Voller Ratssaal beim Freibad-Dialog in Niederkrüchten-Elmpt

Niederkrüchten : Freibad-Dialog zieht 120 Zuhörer an

Ein interkommunales Freizeitbad mit Brüggen oder die kleinere Lösung mit Freibad und neuem Hallenbad am alten Standort? Diese Vorschläge standen beim Bürgerdialog zur Zukunft der Niederkrüchtener Bäder im Fokus

Das Wichtigste nahm Kalle Wassong gleich vorweg: Es sei noch keine Entscheidung gefallen, betonte Niederkrüchtens parteiloser Bürgermeister. Ob ein interkommunales Schwimmbad als Gemeinschaftsprojekt mit der Gemeinde Brüggen gebaut wird, ob das Niederkrüchtener Freibad saniert und modernisiert wird oder ob sich eine dritte Lösung durchsetzt – darüber wird der Rat der Gemeinde im Herbst entscheiden.

Um die insbesondere in den sozialen Netzwerken teils sehr hitzig geführte Diskussion um die Zukunft der gemeindlichen Bäderlandschaft im Allgemeinen und des Niederkrüchtener Freibades im Besonderen zu versachlichen, hatte Wassong zu einem außerplanmäßigen Bürgerdialog geladen. Rund 120 Besucher drängten sich am Donnerstagabend im Sitzungssaal des Elmpter Rathauses, darunter einige Ratsmitglieder und auch einzelne Gäste aus Brüggen. Die Stimmung war emotional, doch die Diskussion blieb alles in allem sachlich.

Die Schließung des Freibades wegen gravierender Sicherheits- und Hygienemängel für zunächst ein Jahr und die Überlegungen der Gemeinde, zusammen mit Brüggen ein interkommunales Freizeitbad auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Brimges zu errichten, haben vor allem in Alt-Niederkrüchten Widerstand provoziert. Der Niederkrüchtener Dirk Zilz startete gar eine Online-Petition zur Rettung des Freibades. Sein Konzept sieht ein Kombibad mit Freibecken und einem kleinen, ganzjährig geöffneten Hallenbad am alten Standort vor. Die Petition hatte bis Freitagmittag rund 4900 Unterstützer, davon knapp 2600 aus der Gemeinde.

Zilz‘ Vorschlag hat es, das wurde beim Bürgerdialog deutlich, auf die politische Agenda geschafft. Wassong skizzierte drei Bäder-Szenarien, die in der politischen Diskussion in den Fachausschüssen und im Rat im September und Oktober zur Debatte stehen dürften. Das sind erstens das interkommunale Freizeitbad mit Brüggen, zweitens ein saniertes und modernisiertes Freibad mit einem zusätzlichen Hallenbad am alten Standort (das entspricht dem Zilz-Plan) oder drittens ein Neubau an einem anderen Platz, zum Beispiel neben der Realschule. „Es ist gut, dass unser Vorschlag ernsthaft betrachtet wird“, resümierte Zilz im Gespräch mit unserer Redaktion. „Aber wir müssen noch Überzeugungsarbeit leisten.“

Wassong räumte Versäumnisse ein, etwa in der Kommunikation der Freibad-Schließung. Mehrfach wurde auch kritisiert, wie es sein könne, dass die technische Infrastruktur des Freibades und auch des Hallenbades über Jahrzehnte derart vernachlässigt worden sei. Wassong, erst seit 2015 im Amt, kartete nicht nach und verzichtete auf Schuldzuweisungen. Aus den Fehlern der Vergangenheit müsse man lernen. „Wir brauchen eine langfristige Lösung“, betonte Wassong. Die sieht der Bürgermeister am ehesten in einem interkommunalen Bad mit überregionaler Strahlkraft – mit Freizeitbecken, Lehrschwimmbecken, Kleinkinderbecken und angeschlossenem Saunabereich. Entscheidend sei nämlich nicht die Frage der einmaligen Investitions-, sondern der langfristigen Folgekosten. Wassong brachte es auf diese Formel: „Je attraktiver das Bad, desto höher die Einnahmen, desto geringer die Betriebskosten.“

Die Entscheidung, auch das unterstrich Wassong, liegt aber nicht beim Bürgermeister, sondern beim Rat. Auf Bitten der Zuhörer äußerten sich Vertreter der beiden größten Fraktionen. Johannes Wahlenberg (CDU) und Ulrich Seeboth (SPD) machten deutlich, dass es noch keine Vorfestlegung gibt. Letztlich komme es darauf an, was sich die Gemeinde leisten könne.

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