Volksbühne Viersen probt fürs Mundart-Stück "En joe Partii"

Volksbühne Viersen : Ein Probenbesuch bei der Volksbühne

Endspurt bei der Volksbühne Viersen: Die letzten Proben für das neue Stück „En joe Partii" sind angelaufen. Aufgeführt wird nicht nur in Dülken, sondern auch in Kaldenkirchen. Dort findet am 29. März sogar die Premiere statt.

„Die Klingel ist nicht an“, ist ein Ruf hinter der Kulissenwand zu hören, die in Richtung des Publikums eine Wohnzimmerwand mit einer Tapete aus den frühen 1980er-Jahren samt einer weißen Tür darstellt. „Die Sicherung muss noch rein, dann funktioniert sie. Du kannst aber auch klopfen“, sagt Dieter Götzen, der bereits an einem Tisch mit aufgebautem Schachspiel Platz genommen hat und damit inmitten eines Chaos sitzt. Zeitungen und Prospekte – original aus den 80er Jahren – liegen auf dem Boden. Auf dem Sideboard steht eine geöffnete Dose Ravioli, Socken parken auf der Anrichte und über dem Sessel geben sich ein Handtuch und ein Hemd ein Stelldichein. Alles sieht sehr verstaubt und unordentlich aus. Das empfohlene Klopfen ist zu hören. „Vater, ich bin’s, Lilo“, gibt es eine Stimme dazu. Die Ankündigung versetzt Götzen, der die Rolle von Karl Kowinski spielt, in rege Betriebsamkeit. Die Flasche Weinbrand verschwindet ebenso vom Tisch wie das Schachspiel. Das Fenster wird hektisch aufgerissen, dann steht Lilo alias Anke Bridonneau auch schon mitten im Wohnzimmer und kann nur den Kopf über das völlig verlotterte Zimmer schütteln. Die erste Szene von „En joe Partii“ ist angelaufen und bringt sowohl Waltraud Reimelt als auch Ursel Bellen zum Schmunzeln. Die Regisseurin und Souffleuse, die in der ersten Reihe direkt vor dem Bühnenbild sitzen, kennen die Szene zwar von unzähligen Proben auswendig, aber das hervorragende Format, mit dem Götzen und Bridonneau Vater und Tochter spielen, die beide etwas andere Ansichten darüber haben, wie man leben sollte, begeistert immer wieder aufs Neue.

Derzeit läuft der Endspurt der Proben in den Dülkener Räumlichkeiten: Die Volksbühne Viersen steht mit ihrem neuen Stück „En joe Partii“ kurz vor der Premiere. Die Erstaufführung findet allerdings nicht im eigenen Haus in Dülken statt, sondern im Hotel „Zur Mühle“ in Kaldenkirchen. „Wir spielen dort jetzt zum zweiten Mal, weil die Räumlichkeiten einfach größer sind als in unseren eigenen vier Wänden“, erklärt Reinelt.

In Dülken geht es zwar kleiner zu, aber dafür hat der Besucher das Gefühl, mittendrin zu sitzen. Er kann das Geschehen auf der Bühne nahezu hautnah erleben. Auf der Bühne hat der Schlagabtausch auf Viersener Platt inzwischen seinen Höhepunkt erreicht. Kowinski will seine Tochter rauschmeißen, weil die ihm eine neue Haushälterin andienen will. Doch alles ist zu spät. Das neue Modell für die Haushaltsführung steht schon vor der Türe. Die resolute und nicht aus der Ruhe zu bringende Helene Holtfreter, gespielt  von  Marlies Sommer, tritt  ein.

„Habt ihr das Haus direkt gefunden?“, muss Bellen einmal kurz soufflieren, dann geht es auch schon weiter. Mimik und Gestik sitzen perfekt, und auch textlich bleibt es bei dem einzigen kurzen Souffleuse-Einsatz. Der Viersener Dialekt ist dabei gut verständlich, auch für diejenigen, die im Bereich der Mundart nicht sattelfest sind. Die Komödie in drei Akten von Stefan Vögel hat Hilde Götzen ins Vierscher Platt übersetzt.

Die verlotterte Wohnung, der knurrige Kowinski, sein stoischer Freund Walter (Stefan Holzapfel), der einmal in der Woche zum Schach spielen kommt, die besorgte Tochter, die neue Haushältern, die jede Menge Tricks betreffend den Umgang mit muffeligen Männern in petto hat, als auch die beiden von Kowinski bereits vergraulten Modelle, die von Marion Hormanns und Gabi Koepp gespielt werden – allein schon die Proben von „En joe Partii“ lassen die Lachtränchen kullern. 

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