Viersen: Viersener Pirat segelt in den Landtag

Viersen: Viersener Pirat segelt in den Landtag

Er bezeichnet sich als "Politiker aus Notwehr". Nico Kern sitzt seit heute für die Piratenpartei im Düsseldorfer Landtag. Mit Listenplatz sieben war der Einzug ins Parlament nicht ganz so überraschend für den Viersener. "Dennoch habe ich den Umfragen etwas misstraut – ich war schon erleichtert, dass die Ergebnisse für uns so fantastisch ausgefallen sind", erklärt er.

Er bezeichnet sich als "Politiker aus Notwehr". Nico Kern sitzt seit heute für die Piratenpartei im Düsseldorfer Landtag. Mit Listenplatz sieben war der Einzug ins Parlament nicht ganz so überraschend für den Viersener. "Dennoch habe ich den Umfragen etwas misstraut — ich war schon erleichtert, dass die Ergebnisse für uns so fantastisch ausgefallen sind", erklärt er.

Nico Kern ist Vorsitzender Richter im Landesschiedsgericht NRW. Der 39 Jahre alte Jurist ist vor drei Jahren bei den Piraten eingetreten. Er ist "gegen Klüngelei" und für Transparenz und Bürgerbeteiligung. Diese Schlagworte sind bei den Polit-Neulingen gerade in aller Munde. Per Smartphone, das als eines der wichtigsten Kommunikations-Instrument der Piraten gilt, bekam Nico Kern von seinen Parteifreunden am Wahltag immer die aktuellen Zahlen aus dem Viersener Kreishaus geschickt. Dass die Ergebnisse für Viersen auch so positiv ausfallen würden, damit hat der frisch gebacknene Landtagspolitiker jedoch nicht gerechnet: "Wir sind teilweise im Kreis Viersen vor den Grünen und der FDP gewesen — was wir da erreicht haben, ist unglaublich", erklärt der Jurist und ergänzt: "Das ist eigentlich nicht unser typisches Wählerklientel hier — Viersen ist nicht Berlin."

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Mit den Piraten wird künftig im Düsseldorfer Landtag auch ein anderes Vokabular einziehen. Und auch die Methoden der Piratenpartei sind völlig anders. Sie arbeiten mit Liquid Feedback (die Abstimmungsplattform der Partei im Internet) und einem Piratenwiki. Politik klingt bei ihnen wie ein Kinderspiel. Doch Kern warnt: "Wir haben jetzt viele Vorschusslorbeeren bekommen, jetzt müssen wir liefern und mit dem Erwartungsdruck klar kommen." Doch im ersten Schritt geht es für die Piraten im Landtag nun um die Grundlagen. "Wir müssen uns erst einmal organisieren — Mitarbeiter einstellen und uns um grundlegende Sachen kümmern — das haben die anderen Parteien uns voraus. Mit Schnellschüssen ist dem Wähler jetzt nicht gedient", erklärt Nico Kern.

Auf der Liste für die zukünftigen Pläne steht für Kern ganz oben als wichtigstes Instrument der Partei die Weiterentwicklung des Liquid-Feedback, mit dem Gesetzesvorschläge gemacht und abgestimmt werden können — von der Basis. "Wir sind jetzt in einem Politik-Labor. Das ist alles ein großes Expermiment — das ist doch spannend für alle", so der überzeugte Pirat.

(RP/areh)
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