Viersen: Don Giovanni auf der Bühne

Serie Schätze der Grafischen Sammlung : Don Giovanni auf der Bühne

In Viersen lagern viele Arbeiten weltberühmter Maler. In der Serie der Rheinischen Post geben wir einen Überblick über große Werke. Diesmal stellen wir eine Lithografie des Künstlers Max Slevogt vor. Sie ist ein Bühnenentwurf zur Oper „Don Giovanni“.

Max Slevogt zählt mit Max Liebermann und Lovis Corinth zu den bekanntesten deutschen Impressionisten. Die Grafische Sammlung der Stadt Viersen besitzt zwei Lithografien des Künstlers. Seit 1962 ist das 25,3 mal 40 Zentimeter große Blatt mit dem Titel „Don Giovanni – Ihr geht nach jener Seite hin, nach jener Seite ihr““ Teil der Sammlung.

Slevogt wurde 1868 in Landshut geboren. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und unternahm 1890 eine Studienreise nach Italien, bevor er sich als freier Maler in München ansiedelte. Eine weitere Reise nach Ägypten im Jahr 1914 wirkte sich mit dem gesehenen Licht und den neuen Motiven auf besondere Weise auf seine Gemälde aus – sie gelten als Höhepunkt in der deutschen Malerei des Impressionismus.

Slevogt war als Maler, Grafiker und Illustrator tätig, er illustrierte „Ali Baba und die 40 Räuber“, den Roman-Zyklus „Lederstrumpf“ und die Märchen aus „1001 Nacht“, aber auch als Bühnenbildner. Er hatte auch musikalisches Talent: er sang und spielte Klavier und muss ein begeisterter Opernbesucher gewesen sein. Da lag es nahe, Themen aus dieser Welt in die Malerei zu nehmen. Es gibt die Anekdote, nach der Slevogt in seiner Loge eine Staffelei aufgebaut haben soll, um den Bariton Francisco d’Andrade in seiner Rolle als Don Giovanni zu malen. Er hielt ihn in unterschiedlichen Posen auf der Leinwand fest. 1924 entwarf Slevogt die Bühnenbilder für Mozarts „Don Giovanni“ in einer Aufführung in der Dresdner Staatsoper. Don Giovanni ist ein Frauenverführer im Sevilla des 17. Jahrhunderts. Er hat kein anderes Ziel als Frauen zu erobern – am Ende wird er von den Flammen der Hölle verzehrt.

Insgesamt acht Lithografien zu den Bühnenbildern und Kostümen mit einem Titelblatt erschienen 1924 bei Bruno Cassirer in Berlin. Zu Slevogts größtem Bedauern war Fracisco D’Andrade bereits 1921 gestorben und konnte die Beschäftigung des Künstlers mit der Oper nicht mehr erleben. Der Bühnenentwurf zu Don Giovanni aus der Grafischen Sammlung der Stadt Viersen zeigt die Bühne während der Arie mit dem Titel „Ihr geht nach jener Seite hin, nach jener Seite ihr“ aus dem 2. Akt der Oper. In dieser Arie gibt sich Don Giovanni seinem Diener gegenüber als ein anderer aus, hetzt in dieser Rolle gegen sich selbst und die Bauern auf, Giovanni zu verfolgen und umzubringen.

In seiner Lithografie entwirft Slevogt mit flüchtig wirkenden Strichen eine düstere Situation. Zwei Gestalten drücken sich an der Kirchmauer entlang, drei weitere werden in Hast am Gatter des Friedhofes vorbeigescheucht. Alle Männer sind mit Waffen ausgestattet. Slevogt verteidigte sich dagegen, dass die Gestaltung von Bühnenbildern eine Dekoration sei und auf das Äußerliche abziele, sondern im Gegenteil eine Kombination von Inhalt, Musik und Bild verlange: „„Wie ich aber Mozarts eigenartige Schöpfung auffasse, ist sie so weit von jedem Opern- und Theaterschema entfernt, dass – gleichviel, ob Mozart sich dessen bewusst war oder nicht – dem Dekorativen die Aufgabe einer eigenen Selbstständigkeit eingeräumt werden muss. So schien es mir gestattet, auf diesem Gebiet hier nicht in der üblichen dienenden Stellung aufzutreten [...], sondern von dem Recht Gebrauch zu machen, dass auch Kapellmeister, Sänger und Regisseur in Anspruch nehmen, nämlich persönlich zu gestalten, selbstverständlich von der Musik Mozarts und seiner dramatischen Idee ausgehend.““