Viersen: Ulle Krass aus Mönchengladbach stellt ab Sonntag in der Städtischen Galerie im Park aus.

Städtische Galerie in Viersen : Wie aus Staub, Rost und Pusteblumen Kunst entsteht

Ulle Krass aus Mönchengladbach stellt ab Sonntag in der Städtischen Galerie im Park aus. Unter dem Titel „Neu-Land“ zeigt sie Arbeiten, die sich mit der Vergänglichkeit befassen.

Was andere Menschen störend finden, betrachtet Ulle Krass mit anderen Augen. Aus dem lästigen Löwenzahn im Garten werden bei ihr zarte Gebilde. Staubflocken arrangiert sie zu bunten Bildern, und aus rostenden Eisenplatten stellt sie „Zeit-Drucke“ her. Ab Sonntag sind ihre Arbeiten in der Städtischen Galerie im Park in Viersen zu sehen.

„Neu-Land“ heißt der Titel der Ausstellung. Neuland hat auch Ulle Krass betreten. Vor 20 Jahren. „Damals hat sich mein Blick auf die Wirklichkeit verändert“, sagt die 61-Jährige, die Bildhauerei in Aachen studiert hat. „Damals waren meine Kinder klein. Kinder haben einen wunderbaren Blick. Sie sehen Dinge, die Erwachsene oft nicht mehr wahrnehmen“, erzählt Krass. Das habe ihren Blick geschärft.

Ulle Krass macht den Mispelbaum im Park zum Thema in der Ausstellung. Foto: Sabine Janssen

Und dann war da der britische Künstler Andy Goldsworthy. Er schafft mit Materialien aus der Natur vergängliche Werke wie eine Muschelspirale, die das Meer bei der Flut holt. „Das war für mich eine Initialzündung. Wir machen nichts für die Ewigkeit. Nichts bleibt, wie es ist“, sagt Krass. Massive Bronzestatuen hat sie hinter sich gelassen. Ihre heutigen Arbeiten beschäftigen sich mit der Schönheit des Vergänglichen. Etwa die Mohnblütenblätter, die sie in verschiedenen Stadien fotografiert, freigestellt und in Acylglas gefasst hat: Die knallig-rote Blüte macht den Anfang. Doch dann verblassen die Farben, bis nur noch eine zarte beigefarbene Struktur an die Sommerblume erinnert.

Oft findet Krass ihre Materialien in der Natur. Wie auch die Pusteblumen. Einen Stuhl hat sie mit den flauschigen Pflanzenköpfchen gepolstert; er wirkt wie ein Thron. Mit Haarnetzen hat sie die Blumen in einem alten Weinregal arrangiert; es wirft ein Licht- und Schattenspiel an die Wand. Immer spielt auch der Zufall in Krass’ Arbeiten eine Rolle.

Für die Ausstellung hat die Künstlerin dem Viersener Wahrzeichen, der Mispelblüte, einen Raum gewidmet: Im Park der Galerie entdeckte sie einen verkümmerten Mispelbaum unter einem großen Nadelbaum. Krass machte eine Foto wie eine Art Röntgenaufnahme, die nun in der Galerie hängt – mit einer Krankenliege und einer Infusionsvorrichtung. „Der Kranke kann kommen. Es ist ein Bild für den Baum und im weiteren Sinn für den Klimaschutz“, sagt Krass.

Ein Stück weiter auf dem Rasen des Parks hat Krass vor Wochen Eisenplatten in Blütenform auf den Rasen gelegt. Die Zeit, die Feuchtigkeit und der Rost „arbeiten“ hier an einer Blüte. Hier wäre ein neuer Platz für den Mispelbaum.

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