Viersen: Nach Weihnachten verlässt Betreiber den Gasthof Hülser

Gastronomie in Viersen : Gasthof Hülser in Helenabrunn schließt

Im Gasthof Hülser schließen sich mit dem 27. Dezember die Türen. Betreiber Sebastian Appenzeller bleibt aber der Gastronomie treu, allerdings nicht mehr als Selbstständiger, sondern als Angestellter — und in einer anderen Stadt.

„Leicht ist mir die Entscheidung nicht gefallen. Ich habe hier sieben schöne Jahre mit netten Gästen verbracht und viel Freude an der Arbeit gehabt. Aber ich habe mich für mehr Familienleben entschieden“, sagt Sebastian Appenzeller. Der 31-Jährige schließt nach Weihnachten die Türen der Gastronomie, die er 2012 von der Brauerei Bolten pachtete. Appenzeller bleibt aber auch ohne den Gasthof Hülser der Gastronomie treu: Er wechselt als Küchenchef in das im Frühjahr eröffnende Stammhaus der Privatbrauerei Bolten nach Korschenbroich. Genau gegenüber der Brauerei baut das Unternehmen ein Gasthaus.

Für Appenzeller führt der Weg damit von der Selbstständigkeit in ein Angestelltenverhältnis. „Das ermöglicht mir, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen und das ist mir in Hinblick auf meine kleinen Kinder wichtig“, sagt der gelernte Koch. Bis einschließlich 26. Dezember bleibt in Helenabrunn aber alles beim Alten.

Kulinarisch gehört die Haxe, ganz klassisch mit Sauerkraut und Kartoffelpüree serviert, zu den typischen Gerichten in dieser Jahreszeit. Allerdings gibt es das kulinarische Schmankerl nur donnerstags und auch nur auf Vorbestellung. Auch Muscheln müssen vorbestellt werden. Das gilt für die restliche Speisekarte natürlich nicht. „Wir bieten einen kulinarischen Mix an. Es gibt die Klassiker, die einfach dazugehören, und weitere Gerichte, die sich saisonal und regional anpassen“, sagt Appenzeller. Diese Kombination bietet er seit sieben Jahren an und führt sie auch bis zum Ende durch. Seit Anfang November gehört die Gans dazu, wobei hier Keulen und Brust mit Maronen, Bratapfel, Rotkraut und Klößen zubereitet werden.

Für den ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag, die gleichzeitig die letzten beiden Öffnungstage sind, offeriert Appenzeller eine kleine festliche Speisekarte, aus der sich die Gäste ihr persönliches Weihnachtsmenü zusammensetzen können. „Nach Weihnachten haben wir immer eine Woche Betriebsferien gemacht. Diesmal dauern die Ferien länger“, bemerkt er mit einem etwas wehmütigen Lächeln. Ob es einen Nachfolger geben wird, weiß Appenzeller nicht. Die Anlage befindet sich bislang weiterhin im Besitz der Bolten Brauerei. Eine Anfrage unserer Zeitung bei der Brauerei blieb bislang unbeantwortet.

Die Gastronomie hat indes an der Brunnenstraße 4 in Helenabrunn eine lange Tradition. Landwirtschaft und Gastronomie liefen hier immer parallel. Aus einer Gewerbeliste aus dem Jahr 1774 geht so hervor, dass der Hülser Hof schon zu dieser Zeit eine Schankstätte gewesen ist. Das traf auch auf den ebenfalls in Helenabrunn angesiedelten Leyers- und den Dückerhof zu, wobei es auf dem Viersener Berg zu Zeiten des französischen Katasters im Jahre 1812 keine andere Besiedlung als diese drei Höfe gab. Auf dem Hülser-Hof setzte sich die gastronomische Tradition bis heute fort.

Ein wenig spiegelt sich die Geschichte im Gaststättenraum und der kleinen Stube bis heute wider. Alte Karten und Dokumente sowie Stiche von Viersen hängen eingerahmt in den gemütlichen Räumlichkeiten, die an ein gemütliches Wohnzimmer erinnern. Viel Holz, angenehmes Licht, Teppiche auf dem Holzboden, braun-beige gestreifte Vorhänge an den Fenstern, karierte, farblich abgestimmte Tischdecken – in der Gaststätte Hülser sitzt es sich gut. Diesen einladenden Ausdruck zeigt die Gaststätte bereits von außen. Die weißen Sprossenfenster mit den grünen Holzfensterläden und das alte Mauerwerk, darunter auch der Torbogen mit der Inschrift „IHS MH AH“, im Schlussstein, laden zum Einkehren ein. Wobei die Buchstaben für „Jesus, Heiland, Seligmacher, Matthias Hülser, Agnes Harsch“ stehen und damit ebenfalls ein Stückchen Geschichte wiedergeben.