Viersen: Debatte um neuen Vertrag für NEW-Chef Frank Kindervatter

Versorger in Mönchengladbach : Debatte um neuen Vertrag für NEW-Chef

Mitten im Verkauf der „Sven“-Anteile muss die NEW entscheiden, ob der Vertrag mit Vorstand Kindervatter verlängert wird.

Normalerweise trifft sich der Aufsichtsrat der NEW AG an vier Terminen im Jahr. Im Moment gibt es offenkundig aber eine Menge zu besprechen im wichtigsten Gremium des Viersener Versorgers. Obwohl das letzte Treffen erst einen Monat her ist und das nächste schon Anfang Februar wieder ansteht, kamen die Aufsichtsratsmitglieder zu einer vom Vorsitzenden Hans Peter Schlegelmilch (CDU) einberufenen Sondersitzung zusammen. Darin ging es vor allem um zwei Themen, die eng miteinander zusammenhängen: um den Verkauf der umstrittenen Beteiligung der NEW am Entwickler des Elektroautos  „Sven“, und um den zum Jahresende auslaufenden Vertrag des Vorstandsvorsitzenden Frank Kindervatter.

Die Mönchengladbacher Ratsfraktion der Grünen beeilte sich, via Facebook kundzutun, die Vertragsverlängerung mit Kindervatter sei vertagt worden. Die NEW gab dazu mit Verweis auf die Vertraulichkeit der Sitzung keine Stellungnahme ab. Nach Informationen unserer Redaktion wurde zwar rund zwei Stunden über die wichtigste Personalie beim Versorger diskutiert, aber entschieden wurde nicht. Das soll tatsächlich am 6. Februar passieren.

Vielleicht wird man darüber gesprochen haben, dass die NEW AG eigentlich blendend dasteht. Für das Geschäftsjahr wird ein Gewinn von mehr als 70 Millionen Euro erwartet. Die Stadt als kommunaler Anteilseigner wird davon einen ordentlichen Teil bekommen. 2018 lag das Plus bei knapp 60 Millionen Euro.

Doch in erster Linie dürfte es um den Verkaufsprozess der „Sven“-Anteile gegangen sein. Die Bezirksregierung hatte mehrmals darauf gedrungen, die NEW müsse sich als kommunales Unternehmen von diesem Investment trennen, weil es ohne Beteiligung des Stadtrates und der Bezirksregierung vollzogen worden war. Zuletzt bezeichnete die NRW-Landesregierung das umstrittene „Sven“-Investment als rechtlich unzulässig. Daraufhin präsentierte Kindervatter im Dezember im Rat die Lösung, dass die Innogy SE (vormals Teil von RWE) die „Sven“-Anteile übernimmt und der NEW das eingezahlte Wagniskapital in Höhe von 2,5 Millionen Euro überweist. Formal ist die NEW damit vorerst aus dem Schneider, allerdings bleibt das Verlustrisiko beim Versorger. Sollte Innogy die Beteiligung bis Mitte 2021 nicht gewinnbringend verkaufen können, muss die NEW die Verluste übernehmen. Die Bedingung der Bezirksregierung wäre damit wohl erfüllt. Der Verkauf soll wohl in der Februar-Sitzung beschlossen werden.

Wegen des „Sven“-Deals und seines Zustandekommens ist die Personalie an der NEW-Spitze in der Politik auch umstritten. Dennoch drängt die Zeit. Bis Ende März muss die NEW Kindervatter Klarheit verschafft haben, wie es mit dem Ende des Jahres auslaufenden Vertrag weitergeht.