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Vorschläge für Planung von NS-Dokumentationsstelle in Viersen

Erinnerungskultur in Viersen : Das sind die Pläne für eine NS-Dokumentationsstelle

Die Stadtverwaltung schlägt zwei Varianten dazu vor, wie in Viersen eine NS-Dokumentationsstelle aufgebaut werden könnte. So ein Zentrum einzurichten, hatte der Verein zur Förderung der Erinnerungskultur angeregt. Dessen Vorsitzender hat unter den Varianten einen klaren Favoriten.

Am Montag soll der Hauptausschuss in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause entscheiden, wie es mit der Planung für eine NS-Dokumentationsstelle weiter geht. Die Stadtverwaltung macht dazu zwei Vorschläge: Entweder könnte sich die Stadt mit dem Kreis Viersen abstimmen, sodass eine NS-Dokumentationsstelle möglichst räumlich und fachlich an dessen neues Kreisarchiv am Ransberg angegliedert wird – oder es könnte ein Trägerverein gegründet werden, der, im Wesentlichen finanziert von der Stadt, die Dokumentationsstelle an einem noch festzulegenden Standort in Viersen führt. So eine Stelle einzurichten, hatte der Viersener Verein zur Förderung der Erinnerungskultur 1933-45 angeregt. Dass nun nur darüber entschieden werden soll, wie sie entstehen soll und nicht, ob sie überhaupt entstehen soll, „das finde ich total klasse“, sagt dessen Vorsitzender Mirko Danek. Allerdings hat der Verein unter den vorgestellten Varianten einen klaren Favoriten.

Im Oktober 2021 hatte der Verein zur Förderung der Erinnerungskultur seine Bürgeranregung gemäß Paragraf 24 der Gemeindeordnung des Landes NRW an Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) geschickt. In einer Sitzung des Hauptausschusses im Dezember erhielt Danek die Gelegenheit, die Anregung zu begründen. Dabei machte er deutlich, dass die Ressourcen der  Vereinsmitglieder, die in den vergangenen drei Jahren ehrenamtlich Informationen über Opfer und Täter gesammelt, Daten erfasst und eine virtuelle Gedenkstätte aufgebaut haben, erschöpft seien. Es solle in einer NS-Dokumentationsstelle darum gehen, die gewonnenen Erkenntnisse so aufzubereiten, dass sie für Schulen, Bildungseinrichtungen und weitere Interessentengruppen nutzbar seien. Die – nicht von Ehrenamtlern, sondern von angestelltem Personal geführte – Einrichtung solle „Anlaufstelle für Interessierte sein und in Schulen und Bildungseinrichtungen aktiv werden“. Als Beispiel nannte Danek die Villa Merländer, die NS-Dokumentationsstelle in Krefeld.

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Nachdem der Verein Gelegenheit hatte, seine Bürgeranregung zu begründen, folgt jetzt die politische Diskussion. Die Stadtverwaltung hat dafür die beiden Alternativvorschläge ausgearbeitet, die in der Sitzung des Hauptausschusses Grundlage der Beratung sind. „Beide Vorschläge sind getragen von dem Gedanken, dass mit der Übertragung des ehemaligen Stadtarchivs auf den Kreis Viersen innerhalb der Stadtverwaltung Viersen keine Organisationseinheit mehr besteht, die geeignet wäre, die inhaltliche Arbeit einer NS-Dokumentationsstelle angemessen betreuen und verwalten zu können“, führt sie in der Sitzungsvorlage aus. Zum ersten Vorschlag erläutert sie: „Es sind fachlich und räumlich beste Vorbedingungen gegeben, die nahelegen, die Aufgabe und den Sitz der angeregten NS-Dokumentationsstelle auf das neue Kreisarchiv zu übertragen bzw. dort anzusiedeln und der fortlaufenden Archivarbeit für Kreis, Städte und Gemeinden damit eine zusätzliche Bedeutung zu verleihen.“ Es biete sich die Chance, die Erinnerungskultur und Recherche im bereits für die Stadt Viersen erfassten Datensatz auf die Nachbarkommunen auszuweiten, ihnen zugänglich zu machen und in Viersen temporär in Ausstellungen zu präsentieren.

Der Verein zur Förderung der Erinnerungskultur ist von diesem Vorschlag nicht gerade begeistert. „Unsere Intention war schon, dass die Sache irgendwie in der Stadt bleibt“, sagt Danek. Deshalb befürworte der Verein den zweiten Vorschlag. Dieser sieht vor, einen Trägerverein „NS-Dokumentationsstelle“ zu gründen, in dem zum Beispiel Mitglieder des Vereins zur Förderung der Erinnerungskultur und des Vereins für Heimatpflege Viersen wirken, und dafür angemessene Räume zu finden. Der Vorschlag biete den Vorteil, „dass die jetzt aktiven Akteure wesentlich stärker eingebunden werden können“, sagt Danek. Eine spätere Zusammenarbeit mit dem Kreis Viersen könne immer noch angestrebt werden. Darauf weist die Stadtverwaltung ebenfalls hin: „Auch die Gründung eines Trägervereins und die Übernahme der Aufgabe durch diesen verhindert perspektivisch nicht eine Übernahme der Aufgabe durch den Kreis, sofern dazu zum jetzigen Zeitpunkt keine Bereitschaft bestehen sollte.“

Danek betont, dass der Verein zur Förderung der Erinnerungskultur aber in jedem Fall die weitere Planung unterstützen werde – egal, wie der Hauptausschuss entscheidet. „Es geht uns ja vor allem um die Sache und darum, dass alles auf professionelle Füße gestellt wird.“