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Viersen: Wie die angehenden Pfleger lernen

Ausbildung in Viersen : Wie die angehenden Pfleger lernen

Sie werden gebraucht, dürfen aber gerade in Viersen die Schule nicht besuchen. Wie der Unterricht für die angehenden Pflegefachkräfte aus dem Kreis und Mönchengladbach in der Corona-Krise trotzdem klappt.

Wo sonst das Hintergrundrauschen emsiger Schüler zu hören ist, herrscht Stille im Klassenzimmer. Leise surrt der Lüfter des Computers von Annette Wienen-Beigel. Sie ist allein im Raum. Die 54-Jährige unterrichtet in der Pflegeschule VfA auf dem früheren Feldmühle-Gelände an der Gladbacher Straße in Viersen angehende Pflegefachkräfte, per Videoschalte.

Es ist ein bisschen die Katze, die sich selbst in den Schwanz beißt. Die gerade in der Corona-Krise dringend benötigten angehenden Pflegekräfte dürfen ihre  Schule nicht besuchen – wegen Corona. In der Pflegeschule an der Gladbacher Straße haben sie versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Statt einem achteinhalbwöchigen Grundlagen-Kursus wurde umgeschichtet. „Wir vermitteln jetzt zunächst innerhalb von zehn Tagen das Wichtigste zur Hygiene, danach geht’s für unsere Schüler vier Wochen lang in die Einrichtungen“, erklärt Wienen-Beigel, die die Schule leitet.

Rund 150 Schüler hat die Bildungseinrichtung, die für den theoretischen Teil der Ausbildung zuständig ist. „Wir arbeiten mit Altenheimen und ambulanten Hilfsdiensten zusammen“, berichtet die Schulleiterin. So kommen beispielsweise fünf Schüler vom Marienheim in Nettetal-Hinsbeck, die dort ihre Ausbildung angefangen haben.

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Der Fernunterricht via Computer sei ungewohnt, „aber mit jedem Mal wird’s leichter“, sagt Wienen-Beigel. Nicht alle Schüler des neuen Kursus hat sie im Blick – manche haben zu Hause keine Webcam. Für sie ist es nicht die einzige Neuerung: Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Pflegefachmann, zur Pflegefachfrau. Sie ersetzt jetzt die bisherige Ausbildung zum Altenpfleger.

Insgesamt acht Klassen hat die Schule, etwa die Hälfte der Schüler kommt aus Viersen und den Kommunen des Westkreises, die andere Hälfte aus Mönchengladbach und Rheydt. Sechs Klassen machen noch die dreijährigen Altenpflegekurse zu Ende, eine Klasse absolviert derzeit die einjährige Ausbildung zum Altenpflegehelfer – und dann gibt’s die neuen Schüler, die die neue Ausbildung zum Pflegefachmann machen. Knapp 30 Frauen und Männer sind es.

„Die Klasse ist ganz bunt gemischt“, berichtet Wienen-Beigel. Der jüngste Schüler ist 16 Jahre alt, die älteste Teilnehmerin 50 Jahre alt. „Wir haben Mutter und Tochter im Kursus, insgesamt ist die Klasse sehr international mit türkischstämmigen Schülern, aber auch Teilnehmern aus Syrien und Afghanistan.“ Die Arbeitsagentur fördert die Umschulung oder Weiterqualifizierung zur Pflegefachkraft. „Im ersten Ausbildungsjahr verdienen die Schüler 1100 Euro“, berichtet Wienen-Beigel.

Dann öffnet sich die Tür, eine Kollegin übernimmt den Unterricht. Auf den leeren Fluren der Schule hallt es. Kürzlich waren noch Schüler da. Sie durften kommen, um ihre Examensarbeiten zu schreiben. „Viel Erfolg!“ steht noch auf der Tafel. Darunter hat der Lehrer ein vierblättriges Kleeblatt gemalt. Wienen-Beigel: „Wer die Prüfung schafft, hat einen sicheren Job.“