Viersens Stadtförster zieht erschreckende Schaden-Bilanz für die Bäume

Investitionen in Viersen nötig : Förster zieht erschreckende Schaden-Bilanz

Orkantief Friederike traf Viersen im Januar 2018 hart. Aber auch Dürre und Borkenkäfer setzen dem Baumbestand zu. Doch im Etat 2019 gibt es dafür nur 5000 Euro.

Rund 3000 Festmeter Fichte und etwa 1000 Festmeter Laubholz hat Orkantief Friederike vor etwas mehr als einem Jahr in Viersen umgeworfen. Die gesamte betroffene Fläche ist 15 Hektar groß – das entspricht 20 Fußballfeldern. Das ist die Bilanz, die Stadtförster Rainer Kammann in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bauen, Umwelt- und Klimaschutz vorstellte.

Der Sturm hatte Teile Europas hart getroffen. Zehn Menschen starben, der Sachschaden betrug knapp eine Milliarde Euro. Auch im Kreis Viersen gab es Schäden: Zu 410 Sturm-Einsätzen im Kreisgebiet wurde die Feuerwehr am 18. Januar 2018 gerufen, 600 Notrufe gingen in der Leitstelle ein. Bäume waren auf Straßen und Hausdächer gestürzt, der Kletterpark auf den Süchtelner Höhen war verwüstet. Erst Ende des Sommers waren die Flächen im Viersener Stadtgebiet mit Spezialmaschinen wieder so weit hergestellt, dass sie bereit für eine Wiederaufforstung waren.

Anfang des Monats haben Viersener in einer Bürgeraktion rund 1000 Pflanzen im Wildgehege gesetzt, bis Ende März soll diese erste Aktion mit der Pflanzung von rund 17.000 Bäumen abgeschlossen sein. Insgesamt besteht laut Kammann ein Bedarf von etwa 50.000 Forstpflanzen – und das ist erst der Anfang. Denn auch der Rekordsommer 2018 und der Borkenkäfer setzen dem Viersener Baumbestand zu: Massiver Wassermangel durch wochenlang ausbleibende Niederschläge und die hohen Temperaturen im Jahr 2018 haben laut Kammann nicht nur den Baumbestand noch weiter geschwächt, sondern auch Buchdruckern und Kupferstechern optimale Bedingungen zur Vermehrung geschaffen. Dadurch seien in Viersen aktuell rund 700 Festmeter Käferholz angefallen. „Eine Zunahme ist im Frühjahr zu befürchten“, so Kammann.

Dadurch würden die bisherigen Sturmschäden größer, teilweise seien in den bisher unbeschädigten Beständen neue Lücken entstanden. Kammann: „Es fallen erneut Vorbereitungs- und zusätzliche Wiederaufforstungsarbeiten an.“ Dabei stünden aufgrund der Einsparbeschlüsse zum Haushalt 2019 für Baumpflanzungen lediglich 5000 Euro jährlich zur Verfügung.

Rainer Kammann mahnte: „Die Auswirkungen, insbesondere von Friederike, aber genauso von Dürre und Borkenkäfern, erscheinen nicht mehr akut und vielen auch nicht mehr präsent. Aber sie haben einen wesentlichen Teil unserer Stadt deutlich verändert. Die Auswirkungen, Folgen und Konsequenzen bleiben hochaktuell – und das für viele Jahrzehnte.“

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