Viersen: Viersener Verkehrschaos

Viersen: Viersener Verkehrschaos

Tempo 30 auf der Großen Bruchstraße: Diesen Vorschlag machte ein von der Stadt beauftragtes Planungsunternehmen den Anwohnern. Die waren begeistert. Trotzdem kommen die Schilder vorerst nicht.

Schilda lässt grüßen: Ein Düsseldorfer Planungsbüro hat im Auftrag der Stadtverwaltung die Verkehrsströme der Südstadt untersucht. Ein Ergebnis der Experten: Auf der Großen Bruchstraße – auf der derzeit täglich rund 8000 Fahrzeuge unterwegs sind – würde eine Tempo-30-Zone die Verkehrsbelastung erheblich reduzieren. Die Anwohner waren von der Maßnahme begeistert.

Auch die Stadtmitarbeiter nahmen die Überlegung dankbar auf – und verarbeitete sie mit weiteren Vorschlägen in einer Vorlage für den Ordnungs- und Straßenverkehrsausschuss. Doch wenige Stunden vor der offiziellen Verabschiedung durch die Politik zog die Verwaltung ihr mehrseitiges Papier wieder zurück. Nach RP-Informationen soll die Polizei auf die "überörtliche Bedeutung" der Großen Bruchstraße hingewiesen und erklärt haben, dass eine Tempo-30-Zone zwischen Freiheitsstraße und Gereonsplatz nicht zulässig sei. Außerdem war von einem "Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung" und möglichen "Regressforderungen" die Rede gewesen.

Viele Bewohner der Südstadt sind über dieses Ergebnis schockiert. Bereits im August 2007 hatten sie den Bürgermeister wegen verkehrsreduzierender Maßnahmen im Bereich Große Bruchstraße/Gladbacher Straße angeschrieben, da sich die Fertigstellung des fehlenden Teilstücks des inneren Erschließungsrings immer weiter verzögert. Dabei sind sich die Planer einig: Erst durch den sogenannten St.-Josefs-Ring wird der (Verkehrs-)Lärm in der Südstadt erheblich eingeschränkt. Die langjährige Bitte der Bürger: Bis zu diesem Zeitpunkt sollten verkehrslenkende Maßnahmen die Belastung für die Menschen verringert und das Wohnen im Quartier verbessern.

  • Viersen : Diskussion um Große Bruchstraße

Mit dieser Vorgabe war auch das Planungsbüro aus der Landeshauptstadt im vergangenen Herbst an die Arbeit gegangen. So wurde unter anderem über (technische) Veränderungen der Ampelanlage an der Kreuzung Ernst-Moritz-Arndt-Straße/Freiheitsstraße nachgedacht, um dem derzeitigen Durchgangsverkehr eine attraktivere Alternative um die Südstadt anzubieten. Sämtliche Lösungsvorschläge stellten die Experten den Bürgern im "Arbeitskreis Verkehr" des Südstadtbüros vor und leiteten die Ergebnisse an die Verwaltung weiter.

Nach dem jüngsten Planungsstopp stellen sich nicht nur für die Bürger der Südstadt Fragen: Was bezahlt die Stadt für ein Gutachten mit Vorschlägen für eine Verkehrsregelung, die nicht gesetzeskonform ist? Und: Ist das ein Einzelfall oder ein Alltagsproblem? Nach Informationen der RP arbeitet die Verwaltung inzwischen an einer neuen Vorlage. Auch in der wird über eine Tempo-30-Regelung für die Große Bruchstraße nachgedacht. Es könnte eine Ausnahmeregel mit Blick auf die Schadstoffbelastung greifen.

(RP)