Am 9. August Viersens älteste Bürgerin feiert 106. Geburtstag

Dülken · Hildegard Becker wird am 9. August 106 Jahre alt. Auf ihr vielfältiges Leben blickt sie stets zufrieden zurück. Was sie alles erlebt hat.

Hildegard Becker ist die älteste Bürgerin in Viersen. Ihr Geburtstag wird im Haus Bodelschwingh groß gefeiert.

Hildegard Becker ist die älteste Bürgerin in Viersen. Ihr Geburtstag wird im Haus Bodelschwingh groß gefeiert.

Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Hildegard Becker wurde am 9. August 1917 in Geldern geboren. Dülken bezeichnet die Seniorin als ihre Heimat. Im Alter von vier Jahren ist sie gemeinsam mit ihren Eltern nach Dülken gezogen. „Meinem Onkel gehörte ein Baugeschäft in Viersen. Er fiel von einem Gerüst und verstarb. Meine Tante stand allein da. Wir verließen Geldern, um sie zu unterstützen“, erzählt die Seniorin.

In Dülken hat sie ihre Kindheit und Jugend verbracht. Becker ging bis zu ihrer Mittleren Reife auf das Progymnasium in Dülken. Während ihrer Schulzeit war sie immer mit zwei Freundinnen unterwegs. Das Trio hat viel Zeit miteinander verbracht: „Mit den beiden bin ich immer gerne zusammen gewesen“, sagt sie.

Generell ist die Jubilarin ein geselliger Mensch – auch heute noch. Große Freude kommt etwa in ihr auf, wenn der Sohn einer Mitarbeiterin des Haus Bodelschwinghs sie besucht. Dann müsse Beckers Sohn auch unbedingt Schokolade für den jungen Besucher besorgen. In ihren mehr als 100 Jahren Lebenszeit hat Hildegard Becker viel erlebt. Dass ihr Leben so vielfältig war, liege auch daran, dass sie sich immer aktiv bemüht habe, Abenteuer zu erleben. „Ich bin gemeinsam mit meinem Mann immer gerne gereist“, berichtet sie.

Ihre schönste Reise ging nach Ägypten – es war die letzte gemeinsame Reise mit ihrem Mann vor rund 30 Jahren: „Wir hatten das Riesenglück, in eine große Pyramide reingehen zu können und diese zu besichtigen. Das war vielleicht ein Erlebnis“, sagt Becker rückblickend. Nach vier Tagen Aufenthalt in Ägypten flog das Ehepaar mit einem Kleinflugzeug auf eine Insel südlich von Ägypten: „Das war ein tolles Abenteuer“, sagt die Seniorin. Insgesamt verbrachte das Ehepaar Becker 14 Tage in Ägypten. Dabei haben ihnen vor allem die historischen Ausflüge gut gefallen.

„Ich muss sagen: Alle besonders schönen Reisen habe ich gemeinsam mit meinem Mann gemacht“, sagt die Seniorin. Auch ihre beiden Söhne waren oft auf Reisen dabei – überwiegend auf den Städtetrips der Familie. „Uns war wichtig, dass wir auch den historischen Hintergrund jeder Stadt kennenlernen. Deswegen haben wir gemeinsam viele Besichtigungen gemacht.“

Nach dem Tod ihres Mannes hat Becker gemeinsam mit ihrer zehn Jahre jüngeren Schwester weiter die Welt entdeckt. „Wir haben am liebsten Städtereisen gemacht“, berichtet die 106-Jährige. In ihrem Leben habe sie dadurch bereits jede größere Stadt in Europa gesehen. „Kultur stand bei uns immer an erster Stelle“, sagt die Seniorin. Bei ihr und ihrer Schwester gab es keine Reise ohne Konzert- oder Theaterbesuch. „Vor allem Konzerte liebe ich sehr“, verrät sie. So sehr, dass sie auch schon extra für ein Konzert nach Berlin gereist ist. „Ich habe auch sehr oft Kuren gemacht“, betont Becker. Diese haben ihr immer viel Freude bereitet: „Man konnte immer etwas erleben.“ Und natürlich gab es dort auch Konzerte, die die Dülkenerin immer besucht hat.

Ihre Schwester ist noch heute eine der wichtigsten Bezugspersonen in Beckers Leben: „Wir telefonieren jeden Abend und erzählen uns, was wir am Tag so erlebt haben.“ Und dann sagen die beiden sich noch „Gute Nacht“. „Ohne das fehlt mir etwas“, sagt die Dülkenerin.

Was außerdem jeden Tag auf der Tagesordnung der 106-Jährigen steht: Ein Spaziergang. „Ich bin eine Frühjahr- und Herbstfrau. Zu diesen Jahreszeiten bin ich besonders gerne an der frischen Luft“, erklärt sie.

Hildegard Becker hat viel erlebt.

Hildegard Becker hat viel erlebt.

Foto: Becker

Bis vor einigen Jahren hat Becker noch in ihrem Eigenheim in Dülken gewohnt. Dann stand der Umzug in das Haus Bodelschwingh in Dülken an. Dort sei sie zufrieden und gut aufgehoben und habe „das schönste Zimmer mit einem schönen Ausblick bekommen“, ist sie sich sicher. Für ihr Wunschzimmer habe sie sich auch stark eingesetzt. Die 106-Jährige geht am liebsten im Park des Hauses spazieren: „Dort stehen wunderschöne Gewächse. Einem Baum habe ich sogar einen Namen gegeben“, verrät sie mit einem Grinsen. An ihrem Ehrentag wird im Haus Bodelschwingh groß gefeiert: „Darauf freue ich mich riesig.“