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Viersener sollen über Sport diskutieren

Neuer Sportntwicklungsplan für Viersen : Fitness im öffentlichen Raum

Bei Sporthallen und Sportplätze ist die Stadt gut aufgestellt. Doch damit wollen sich Politik und Verwaltung nicht zufrieden geben. Ab Ende September sollen in Workshops Ideen für ein „Bewegtes Viersen“ gesammelt werden.

Jetzt, wo die die Modernisierung des Stadions am Hohen Busch kurz bevorsteht, hat die Sportverwaltung noch zwei Projekte auf der To-do-Liste. Der alte Kunstrasenplatz am Hohen Busch und die hauptsächlich schulisch genutzte Sportanlage an der Brandenburger Straße in Dülken sollen perspektivisch auf Vordermann gebracht werden, dann sieht sich die Stadt in Sachen Sportstätten exzellent aufgestellt.

Doch mit Blick auf den demografischen Wandel und weitere gesellschaftliche Veränderungen wie etwa fortschreitende Individualisierung und geändertes Freizeitverhalten will sich die Stadtverwaltung nicht auf dem Erreichten ausruhen. Sie arbeitet unter dem Titel „Bewegtes Viersen“ an einem Rahmenplan für die Sportentwicklung. Dabei sollen alle relevanten Gruppen inklusive interessierter Bürger eingebunden werden. In mehreren Workshops sollen ab Donnerstag, 27. September, Ideen gesammelt werden, wie sich die Stadt Viersen bei den Themen Sport und Bewegung fit für die Zukunft machen soll.

„Wir haben in den vergangenen Jahren keine Hallen geschlossen, auch wenn wir Schulen aufgegeben haben. Wir investieren in deren Erhalt und haben seit 2012 unter großer finanzieller Beteiligung der Sportvereine etwa 6,5 Millionen Euro für die Modernisierung offener Sportstätten ausgegeben“, erklärt Sportdezernent Paul Schrömbges. „Doch die Frage ist, ob das genug ist?“

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Dass die Antwort auf diese Frage innerhalb der Stadtverwaltung negativ ausgefallen ist, lässt sich daraus schließen, dass es jetzt die Initiative „Bewegtes Viersen“ gibt. Die Grundlagen dazu wurden schon vor etwas mehr als zwei Jahren gelegt, als Stefan Eckl vom Stuttgarter Institut für kooperative Planung und Sportentwicklung im Sportausschuss einen Vortrag zu der Thematik hielt. „Das hat uns stark motiviert, das Thema anzugehen“, erinnert sich Paul Schrömbges.

So kann es auch nicht verwundern, dass Stefan Eckl und sein Team den Auftrag erhalten haben, den Rahmenplan zur Viersener Sportentwicklung zu erstellen. Dabei geht es um Aspekte wie die Freizeit- und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum sowie attraktivere Stadtviertel. Schließlich treiben immer mehr Menschen auch ohne Vereinsmitgliedschaft Sport. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene, die über neue Trends zum Sport kommen, fremdeln oftmals mit den traditionellen Strukturen. Auch die Frage, wie Sportstätten gestaltet sein müssen, um den Ansprüchen des Schul- und Vereinssports besser zu entsprechen, aber auch um eventuell jedem Sportinteressierten ohne Vereinszugehörigkeit zur Verfügung zu stehen, soll betrachtet werden.

Die Vernetzung der örtlichen Beteiligten soll ebenso angegangen werden wie die Belebung bestimmter Wohnquartiere. Natürlich spielt auch das Thema Gesundheitsvorsorge in einer immer älter werdenden Gesellschaft eine Rolle.

Dass breite Spektrum der Fragestellungen macht deutlich, dass „Bewegtes Viersen“ nicht alleine von den Sportfachleuten in der Verwaltung umgesetzt werden kann. So wurde schon ziemlich bald der Fachbereich Stadtentwicklung hinzugezogen. Dessen Leiter Harald Droste beschreibt, welche Herausforderung sich stellen: „Die Verdichtung in der Stadt hat es im Vergleich zu früher immer schwerer gemacht, informell Sport zu treiben. Wir müssen auf Plätzen und Flächen Angebote schaffen, auf denen Sport und Bewegung möglich sind.“ Die Schwierigkeit bei solchen Planungen ist, dass viele Interessen unter einen Hut gebracht werden müssen. Wenn es um Straßen geht, spielt zum Beispiel der Verkehr eine Rolle, auf Plätzen könnten Marktstände ein Hindernis sein. „Das müssen wir dann in Einklang bringen“, betont Droste.

Dass das nicht unmöglich ist, zeigt sich daran, dass sich schon einige Städte in Deutschland auf einen ähnlichen Weg gemacht haben. Ganz in der Nähe zum Beispiel die Städte Neuss und Moers, die auch mit dem Stuttgarter Institut für kooperative Planung und Sportentwicklung zusammenarbeiten. Oder aber die Aktion der Dietmar-Hopp-Stiftung, die in 19 Kommunen der Metropolregion Rhein-Neckar generationsübergreifende Bewegungs- und Begegnungsanlagen für rund 45 Millionen Euro errichten ließ. In welche Richtung es in Viersen geht, soll unter Beteiligung möglichst breiter Bevölkerungsschichten entschieden werden. Zu den Workshops sind 180 Einladungen verschickt worden, an Sportvereine, Sportverbände, Schulen, Bewegungskindergärten und Lokalpolitiker. „Ganz wichtig ist aber, dass es sich um einen offenen Prozess handelt. Jeder kann sich an den Workshops beteiligen, auch ohne Einladung“, betont Schrömbges. „Wir wissen selbst nicht, was herauskommt. Aber das macht die Sache ja so spannend.“ Nach dem Abschluss-Workshop am Dienstag, 27. November, wird das Institut aus Stuttgart zügig konkrete Vorschläge erarbeiten.