Viersen: Spaziergängerin findet 19 ausgesetzte Rattenbabys

Jungtiere in Schwalmtal: Spaziergängerin findet 19 ausgesetzte Rattenjunge

Eine Spaziergängerin hat an einem Feldweg in Waldniel 19 junge Ratten gefunden. Einer Tierschützerin zufolge hätten die Haustiere die Nacht nicht überlebt.

Als Amanda Derschang am Montagabend mit ihrem Hund auf einem Feldweg in der Nähe der Autobahnauffahrt der A52 in Richtung Roermond Gassi ging, entdeckte Labrador "Prinz" eine weiße Ratte. Die lief nicht weg, als die 29-Jährige näher kam, sondern kuschelte sich gleich in den Schal der Spaziergängerin. "Da habe ich gedacht, das ist bestimmt kein Wildtier", erzählt die Waldnielerin. Als sie nachsah, entdeckte sie in einem Gebüsch weitere Ratten, eng aneinander gekuschelt. Sofort informierte sie über das soziale Netzwerk Facebook über ihren Fund.

Tierschützer kamen und bargen die Tiere. Sie sind jetzt in Sicherheit bei Julia Schröter, die sich in der privaten Initiative "Notfallratten Rhein-Ruhr" engagiert. Die Ratten fressen gut und werden von Schröter und ihren Mitstreitern versorgt. Bei den Fundtieren handelt es sich um acht männliche und elf weibliche Tiere. Schröter schätzt, dass die jüngsten vier, die ältesten acht Monate alt sind.

Sie glaubt, dass die Jungtiere im Laufe des Tages ausgesetzt wurden. "Wenn sie nicht gefunden worden wären, hätten sie die Nacht nicht überlebt", sagt die Dülkenerin. Farbratten seien Haustiere, die anders als ihre wildlebenden Verwandten mit der Kälte nicht zurechtkämen. "Sie hatten Glück, weil sie sich aneinander gekuschelt haben", sagt Schröter.

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Sie päppelt die Tiere jetzt auf. "Alle sind unterernährt", berichtet Schröter. Eine Ratte habe eine Gebärmutterentzündung, einem anderen Tier müsse möglicherweise ein Teil des Schwanzes amputiert werden, weil Gewebe abgestorben sei. "Alle haben Katschen, doch das heilt", sagt die 25-Jährige. Schröter und ihre Mitstreiter wollen die Tiere wieder fit machen. "Wenn sie gesund sind und ein glänzendes Fell haben, werden wir sie vermitteln", erklärt die Tierschützerin. Sie engagiert sich seit fünf Jahren für die Rattennothilfe. "2013 hatten wir unsere erste Einfang-Aktion", erzählt Schröter. "Damals wurden 30 bis 40 Ratten gefunden, unter ihnen viele trächtige Tiere." Immer wieder würden Ratten ausgesetzt, doch so viele seien es selten: "Meist handelt es sich um Einzeltiere."

Für Schröter ist der Einsatz selbstverständlich: "Das ist eine Aufgabe. Wir sind schon lange im Tierschutz aktiv und haben auch Tierschutz-Hunde", erzählt die Dülkenerin. Sie will jetzt den kleinen Ratten zu einem liebevollen Zuhause verhelfen. Was sie an der Tätigkeit begeistert? "Das ist ein schönes Gefühl, wenn man sieht, wie die Tiere aufblühen", sagt Schröter. "Die Kleinen beißen nicht, sondern kommen neugierig heran. Und wenn man Brei hinstellt, sieht man, wie sie sich freuen."