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Viersen: Hunde-Urin ruiniert mehr als hundert Laternen

Hunde-Urin gefährdet Sicherheit : Viersen muss mehr als hundert Straßenlaternen demontieren

Die Stadt muss kurzfristig mehr als hundert Laternenmasten abbauen. Sie sind nicht mehr standsicher, weil das Aluminium durch Urin korrodierte. Sie sollen durch Stahlmasten ersetzt werden. Das kann aber dauern.

An der Hageau-Promenade in Alt-Viersen bleibt es nachts bald finster. Die Stadt wird kurzfristig zahlreiche Laternen abmontieren. Die Arbeiten sollen voraussichtlich an diesem Mittwoch beginnen. Grund ist kein Energiesparprogramm, sondern ein ebenso kurioses wie ernstes Problem: Die Aluminium-Masten der Laternen sind nicht mehr standsicher, weil sie durch ständigen Kontakt mit Hunde-Urin korrodierten.

 Die 17 Jahre alten filigranen Alu-Laternen auf dem Grünstreifen am neuen Nordkanal müssen alle kurzfristig abgebaut werden.
Die 17 Jahre alten filigranen Alu-Laternen auf dem Grünstreifen am neuen Nordkanal müssen alle kurzfristig abgebaut werden. Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Betroffen sind nicht nur die Laternen an der Hageau-Promenade am neuen Nordkanal, sondern nach einer ersten Überprüfung von 434 Masten insgesamt 118 Exemplare. Sie alle müssen abgebaut werden und sollen durch Laternen mit Stahlmasten ersetzt werden. Das kann aber dauern: „Leider gibt es zurzeit enorme Lieferengpässe für den Ersatz aus Stahl“, berichtet Stadtsprecher Frank Schliffke. „Es ist daher nicht absehbar, wann die Laternen wieder in Betrieb gehen können.“

Aufgefallen war das Pipi-Problem vor einigen Wochen nach einem Sturm. An der Hageau-Promenade war ein Alumast abgeknickt. Die Reste der Verkabelung sind noch am Anfang der Promenade an der ersten Brücke zu sehen. „Da dieser Mast der erste in der Reihe ist, bietet er den Hunden den ersten Anlaufpunkt, um ihr Geschäft zu verrichten“, so Schliffke. „Möglicherweise ist dieser Mast deswegen als erster gebrochen.“ Eine Sichtprüfung habe ergeben, dass nahezu jede Laterne an der Promenade das gleiche Schadensbild zeigt. Ein Fachunternehmen hat daraufhin die Masten genauer auf Beschädigungen geprüft. „Dazu wurde unter anderem ein extra dafür konstruiertes und geprüftes Gerät eingesetzt“, so der Stadtsprecher. „Das Gerät belastet die Masten mit einem Druck von 400 Kilogramm.“ Bei den bisherigen Prüfungen habe sich herausgestellt, dass keiner der geprüften Masten noch lange halten wird. „Die Prüfer stellten die Standsicherheit über den Monat Mai hinaus in Frage“, erklärte Schliffke. „Die Stadt muss daher aus Gründen der Verkehrssicherheit sofort handeln.“

 Vor einigen Wochen war die erste Laterne abgeknickt.
Vor einigen Wochen war die erste Laterne abgeknickt. Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)
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Eigentlich sollen die vor 17 Jahren montierten Masten eine Lebensdauer von 30 Jahren haben. „Ein neuer Mast kostet nach aktueller Schätzung zwischen 200 und 300 Euro plus Montagekosten“, sagte der Stadtsprecher. Die Prüfung der Laternen werde weiter fortgesetzt.

 Der Urin reagiert mit dem Aluminium.
Der Urin reagiert mit dem Aluminium. Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Mit dem Laternen-Problem ist die Stadt Viersen nicht alleine. In der spanischen Millionenstadt Alicante an der Costa Blanca hat die Stadt den Bußgeldkatalog geändert, um das Problem zu lösen. Laut dem neu geschaffenen Paragrafen 31 müssen Hundebesitzer dort beim Gassigehen jetzt immer eine Flasche Wasser dabei haben. Sie sind verpflichtet, die Hinterlassenschaften ihres Hundes an Laternenmasten abzuspülen. Wer ohne Wasserflasche erwischt wird, muss ein Ordnungsgeld von 750 Euro bezahlen. Für Viersen sei das keine Option, so der Stadtsprecher. „Geahndet werden kann nur die Hinterlassenschaft von Feststoffen.“

Die Masten sollen durch Stahlmasten ersetzt werden. „Die Erfahrung zeigt, dass Laternen mit einer Stahlmanschette am Fuß dem Hunde-Urin deutlich mehr Widerstand entgegensetzen und eine längere Lebenszeit erreichen“, sagt Schliffke. „Die Stadt Viersen wird in Zukunft grundsätzlich keine Aluminiummasten mehr für neue Laternen verbauen.“