Viersen: Zwei Viersener entwickeln Einbruchschutz

Halterung für Fenster : Viersener entwickeln Einbruchschutz

Zwei Viersener möchten mit dem „Sperrzapfen für Kippfenster“ Häuser und Wohnungen sicherer machen. Einen Prototypen, ein verkaufsfertiges Exemplar und ein Gebrauchsmuster beim Patentamt haben sie schon.

Der Viersener Günter Bongartz und der Wahl-Viersener Wolfgang Kienzle wollen so viele Wohnungseinbrecher wie möglich um Erfolgserlebnisse bringen. Die beiden haben ein Sicherheitssystem für Kippfenster entwickelt, das ohne Strom funktioniert und fest in der Wand verankert wird. „Das ist ganz simpel“, sagt Bongartz, der mittlerweile beim Deutschen Patent- und Markenamt Inhaber des Gebrauchsmusters „Sperrzapfen für Kippfenster“ ist. Noch gibt es erst einen Prototypen und ein verkaufsfertiges Exemplar zu Demonstrationszwecken. Aber: „Wir wären in der Lage, 100 bis 200 pro Woche zu produzieren“, sagt Kienzle.

Im vergangenen Jahr hat die Polizei im Kreis Viersen 287 Wohnungseinbrüche verzeichnet, außerdem 238 Einbruchsversuche. „Man liest jede Woche in der Zeitung, dass irgendwo eingebrochen wurde“, sagt Bongartz. Als bei ihm vor drei Jahren eine Urlaubsreise anstand, hatte der 77-Jährige die Idee, vorsorglich eins der Erdgeschossfenster am Haus von innen zu sichern. „Ich bohrte neben dem Fenster ein Loch in die Wand, steckte eine Eisenstange rein und schob sie ein Stück vor die Scheibe.“ Hätte ein Einbrecher von außen versucht, das Fenster aufzuhebeln, hätte die Stange das als Blockade verhindern sollen. Von seiner Konstruktion erzählte er Kienzle, der von ihm ein Haus gemietet hat, beim Kaffeetrinken. So begann die Zusammenarbeit.

Für Kienzle war sofort klar, dass sich Bongartz’ Idee ausbauen ließe. Statt einer Eisenstange wollte er als Blockade ein System mit Druckfeder benutzen. Er lötete, schnitt Kupferrohre zurecht, zweckentfremdete eine Druckfeder aus einem Schrank – „über Nacht war der Prototyp fertig“, erzählt der gebürtige Baden-Württemberger. „Er ist komplett aus eigener Fantasie entstanden.“ Von einem Fachbetrieb ließen die beiden ein Exemplar herstellen, das Kienzle an ein Modell-Fenster montierte. „Wir haben jetzt einen Sperrzapfen aus Edelstahl, der über eine Federung in eine Hülse im Mauerwerk gedrückt wird“, erklärt er. Soll das Fenster von innen gesichert werden, zieht der Hausbewohner den Zapfen ein Stück aus der Hülse, auf den Fensterrahmen oder die Scheibe. So lässt es sich nicht mehr kippen. Möchte er das Fenster entriegeln, drückt er den Zapfen mit dem Finger zurück in die Hülse.

Mit Türen und Fenstern habe er sonst nicht viel am Hut, sagt Kienzle, der als Haustechniker im Seniorenheim Haus Greefsgarten arbeitet. Auch Rentner Bongartz ist kein Einbruchschutz-Experte: Er war Software-Berater in größeren Firmen, später Geschäftsführer eines Unternehmens. Beide können sich vorstellen, gemeinsam zukünftig im größeren Stil ihre „Sperrzapfen für Kippfenster“ zu vertreiben. Den Preis haben sie noch nicht festgesetzt, die Kosten für einen Rohling lägen derzeit bei 50 Euro, sagt Kienzle. „Wir sind jetzt erst mal in der Vorstellphase“, ergänzt Bongartz. Auf der Immobilienmesse in Viersen möchten die beiden ihr System demonstrieren, kommende Woche wollen sie es den Gästen einer Veranstaltung der Caritas zeigen.

Auch mit der Viersener Polizei haben die Tüftler Kontakt aufgenommen, Uwe Dethlefsen und Torsten Janssen haben sich ihre Erfindung angesehen. „Das Prinzip ist gut, aber es muss noch ein bisschen daran gefeilt werden“, sagt Kriminalhauptkommissar Dethlefsen. Vor einigen Jahren sei eine ähnliche Vorrichtung auf dem Markt gewesen, die gebe es aber nicht mehr. Bongartz’ und Kienzles Sperrzapfen müsse noch eine Widerstandsprüfung bestehen, rät er. Außerdem sollte er möglichst mit einem Schloss versehen werden. „Zehn Prozent der Einbrecher versuchen es über das Glas“, erläutert Dethlefsen: Schlagen sie an einer Stelle die Scheibe ein, sollte es ihnen nicht möglich sein, den Zapfen mit einem Fingerdruck in der Wand zu versenken.

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