Philosoph Müller-Salo in Viersen Der Generationenkonflikt in Viersen

Viersen · Der Autor Johannes Müller-Salo hat ein streitbares Buch veröffentlicht. In einer Lesung am Viersener Erasmus-von-Rotterdam Gymnasium besprach und diskutierte er seine Thesen mit den Schülern und den Lehrern.

 „Wir haben an vielen Stellen die Möglichkeit, aus dem Generationenkonflikt herauszukommen“, sagte Johannes Müller-Salo im Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium.

„Wir haben an vielen Stellen die Möglichkeit, aus dem Generationenkonflikt herauszukommen“, sagte Johannes Müller-Salo im Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium.

Foto: EvR

Der Autor Johannes Müller-Salo hat im vergangenen Jahr ein Buch veröffentlicht: „Offene Rechnungen. Der kalte Konflikt der Generationen“. Der an der Leibniz-Universität in Hannover lehrende Philosoph und Autor stellt darin die Frage, was eine Generation der nächsten schuldet. Er untersucht, auf welch vielfältige Weisen die jüngeren Generationen benachteiligt werden. Zu einer der jüngeren Generationen gehört Müller-Salo übrigens selbst, denn er ist 1988 geboren und zählt somit als „Millennial“. Gerade der Konflikt zwischen den Millennials (geboren zwischen 1981 und 1996) und ihren Eltern, den „Baby-Boomern“ (zwischen 1946 und 1964 geboren), ist in den sozialen Netzwerken immer wieder ein emotionsgeladenes Thema.

Ein Beispiel für solche Benachteiligungen sei die Rente, die für die Jüngeren unsicher sei, oder auch die Klimakrise – die ältere Generation habe das CO₂-Budget intensiv genutzt, sodass für die Jüngeren wenig übrig bleibe. Die Benachteiligung erstreckt sich seiner Meinung nach auch auf die Bereiche Staatsverschuldung, Wohnen und Bildung.

Darüber sprach Müller-Salo mit den Betroffenen: Schülern. Im Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium stellte der Autor zwei Stunden lang in einem ausführlichen Vortrag die Thesen seines Buches vor. Schüler des Leistungskurses Sozialwissenschaften und Englisch hatten es übernommen, den Vormittag vorzubereiten und zu moderieren. Ihnen gelang es, auf kurzweilige Art mit Johannes Müller-Salo ins Gespräch zu kommen, ihn fachlich und privat zu befragen und ihn auch ein wenig aus der Reserve zu locken. Sein Kommentar: „Ich glaube nicht, dass ich in einem Vortrag schon einmal so gefordert wurde.“

Als Montagsmaler erhielt er die Aufgabe, den sich verstärkenden Generationenkonflikt zu malen. Müller-Salo zeichnete ein Haus, einen Baum, einen Fahrradständer und eine Bushaltestelle: „Wir haben an vielen Stellen die Chance, aus dem Generationenkonflikt herauszukommen“, sagte er: weniger Wohnraum verschwenden, öffentliche Verkehrsmittel und das Rad nutzen. Mehr Grün in die Stadt bringen.

Auch die Lehrer nahmen ihn mit kritischen Fragen ins Kreuzverhör. Eine davon bezog sich auf die öffentlichkeitswirksamen Aktionen der Klimaaktivisten, die der Autor als „nicht radikal“ bezeichnet hatte. Müller-Salo gab zu bedenken, dass die „staatlichen Institutionen sich nicht an rechtlich festgelegte Abkommen halten“, so dass ziviler Ungehorsam für ihn im Bereich des Akzeptablen liege. Weitere Fragen drehten sich um das Unverständnis für die Lebensstile der jeweils anderen Generation. Müller-Salo betonte, dass man von der persönlichen Ebene zurücktreten müsse. Es gehe nicht um Schuld der einen oder anderen Generation, sondern darum, politisch und privat Verantwortung zu übernehmen. Dem Konflikt, so Müller-Salo, müsse produktiv begegnet werden. Er forderte zum Streiten über die eigene politische Verantwortung auf. Der Autor stellte die Idee eines nationalen Jugendrates vor, in den 14- bis 35-Jährige gewählt werden könnten, die so ein Mitwirkungsrecht erhielten.

(b-r)