Viersener Zonta-Frauen organisieren Handtaschen-Börse

Benefiz-Aktion in Viersen : 1200 Taschen suchen neue Besitzer

Die kleine schwarze Satteltasche mit dem goldenen Designer-Emblem hat vermutlich schon ein paar Einsätze gehabt. Bei schicken Abendessen etwa, Opernbesuchen oder Silvesterpartys. Dann war sie bestimmt zuverlässig an der Seite ihrer Besitzerin, hat sie mit Lippenstift, Taschentüchern und Pfefferminzdrops versorgt.

Doch jetzt hat sie ausgedient. Ihre Besitzerin hat sich von ihr getrennt, sie den Mitgliedern des Zonta-Clubs Viersen überlassen. Lange wird die kleine Begleiterin aber wohl nicht alleine bleiben: Schon am kommenden Samstag könnte sie bei der zweiten Taschenbörse des Zonta-Clubs eine neue Besitzerin finden. Insgesamt rund 1200 gespendete Taschen bieten die Frauen in einem sonst leerstehenden Ladenlokal an der Hauptstraße 68 in Viersen an.

Die Idee zur Viersener Taschenbörse hatte Vorstandsmitglied Gabriele Schmitt. „Ich habe das Konzept bei einem anderen Zonta-Club in Frankreich kennengelernt und war total begeistert“, sagt sie. Die Aktion soll einem guten Zweck dienen: Mit dem Verkaufserlös möchte der Zonta-Club Frauenprojekte in der Region unterstützen. Welche es diesmal sein sollen, stehe noch nicht fest, sagt Schmitt. Im vergangenen Jahr spendete der Verein an ein Frauenhaus, Näheres möchte Schmitt nicht dazu sagen, „um die Anonymität des Hauses zu wahren“.

Bis zum 20. Oktober konnten Taschenbesitzer ausrangierte Exemplare in sechs Geschäften im Stadtgebiet abgeben. Dort holten Zonta-Mitglieder kartonweise die gespendeten Handtaschen ab und deponierten sie in einem Lagerraum, der an Schmitts Damenmodengeschäft grenzt. „Die Spendenbereitschaft war unheimlich groß“, sagt Schmitt. „Mit so viel Unterstützung hatten wir gar nicht gerechnet.“ Sechs bis acht Zonta-Mitglieder rund um Schmitt bildeten einen „Taschenvorstand“: Sie treffen sich, kontrollieren, ob die Taschen intakt sind, entfernen wenn nötig vergessene Gegenstände wie Rosenkränze, Lippenstifte, D-Mark und Kugelschreiber. Natürlich wird auch beratschlagt, wie viel die einzelnen Stücke kosten sollen. „Wir haben viele Modelle, die wir für zwei bis fünf Euro anbieten“, erzählt Schmitt. „Wir haben aber auch ein paar Designer-Teile für 50 bis 70 Euro.“

Im Lagerraum stehen bereits rund 20 Kleiderständer, dicht behängt mit hunderten schwarzen Plastikbügeln – an jedem baumelt eine Handtasche, versehen mit einem Preisetikett. Sieben Kartons warten noch darauf, ausgepackt zu werden. „Das ist jedes Mal eine Überraschung“, sagt Schmitt. Clutches und Abendtäschchen, Henkeltaschen aus Kroko- oder Straußenleder, Retro-Modelle aber auch aktuelle Ware habe sie schon aus den Kartons gezogen. Selbst Portmonees waren dabei. „Die Aktion ist mit viel Arbeit verbunden, aber es macht auch viel Spaß“, sagt Schmitt.

Am 1. November möchte der Taschenvorstand die komplett bestückten Kleiderständer in das Ladenlokal an der Hauptstraße 68 rollen und den Verkaufsraum herrichten. Geöffnet hat die Taschenbörse dann während des Martinsmarkts am 3. und 4. November. „Im vergangenen Jahr hatten wir 1400 Taschen und haben locker 1000 verkauft“, erzählt Schmitt. „Die Stimmung war super, die Taschenbörse war ein großer Erfolg.“ Zeitweise hätten eigens engagierte Security-Mitarbeiter dafür sorgen müssen, dass es im Laden nicht zu voll wird – so groß sei der Andrang gewesen. Auch diesmal setzen die Zonta-Mitglieder vorsorglich auf Sicherheitspersonal. Und wer weiß: Vielleicht schaut auch die ehemalige Besitzerin der kleinen schwarzen Satteltasche bei den Zonta-Frauen vorbei, um sich Ersatz zu besorgen.

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