menge Bilder von ihren Eltern, ihrer Schwester, Hund Einstein und Freunden ausgedruckt, die allesamt im Portmonee mitreisen. Und auch ihr Glücksbringer, ein Plüschhund, fliegt mit nach Ghana. Anhand einer Mitreiseliste hat die Viersenerin bereits Kontakt mit einigen Mädels aufgenommen, die ebenfalls in Accra in den Einsatz gehen. Zurück  geht es am 15. Januar 2019. „Dann können wir zu Hause noch Weihnachten nachfeiern“, wünscht sich Nele Böttinger, die sich ein Weihnachten ohne Eltern und Schwester Pia eigentlich gar nicht vorstellen kann.

Jetzt aber freut sie sich erst einmal auf Ghana, die Aufgaben dort – und ihre Chance, das Land besser als bei einem Urlaub kennenzulernen.

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