Viersen: Entsetzen über Vergewaltigung

20-Jähriger festgenommen: Entsetzen über Vergewaltigung in Viersen

Die genauen Tatumstände liegen noch im Dunkeln. Ein 20-jähriger Mann aus Westafrika soll Montagnacht eine 65-jährige Viersenerin vergewaltigt haben. Studien zufolge werden Seniorinnen nur selten Opfer sexueller Gewalttaten.

Die Tat löste bei vielen Viersenern Bestürzung aus: In der Nacht zu Rosenmontag vergewaltigte ein 20-Jähriger eine 65-jährige Frau auf dem Weg, der zwischen Petersstraße und Krankenhaus zum Friedhof an der Löh führt. Laut Polizei stammt der Täter aus Westafrika, wohnte aber in Viersen. Er war der Polizei Viersen bekannt, weil er im Verdacht stand, illegal eingereist zu sein. Die Polizei im Landkreis Lippe soll ihn einmal wegen Körperverletzung aufgegriffen haben. Zu den weiteren Umständen der Vergewaltigung konnte die Polizei am Dienstag nichts sagen. So ist weiter unklar, warum die 65-Jährige um 0.30 Uhr in der Nähe des Friedhofs unterwegs war.

Trotz des tragischen Ereignisses sieht Psychiater David Strahl, Chefarzt der Forensik II an der LVR-Klinik, ältere Frauen nicht generell gefährdet. "Studien zufolge sind 90 Prozent der Vergewaltigungsopfer zwischen 14 und 21 Jahren alt und nur 0,5 Prozent sind über 60 Jahre alt", sagt Strahl. "In meiner Praxis hatte ich mal einen ähnlich gelagerten Fall. Der Täter war ein in der Entwicklung zurückgebliebener junger Mann."

In 77 Prozent der Fälle kennen sich Opfer und Täter. "Das heißt, der Täter kommt aus dem sozialen Nahfeld: Familie, Arbeit oder Bekanntenkreis", erläutert der Psychiater. In 23 Prozent der Fälle war der Täter der Statistik zufolge ein Fremder.

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Zu den Täter-Typen wird viel geforscht. "Da gibt es als erste Gruppe die retardierten Täter, die ihr Bedürfnis nach Sexualität ausleben und meist wahllos ein Opfer suchen. Dann gibt es als zweite Gruppe die Täter, die wenig soziale Kontakte haben und deren Triebspannung hoch ist. Als dritte Gruppe gibt es Männer, die ihre Aggressionen über die Sexualität ausleben", erklärt Strahl. Als vierten Typen gebe es die "symbolisch agierenden Täter", die in ihrer Entwicklung negative Erfahrungen beispielsweise mit einer übermächtigen Mutter gemacht haben. Bei ihnen spiele Wut und Ohnmacht gegenüber Frauen eine große Rolle.

Zuwanderer und Flüchtlinge lebten ebenfalls häufig am Rande der Gesellschaft. "Oft sind es junge Männer, bei denen sich eine hohe Triebspannung aufbaut. In Kombination mit exzessivem Alkoholgenuss und einer zufälligen Gelegenheit kann es da zu Übergriffen kommen", sagt Strahl. Darüber hinaus gebe es Geflüchtete, die selbst im Krieg oder auf der Flucht Gewalt erlebt haben und das besonders unter Alkoholeinfluss reinszenierten.

Das Erscheinungsbild des Opfers - ob jung, alt, modisch gekleidet oder eher unauffällig - spielt nach Strahls Kenntnissen eine untergeordnete Rolle. "Entscheidend ist meistens, dass der Täter eine Gelegenheit sieht."

(RP)
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