Niederkrüchten: Waldbesitzer müssen Holz bald selbst vermarkten

Niederkrüchten: Waldbesitzer müssen Holz bald selbst vermarkten

Bislang handelt der Landesbetrieb mit Holz aus kommunalem und privatem Wald. Das Kartellamt übt Kritik

In der Jahresversammlung der Bezirksgruppe Mittlerer Niederrhein im Waldbauernverband gab es ein beherrschendes Thema: die zukünftige Holzvermarktung. Denn das Bundeskartellamt hat Anstoß an der bisherigen Praxis genommen. Aktuell ist es so, dass der Landesbetrieb Wald und Holz das Holz privater und kommunaler Waldbesitzer zusammen mit dem Holz aus dem Staatswald vermarktet. Er bietet Waldbesitzern zudem forstliche Dienstleistungen an, die sogenannte Betreuung. Dies soll sich nun ändern: Die eigentumsübergreifende Zusammenfassung und Vermarktung der Holzmengen über das so genannte Einheitsforstamt verstößt nach Ansicht der Kartellbehörde gegen das Wettbewerbsrecht.

Neu ist die Kritik nicht: Seit dem Jahr 2001 beschäftigt sich das Kartellamt mit dem Thema Holzvermarktung, und zwar länderübergreifend. Nach einem Urteil gegen Baden-Württemberg sieht sich auch NRW gezwungen zu handeln. Denn auch der Vorgang der Holzvermarktung wird vom Kartellamt neu definiert. Er beginnt nach Auffassung der Wettbewerbshüter schon ab Beginn der forstlichen Tätigkeit, also beim Auszeichnen der Waldbestände. Künftig sollen staatliche Betreuungsdienstleistungen zu Vollkosten geleistet werden, um eine Diskriminierungsfreiheit zu gewährleisten. Eine kooperative Holzvermarktung inklusive vorgelagerter Tätigkeiten soll es nur noch in eingeschränktem Maße geben. Zudem sollen die Bereiche Hoheit und Betreuung getrennt werden.

Bei der Jahresversammlung in der Gaststätte "Zur Post" in Elmpt gab der Leiter der Landesforstverwaltung in NRW, Hubert Kaiser, Informationen zur aktuellen Situation und erläuterte den Umstellungsprozess. Dazu gehört die Schaffung von "Vermarktungsorganisationen", die das Holz in den Handel bringen sollen. "Aktuell sind wir in der Planung mit Holzbesitzern, wie dies zukünftig geschehen soll", so Kaiser. Es gelte nun, das bestehende Know-how auf diejenigen zu transferieren, die das Holz künftig vermarkten sollen, und die Kapazitäten schrittweise aufzustocken. Kaiser rechnet mit einem Umstellungszeitraum von ein bis zwei Jahren. Aber die Rollenveränderung sei notwendig, denn klar sei: "Die forstliche Betreuung durch die Landesforstverwaltung in der bisherigen Form wird es nicht mehr geben." Forstliche Zusammenschlüsse sollen bei ihrer eigenständigen Vermarktung jedoch unterstützt werden.

Richard Holthausen, Betriebsleiter der Diergardt'schen Forstverwaltung, kann die Enttäuschung über die Situation, insbesondere bei Kleinwaldbesitzern, nachvollziehen: "Jetzt gilt es, sich bei der Holzvermarktung neu zu orientieren: Es geht weg vom Forstamt, und direkt hin zu den Unternehmen."

(eva)