Viersen: Paul Klees finstere Miniaturwelt

Kunst aus Viersen : Paul Klees finstere Miniaturwelt

In Viersen lagern viele Arbeiten weltberühmter Maler. In der Serie der Rheinischen Post geben wir einen Überblick über große Werke. Diesmal stellen wir die „Kleinwelt“ Paul Klees vor. Er packt seine Vorstellung von Welt auf ein 14,2 mal 9,6 Zentimeter kleines Blatt.

Das ist wirklich eine geballte Miniatur-Welt, die „Kleinwelt“ aus dem Jahr 1914. Der Zeichner, Maler und Grafiker Paul Klee packt seine Vorstellung von Welt auf ein gerade mal 14,2 mal 9,6 Zentimeter großes Blatt, das ist weniger als ein halber Din A4-Bogen. Ganz nah müsste man herangehen, um die Fratzen, Masken, Strichfiguren, die Flecken, Pflanzen, Sterne und Symbole zu erkennen, die sich auf der Radierung tummeln. Es ist eine finstere, bedrohlich wirkende und gar nicht freundlich-farbige, oft so heitere Welt, wie wir sie von vielen anderen Blättern und Gemälden des Künstlers Paul Klee kennen.

Aus der Dunkelheit tauchen die Motive auf, ohne in direktem Zusammenhang miteinander zu stehen. Dennoch scheint in dieser Welt alles auf geheimnisvolle Weise zusammen zu gehören: die grafischen Zeichen und der Mensch, die Pflanzen und die Gestirne. Hier verschieben sich die Maßstäbe: Das Große wird klein, das Kleine groß. Düsternis breitet sich aus. Die Grafik wirkt wie das Bild eines Albtraums, in dem am Tag Erlebtes sich unterschiedslos vermischt, auf- und untertaucht.

Paul Klees „Kleinwelt“ befindet sich seit 1977 in der Grafischen Sammlung der Stadt Viersen. Bis 1914 war Klee vorwiegend als Grafiker tätig. „Kein Tag ohne Linie“ dürfe vergehen, so wird ein Satz aus späteren Jahren zitiert. Klee zeichnete, radierte und lässt sich weder bis 1914 noch später stilistisch klar einordnen. Er orientierte sich mit großer Vorliebe an Kinderzeichnungen sowie an Zeichnungen von Menschen mit geistiger Behinderung. Es ist das Ursprüngliche, das ihn faszinierte und dem er nachstrebte.

Das Jahr 1914 ist ein Übergangsjahr für Klee und geprägt von einem besonderen Ereignis. Im April reisten die Künstler August Macke, Louis Moilliet und Paul Klee gemeinsam nach Tunesien. Das Licht und die Farben Nordafrikas, die exotischen Bauwerke, die Landschaft – sie inspirierten alle drei Künstler zu bedeutenden Werken.

Paul Klee wurde 1879 in Münchenbuchsee geboren und wuchs in Bern auf. Aufgrund seiner vielfältigen Begabung hätte Klee ebenso gut Musiker wie bildender Künstler werden können, entschied sich für ein Kunststudium in München.

Von 1921 bis 1931 lehrte Klee am Bauhaus, danach hatte er bis 1933 eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf inne, bis das nationalsozialistische Regime ihn zur Emigration zwang. Er ging in die Schweiz. 1940 starb Klee im Tessin.