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Viersen: Christoph Hopp kandiert als CDU-Bürgermeister-Kandidat

Bürgermeisterwahl in Viersen : Hopp ist Anemüller-Herausforderer

Der 50-jährige Leiter des Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums wurde von den CDU-Mitgliedern eindeutig zum Bürgermeisterkandidaten gewählt. Er erhielt 120 von 165 Stimmen und sagte: „Lasst uns das rote Rathaus stürmen!“

Mit einem Wahlergebnis von 72,7 Prozent haben die Viersener CDU-Mitglieder am Donnerstagabend sehr eindeutig entschieden, wer ihr Bürgermeisterkandidat für die Kommunalwahl 2020 werden soll: Christoph Hopp (50), Leiter des Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums. Der Oberstudiendirektor sagte nach der Verlesung des Ergebnisses: „Ich bin platt.“ Er habe sich zwar ein klares Votum erhofft, aber er habe es nicht erwartet, erklärte der Oberstudiendirektor. Zu den ersten Gratulanten zählte der unterlegene Wolfgang Genenger. Er kam auf 26,7 Prozent der Stimmen.

Die Erleichterung über das klare Ergebnis war auch dem Parteivorsitzenden anzumerken. Vor der Wahl hatte Sebastian Achten die 167 anwesenden Mitglieder in der Generatorenhalle daran erinnert, wie gespalten die CDU vor fünf Jahren nach der engen Abstimmung zwischen den Kandidaten war. „Unsere Partei lag am Boden“, sagte Achten und bat eindringlich: „Lassen Sie uns zusammenstehen, egal, wie die Wahl ausgeht.“

Bis zur Mitgliederversammlung waren die Anhänger beider Kandidaten von einem Kopf-an-Kopf-Rennen ausgegangen. Der bodenständige Wolfgang Genenger, seit 33 Jahren in der CDU, bestens vernetzt im Brauchtum, seit einem Vierteljahrhundert Mitglied des Stadtrates, hatte im August seine Kandidatur erklärt. Einen Monat später zog der bis dato parteilose Christoph Hopp nach – nachdem ihn einflussreiche CDU-Mitglieder aufgefordert hatten, zu kandidieren. „Die Reden der beiden Kandidaten werden die Entscheidung bringen“, sagte ein früheres Vorstandsmitglied vor dem Abend.

Es war 19.46 Uhr, als Wolfgang Genenger an das pink illuminierte Rednerpult trat. Er sprach als erster, weil die Parteiführung die Kandidaten in alphabetischer Folge ihres Nachnamens aufrief. Genenger – dunkelbraunes Jackett, weißes Hemd, keine Krawatte – erzählte von seiner Kindheit als sechstes von sieben Kindern im Rahser. Wie er schon früh gelernt habe, kämpfen zu müssen. Er sehe den Bürgermeister als Lotsen, der die Stadt gemeinsam mit den Bewohnern, Unternehmen und Vereinen entwickle, sagte der 57-Jährige. Die Stadt müsse weiter zusammenwachsen, forderte Genenger. „Jeder Stadtteil hat seine eigene Identität. Dieses Pfund müssen wir bündeln.“ In Viersen gebe es viele Bereiche, in denen sich die Stadt verbessern könne – beim Zustand der Bildungseinrichtungen, bei der Sicherheit, bei der Organisation der Verwaltung – und der Unterbringung der Verwaltungsmitarbeiter. Und als er zum Abschluss seiner 17-minütigen Rede bekundete: „Ich will Bürgermeister der Stadt Viersen werden. Wir können eine Menge für die Stadt Viersen erreichen“, brandete lauter Beifall im Saal auf.

Hopp – anthrazitfarbener Anzug, weißes Hemd, Krawatte – sagte zu Beginn seiner Rede: „Anstatt uns über die Dunkelheit zu beschweren, sollten wir lieber das Licht einschalten.“ Er habe großen Respekt vor der Aufgabe des Bürgermeisters - ebenso wir er Respekt für die Arbeit der Parteimitglieder in Ausschüssen habe. „Aber: Reicht das für das höchste Amt in dieser Stadt?“, ging er indirekt seinen Mitbewerber an. Nach zwölf Minuten erhielt er erstmals Zwischenapplaus. Da sprach Hopp darüber, dass die Bürgermeisterin gegen eine bessere Personalausstattung der Wirtschaftsförderung gestimmt hatte. Keine drei Minuten später der nächste Zwischenapplaus (Hopp forderte eine Task Force, um die drängendsten Probleme an Schulen sofort anzugehen). Das Publikum kam in Stimmung, johlte, als Hopp forderte: „Viersen braucht einen frauenfreundlichen, nein: einen frauenenthusiastischen Bürgermeister.“ Zum Schluss seiner Rede wechselte Hopp die Perspektive, sprach in der dritten Person über sich. Wie einst Caesar. Am Ende gab’s Applaus. Länger anhaltend als bei Genenger. Lauter. Ein Vorzeichen.

Als Wahlleiter Stephan Seidel das Ergebnis verliest, brandet Jubel auf, reißt es viele der CDU-Mitglieder von den Stühlen. Hopp hält den großen Blumenstrauß wie ein Imperator das Schwert. „Lasst uns das rote Rathaus stürmen!“, ruft er. Und Genenger? Lächelt. „Ich kann mit Niederlagen gut umgehen“, sagt er.

Lesen Sie hier das Protokoll des Abends in unserem Liveblog.