Viersen: Shoppen im Theater-Kleiderschrank

Viersen: Shoppen im Theater-Kleiderschrank

Bei einem Kostümverkauf öffnete das Dülkener Orpheum zum ersten Mal seinen Fundus: Rund 350 Kostüme standen zum Verkauf. Manche Käufer suchten nach einem Kostüm für die Bühne, andere für den Karneval: Beides mit Erfolg

Kisten sind in riesigen Metallregalen gestapelt, zwischen Schuhen und Hüten ragen Geigenkoffer heraus. Eine Treppe führt weiter hoch zum Herzstück der Orpheums-Halle: Hinter einer schweren Tür stehen massenweise Kleiderständer, etwa 4000 Kostüme liegen und hängen hier. „König der Löwen“, „Starlight Express“, „Alice im Wunderland“: Beim Verkauf in der Lagerhalle in Mackenstein werden an diesem Tag Kostüme aus unterschiedlichen Aufführungen der Großen Karnevalsgesellschaft Orpheum 1869 Dülken angeboten, die das Orpheum nicht mehr benötigt. Auf etwa 350 Kostüme schätzt Werner Baulig die Auswahl. Seit drei Jahren ist er Kostümwart des Orpheums.

Die „Orpheumsbrüder“ im Karnevalsverein, wie sich die Mitglieder selbst nennen, bleiben nicht nur bei Büttenreden: Gesangs- und Theaterauftritte stehen übers ganze Jahr verteilt auf dem Programm, gespielt wird im Bürgerhaus. „Im echten Leben bin ich Polizeibeamter“, sagt Baulig. Mit 14 Jahren sei er zum ersten Mal im Orpheum gewesen. „Da wusste ich schon, dass ich das unbedingt mal machen will. Vom ersten Moment an war es meins.“ Als Thronbesatzung kam er mit 36 Jahren zum Verein. Ein Jahr später wurde er zum Hüter über die Bühnenkleider der Karnevalsgesellschaft.

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Als Kunden werden beim Verkauf unter anderem Schauspielkollegen anderer Theatergruppen erwartet. Viele Bühnen würden die Möglichkeit nutzen, um sich günstig für eigene Bühnenstücke mit Kostümen einzudecken, sagt Baulig. Obwohl die Karnevalsgesellschaft nur aus Männern besteht, ist die Vielfalt der Kleidungsstücke groß: „In unseren Bühnenstücken spielen wir auch weibliche Rollen“, sagt Baulig. „Und wir spielen ganz unterschiedliche Stücke.“ Deshalb beherberge der riesige Kleiderschrank des Theaters alles von High-Heels und pinken Partykleidern bis hin zu dicken, massiven Lederjacken, Polizei-Uniformen und futuristischen Overalls mit Beleuchtung und silbernem Stoff. Zu Bauligs Pflichten als Kostümwart gehört auch, den Verkauf der aussortierten Stücke zu begleiten. „So einen Verkauf machen wir zum ersten Mal“, sagt Baulig. Erste Karnevalsgänger schauen sich bereits kurz nach Eröffnung des Kostümverkaufs um. „Ich suche ein Kostüm für die nächste Session“, sagt Bianca Manz und probiert ein Kostüm aus dem „König der Löwen“ an. Die Preise für die Kleider sind unterschiedlich. Einfache, schlichte Kostüme seien für wenig Geld zu bekommen, sagt Baulig. Für aufwendigere Sachen, an denen viel gearbeitet wurde – zum Beispiel die Löwenmaske – solle der Preis bei mindestens 50 Euro liegen. Baulig: „Am Ende müssen wir aber schauen, wie viel die Leute bereit sind, zu bezahlen.“ In manchen Masken und Kostümteilen steckt tagelange Kleinstarbeit.

Manchen Bühnenkleidern, die nach einer Saison auf der Bühne ausgedient haben, wird in der hauseigenen Kostümwerkstatt neues Leben eingehaucht. Aber auch bei den ausrangierten Stücken gebe es jede Menge Nähmaterial, findet Daniela Wahl: „Ich nähe sehr gerne, und mit einigen Änderungen wird aus manchen Kostümen hier genau das richtige für mich“, sagt die Dülkenerin. „Ich suche nach Sachen für den Karneval, für Feste, aber auch für den Alltag.“ Sie sei zwar im Verein der Kleinen Schwalmtalbühne aktiv, allerdings hinter den Kulissen: „Ich arbeite an Bühnenbildern mit, in den Stücken spiele ich aber nicht.“

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