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Waldbrandgefahr: Mit der Feuerwehr auf Streife im Wald

Brüggen : Mit der Feuerwehr auf Streife im Wald

Die Freiwilligen Feuerwehren im Kreis Viersen haben eine weitere Aufgabe bekommen: Sie kontrollieren, ob niemand im Wald raucht oder grillt. Für die Wälder in der Region ist die zweithöchste Warnstufe ausgegeben worden

Das Knattern der beiden Motorräder kündigt Hauptfeuerwehrmann Daniel Wolf vom Löschzug Bracht und Oberfeuerwehrmann Timo Zimmer vom Löschzug Brüggen an. Kaum sind sie um die Ecke gebogen und am Löschfahrzeug LF 16 TS angekommen, verstummen die Motoren. Dort warten bereits der Brüggener Löschzugleiter Marc Pollen und Marcel van Montfort, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Brüggen.

Van Montfort greift zur Karte, die auf dem Fahrersitz des Fahrzeugs liegt. „Von unserem Standort fahren wir quer durchs Depot bis zum Diergardtschen Forst über die L373 entlang der Schwalm und dann am Dahmensee weiter, bevor es in den Grenzwald geht, und nochmals ins Depot“, gibt er grob die Route vor. Es folgt eine genauere Besprechung, wo Wolf und Zimmer mit den Motorrädern zusätzlich kleine Waldwege fahren werden, die mit dem Feuerwehrfahrzeug nicht befahren werden können, dann geht es los.

Van Montfort steigt ein und Pollen startet das Feuerwehrfahrzeug, um hinter den beiden Motorrädern vom Wanderparkplatz an der alten Waage hinter Heidhausen in Richtung Depot herzufahren. Die ersten Spaziergänger und Radfahrer kommen den vier Feuerwehrmännern entgegen, während es über die asphaltierte Straße entlang des hohen Zauns am Depot vorbei geht.

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Jeder Bürger wird genau gemustert, ob er eventuell raucht – denn das wäre im Moment eine absolute Katastrophe. Es herrscht Waldbrandstufe vier. Der kleinste Funke könnte einen Brand auslösen. Daher haben die Wehrleute seit dem Wochenende eine weitere Aufgabe übernommen: Sie, die alle ehrenamtlich arbeiten, fahren kontinuierlich Waldbrandstreife. Einige haben sogar Urlaub dafür genommen. „Es gilt, einen Waldbrand zu verhindern oder zu entdecken, wenn etwas passiert ist. Bürger, die im Wald unterwegs sind und rauchen oder sogar grillen, machen wir auf die Gefahr aufmerksam und weisen darauf hin, dass es verboten ist“, erklärt van Montfort.

Inzwischen haben die Wehrleute ein großes grünes Tor erreicht, das zum Depot führt. Es ist verschlossen. Wolf springt vom Motorrad und öffnet das Tor. Der Weg wird holperig. Wolf und Zimmer umfahren eine Absperrung – denn aus Erfahrung wissen sie, dass viele Spaziergänger auch gern dort im Depot unterwegs sind, wo sie es eigentlich nicht dürfen. Eine schwarze Stelle am Wegrand fällt auf. Bei der Kontrolle sehen die Wehrleute, dass dort gegrillt wurde. Die angekokelten Äste sind aber schon kalt. Unter den schweren Motorradstiefeln knistert das trockene Gras. Eine halbe Stunde später verlassen die Wehrleute das Depot, um entlang der Schwalm zum Dahmensee zu fahren – ebenfalls ein beliebtes Ausflugsziel.

Kaum hat das Team die Schwalm passiert, entdecken die Wehrleute einen Spaziergänger mit Zigarette in der Hand. Der Mann dreht sich um und biegt beim Anblick des feuerroten Fahrzeuges blitzschnell in einen schmalen Seitenweg ein.

Einsatz für Zimmer, der mit dem Motorrad problemlos folgen kann, wo das Löschfahrzeug nicht durchpasst. Eine kurze Ansprache und die Zigarette wird gelöscht. „Man kann nur hoffen, dass nicht gleich die nächste angesteckt wird“, bemerkt Zimmer, der zur Gruppe zurück fährt. Äste schlagen gegen das Fahrzeug.

Obwohl die Wehrleute langsam fahren, wehen immer wieder Staubwolken hoch. Die Wege sind ausgetrocknet, die Schwalm führt deutlich weniger Wasser als sonst. Im Wald liegen nach den letzten Stürmen viele kleine Äste. „Das brennt wie Zunder, wenn etwas passiert“, sagt van Montfort.

Am Dahmensee parken die Wehrleute in der Nähe einer schwer zugänglichen Badestelle und gehen zu Fuß weiter. „Dort wird fast immer gegrillt“, sagt Pollen. Die Vermutung bestätigt sich: Das Team entdeckt kaum erkaltete Brandherde, etliche Menschen mit Zigarette und der Schale mit Grillgut in der Hand, während Feuer bedrohlich knistern. Nicht jeder zeigt sich sofort einsichtig. Argumente wie „Wir passen auf“ und „Hier ist doch auch Wasser“ zählen nicht. „Wenn es gar nicht geht und völlige Uneinsichtigkeit herrscht, dann alarmieren wir das Ordnungsamt, die eine weitere rechtliche Handhabe haben“, sagt van Montfort. Für Bürger heißt das: Es kann teuer werden.

Für die Wehrleute geht es weiter: Die Waldbrandstreife fährt in den Grenzwald rund um Brüggen und Bracht und wieder ins Depot. Feierabend ist noch lange nicht.