Vorschlag in Brüggen: Steuernachlass für Tierheimhunde

Haustiere in Brüggen : Steuernachlass für Tierheimhunde?

Wer einen Hund aus dem Tierschutz holt, soll ein Jahr lang keine Hundesteuer zahlen. Diesen Antrag haben die Brüggener Bündnisgrünen gestellt. Diskutiert wird darüber voraussichtlich am 30. Januar im Hauptausschuss.

Schäferhund Leo (drei Jahre) ist lieb und verschmust. Eigentlich. Doch wer ihn im Zwinger des Matthias-Neelen-Tierheimes in Nettetal-Lobberich erlebt, gewinnt einen ganz anderen Eindruck. Dort gibt Leo nämlich zunächst den „starken Hund“. „Leo ist kein einfacher Vierbeiner“, meint Tierheim-Leiter Ralf Erdmann. Er brauche einen neuen Besitzer, der sich nicht nur Zeit für ihn nehme, sondern auch über Durchsetzungsvermögen verfüge. Denn Leo hat eine Geschichte als Zwingerhund hinter sich, dort holte ihn das Veterinäramt aus Sicherheitsgründen raus. Er musste erst lernen, stubenrein zu werden und an der Leine zu gehen. Seit Juni wartet der Rüde auf ein Herrchen oder Frauchen. Insgesamt warten zurzeit 19 Hunde im Lobbericher Tierheim auf eine Vermittlung.

Vielleicht würden Hunde aus dem Tierschutz schneller ein neues Zuhause finden, wenn ihr künftiger Besitzer für ein Jahr lang keine Hundesteuer zahlen müsse. Ralf Erdmann sieht eine solche Befreiung positiv: „Ich bin überzeugt, dass dieser zusätzliche Anreiz etwas bringt.“

Das verspricht sich auch die Brüggener Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen von ihrem Antrag, den sie in den Rat eingebracht hat und der voraussichtlich am 30. Januar im Hauptausschuss auf der Tagesordnung steht.

Den Hintergrund erläutert GrünenFraktionsvorsitzender René Bongartz, selbst Besitzer von Mischling Páris, der aus einer Auffangstation auf einer griechischen Insel stammt und vor zehn Jahren bei Bongartz und seiner Familie in Brüggen ein neues Zuhause gefunden hat. „Unser Ziel ist es, sowohl die Allgemeinheit von den Kosten für die Unterbringung zu entlasten, als auch den Tieren einen Aufenthalt im Tierheim zu ersparen“, sagt Bongartz. Für den ersten Hund in einem Haushalt müssten Brüggener 78 Euro Hundesteuer zahlen. „Bei jährlichen Kosten von 500 bis 1000 Euro für Futter, Ausstattung und Versicherung ist die Steuerersparnis lediglich ein Anerkennungsbetrag“, meint er. Doch das Wissen um eine Steuerentlastung könne für viele einen Anreiz darstellen, einen Hund aus dem Tierheim zu sich zu nehmen.

Bereits im Jahr 2013 hatten die Brüggener Grünen einen ähnlichen Antrag formuliert. „Wir hielten das damals für eine gute Idee, die problemlos Unterstützer finden könnte“, erinnert sich Bongartz. Doch dies sei nicht der Fall gewesen. In der Beschlussvorlage für den damaligen Hauptausschuss hatte die Verwaltung dazu geraten, den Antrag abzulehnen. Dies geschah auch.

Jetzt haben die Bündnisgrünen Gespräche mit der Verwaltung, insbesondere mit Kämmerer Oliver Mankowski, und anderen Ratsfraktionen geführt. Es habe positive Signale gegeben: „Wir haben den Eindruck, dass die Situation heute eine andere ist“, meint Bongartz. Entscheiden müssen die Politiker darüber, ob die geplante einjährige Steuerbefreiung für Hunde aus dem Tierheim des Kreises und dem Tierschutzverein Viersen, aus NRW oder deutschlandweit gelte.