Volksbühne Viersen probt für neues Stück Messe-Diener

Theater in Viersen : Volksbühne sorgt für Chaos und Komik

„Messe-Diener“ heißt das neue Stück der Volksbühne Viersen. Die Komödie sorgt schon bei den Proben für herzliche Lacher und beste Stimmung. Die Premiere am 31. Dezember ist bereits ausverkauft.

Das Licht der Bühnenbeleuchtung fällt auf zwei getrennt stehende Betten mit Kopfteil und Nachttischchen mit diversen Gegenständen, vom Buch über den Wecker bis hin zum Nasenspray. „Wir müssen das Bühnenbild noch richten“, bemerkt Barbara Sahl-Viergutz. Mit ihrem Sohn Jan Viergutz beginnt sie, aus dem linken Bett mit zerknuddeltem Bettzeug ein perfekt gemachtes mit stramm gezogener Decke und exakt mittig gelegtem Kissen zu machen. Das rechte Bett indes bleibt in seinem unordentlichen Zustand. Es sieht so aus, als wäre gerade jemand aus der Schlafstätte geklettert und hätte alles so liegen gelassen. Während die beiden bei der Arbeit sind, öffnet sich immer wieder die Tür vom Haus der Volksbühne Viersen. Denn jetzt wird für die Aufführung des nächsten Stückes geprobt.

Am 31. Dezember, 21 Uhr, feiert die Komödie „Messe-Diener“ der Volksbühne Viersen in Dülken Premiere, für den Abend gibt es bereits keine Karten mehr. Sechs weitere Aufführungen folgen. „Messe-Diener“ ist ein Stück aus der Feder von Frank Pinkus und Nick Walsh.

„Da kommt unser Text“, begrüßt Anke Bridonneau Waldtraut Reinelt, die als Souffleuse in den Einsatz geht. „Du brauchst mich doch gar nicht“, bemerkt Reinelt lachend, während sie neben dem Mischpult für Licht und Ton Platz nimmt und ihr Skript auspackt. Sebastian Holzapfel, der mit den Worten „Ich bin so fertig“ hereingekommen und sofort hinter der Bühne verschwunden ist, um sich in das Outfit von Stefan Heymann zu werfen, dessen Rolle er spielt, erntet laute Lacher. Der Satz ist ein Running-Gag, denn er gehört zum Dialog des Stückes.

Bei Sebastian Holzapfel weichen Jeans und Pullover einer Stoffhose und einem weißen Hemd. Viergutz, der die Rolle von Ulf Hamacher spielt, steckt schon in seinem Anzug, indes Stefan Holzapfel als Michael Simon in seinen Alltagsachen bleiben kann. „Wir starten mit Szene drei“, gibt Sahl-Viergutz vor, die die Regie innehat. Das Licht im Saal erlischt. Alles konzentriert sich auf die beleuchtete Bühne, wo Simon den Hörer des Hoteltelefons am Ohr hängen hat. Dass er mit der Polizei spricht und es um sein geklautes Cabrio samt pinkfarbenem Sarg geht, wird schnell klar. Kaum ist das Gespräch beendet, klingelt das Telefon erneut. Diesmal muss er sich mit der Frau seines Hotelzimmer-Mitnutzers und dessen Kindern herumschlagen – witzige Momente, als er mit Piepsstimme „Klein Belinda“ verkündet, dass der Papi nicht da ist, und der Frau mit Donnerstimme mehrmals erklärt, dass sich ihr Mann noch auf der Messe befindet, was sie eindeutig nicht zu glauben beabsichtigt. Auch das dritte Telefonat mit seiner Freundin ist nicht von Glück geprägt und endet mit einem auf die Gabel geknallten Hörer. Regisseurin und Souffleuse können das Lachen kaum unterdrücken.

Stefan Holzapfel kommt in seiner Rolle bestens rüber. Er lebt den genervten Simon regelrecht. Indes geht die Hotelzimmertür auf. Ein stöhnender und kaum des Gehens mächtiger Heymann wankt, gestützt von Hamacher, ins Zimmer. Der berühmte Satz „Ich bin so fertig“ kommt gleich mehrmals von seinen Lippen, als er völlig erschöpft auf sein Bett sinkt, aber zugleich in Richtung Simon biestig nachfragt, ob er etwa schon wieder geraucht habe.

Schnell wird die gesamte Situation klar. Heymann und Simon sind Messekollegen, die ein Sargunternehmen vertreten. Aufgrund einer Hotelüberbuchung müssen sie sich ein Zimmer teilen, was bei dem ordentlichen und braven Heymann in Kombination mit dem chaotischen Simon unweigerlich zu Problemen führt. Zudem ist da noch der Messestandnachbar Hamacher, der einen Versandhandel für Bestattungsartikel betreibt und mit der Bestellung der Hostess Martina Bartels – in die Rolle schlüpft Bridonneau – für weiteres Konfliktmaterial sorgt.

Simon und Heymann, die sich in einer Szene in Lügen und Ausflüchten verstricken, eine ungläubig dreinschauende Bartels – der Schlagabtausch ist grandios. Die Zuschauer dürfen sich auf unterhaltsame Aufführungen freuen.

(tref)