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Von Autor Markus Orths aus Viersen erscheinen im Januar und Februar zwei neue Romane

Interview mit Viersener Autor Markus Orths : „Der Leser soll sich unterhalten fühlen“

Zwei Romane des Autors aus Viersen erscheinen im Januar und Februar: einer für Kinder, einer für Erwachsene.

Sie wechseln von Kinderbuch zum Roman – wie funktioniert das?

Orths Von Maxim Gorki soll der Satz stammen: „Für Kinder schreibt man wie für Erwachsene – nur besser.“ Damit meint er, denke ich: Kinder merken sofort, wenn etwas aufgesetzt, unecht, hohl ist oder man sie nicht ernst nimmt. Ich finde zusätzlich aber auch, dass man für Kinder viel alberner, anarchischer, wilder, verrückter schreiben kann. Ich habe super viel Spaß beim Schreiben von Kinderbüchern, und wenn bei Lesungen das Kinderlachen herausplatzt – Das ist das schönste Geräusch der Welt!

Gleich zwei neue Bücher erscheinen jetzt im Januar und Februar. Schreiben Sie parallel?

Orths Ich versuche, ein Buch nach dem anderen zu schreiben. Manchmal ist es aber gut, wenn man ein Projekt einmal ein paar Wochen liegen lässt. In dieser Zeit kann ich mich dann etwas anderem widmen, einem Kinderbuch zum Beispiel oder einem Hörspiel. Die „Luftpiraten“ sind der erste Roman für Kinder ab acht oder neun Jahren. Der Roman spielt 20.000 Meilen über den Wolken… Ich dachte: Wie es in der Erde Erdlöcher gibt, so gibt es in der Luft auch Luftlöcher. Und in diesen Luftlöchern hausen die Luftpiraten. Aus diesem Gedanken entwickelte sich die ganze Geschichte.

Was passiert in Ihrem neuen Buch „Picknick im Dunkeln“?

Orths In „Picknick im Dunkeln“ treffen zwei Männer in völliger Finsternis aufeinander: Stan Laurel und Thomas von Aquin. Die „Idee“ dazu ist eine wilde Odyssee, zunächst eine Schnapsidee, zwei solche zeitlich völlig fernen und komplett unterschiedlichen Leben, die sich dann aber – in meinen Augen – wie durch Zauberhand aufs Eleganteste ineinander fügten. Auslöser, dies zu schreiben, war sicher der Tod meines Vaters vor drei Jahren: Ich wollte ihm nachspüren, in dem, was mich von ihm trennte – sein starker, unerschütterlicher Glaube: in der Person des Thomas von Aquin – und in dem, wo ich ihm sehr nahe stehe – sein Humor: in der Person des Stan Laurel.

Wann und warum haben Sie Viersen verlassen? Wie sind Sie in Karlsruhe gelandet?

Orths Ich bin mit 20 Jahren von Viersen zum Studium nach Freiburg gegangen. Ich wollte einfach raus,  weit weg und auf eigenen Füßen stehen. Dennoch war meine Kindheit eine sehr schöne, mit viel Geborgenheit. Geprägt haben mich sicherlich meine Eltern, von denen ich (fast) alles gelernt habe, was wichtig ist im Leben, aber auch der unverwechselbare Humor des Niederrheins und das unermüdlich plappernde Erzählen meiner Großmutter Elisabeth. Und nach Karlsruhe bin ich gegangen, weil man nur dort zum Philosophie-Lehrer ausgebildet werden konnte.

Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen?

Orths Mit fünf Jahren: Sobald ich als Kind schreiben konnte, habe ich mir direkt ganz kleine Geschichten ausgedacht und aufgeschrieben. Anlass und Vorbild war ohne Frage mein Vater, der selber an die 1000 Geschichten geschrieben hat, die in vielen religiösen Zeitschriften veröffentlicht wurden. Das Schreiben bedeutet mir unendlich viel, wenn ich abtauchen kann, mich vergessen und verlieren kann, fühle ich mich federleicht, sehr lebendig und einfach glücklich. Auch wenn ich oft am nächsten Tag wieder sehr viel des Geschriebenen streichen muss. Das gehört dazu.

Kann man Schreiben lernen?

Orths Natürlich kann man viel „Handwerkszeug“ lernen, aber nicht lernen kann man die Leidenschaft zur Literatur, und die ist unabdingbar.

Wo können Sie am besten schreiben?

Orths Ich schreibe sehr früh morgens in einer 24-Stunden-Bibliothek in Karlsruhe mit jeder Menge Studenten um mich herum, die über mathematischen Gleichungen grübeln. Nur ich, der „verrückte Alte“, hämmere wie wahnsinnig in die Tasten. Das ist eine skurrile Situation. Wenn ich ein Buch schreibe, möchte ich vor allen Dingen selber viel Freude und Glück erleben, ein flow-Erlebnis, einen Rauschzustand, ein Mitgerissenwerden und Sichüberraschenlassen von der Geschichte und den Figuren. Der Leser soll sich unterhalten fühlen, das Buch gerne und bestenfalls atemlos lesen, und wenn er dann noch über den einen oder anderen Punkt nachdenkt, den ich anstoße – so will ich mehr nicht erhoffen.

Was lesen Sie selbst?

Orths Ich lese am liebsten Romane und Erzählungen, bei Gedichten tue ich mich etwas schwerer. Und ich wünschte mir, man entschwindet beim Lesen in eine andere Welt. Man lernt andere Menschen (in den Figuren) kennen, andere Denk- und Sichtweisen. Neben dem Unterhaltungsaspekt ist dies für mich das Wichtigste: Über den eigenen Tellerrand hinaus schauen.